Donnerstag, 30. September 2010

 

Wir ersticken in Umzugskartons. In jedem Zimmer türmen sich die Kartons von unserem alten Haus und von Kairo. Wir sind Stammgast an dem Altpapiercontainer vor unserm Rathaus. Die Schule hat begonnen und bestimmt den Alltag. Allahseidank ist die Küche soweit fertig, dass sie funktionsfähig ist. Während sich die beiden Jüngeren in ihren Klassen schnell einfügen, hat unsere Älteste Berührungsschwierigkeiten mit der Unterfränkischen Landjugend. Diplomatische Höchstleistung der Eltern ist gerade gefordert. Das Einrichten der Wohnung hat nun doch den größten Teil unseres finanziellen Polsters aus Kairo aufgezehrt. Vor Allem die Küche hat ein großes Loch gerissen.

Entgegen unserem Mietvertrag sollen wir Gehsteig und Vorplatz für alle Parteien sauber halten und den Winterdienst erledigen. Mächtig Arbeit bei einem Eckhaus mit Laubhecke und jeder Menge Obstbäume über den Gehsteigen. Das wird noch harte Verhandlungen erfordern.

Ebenfalls unglücklich sind wir über unsere Fußbodenheizung. Alle Räume sind bei uns gefliest. Das hat südländisches Ambiente. Leider verteilt sich das warme Wasser der Fußbodenheizung höchst ungleichmäßig. An manchen Stellen in der Wohnung ist der Steinfußboden kuschelig warm und an anderer Stelle eiskalt. Regeln lässt sich so ein Konstrukt sehr schwer. Schau'n wir mal, wie das im Winter wird und wie sich die Heizkosten entwickeln.

Was ich inzwischen in unserer Region sehr schätze, ist die Weite des Landes. Der Blick in die weite Landschaft hat Sahara- Qualität. Dass wir dabei die Kühltürme des 20km entfernten Atomkraftwerks Grafenrheinfeld in Schweinfurt im Blick haben, ist der Wehrmutstropfen. Von der unterfränkischen Trockenplatte, auf der wir nun leben, merken wir noch nicht viel. Wir haben eher den Eindruck, im unterfränkischen Aquarium zu leben.

Die Versorgungslage und die Einkaufsmöglichkeiten sind nicht schlechter, als in München. Das muss in Schweinfurt oder Würzburg erledigt werden. Rein von den gefahrenen Kilometern ist das auch nicht mehr, als in der Flächenstadt München. Das Meiste gibt es im sechs Kilometer entfernten Volkach. Ein wirklicher Nachteil ist die Verkehrsverbindung. Ohne Elterntaxi haben die Kids keine Chance, irgendwo hin zukommen. Es gibt auch keinen Radweg nach Volkach und auf der Staatsstraße läuft ungebremst der Schwerlast- LKW- Verkehr nach Schweinfurt. Nichts für radelnde Kinder. Es wird viel gerast und riskant überholt. Ein altes Übel des Landlebens. In der Stadt gibt es Blechschaden, auf der Landstraße wird gestorben.

Mit der Bevölkerung kommen wir bisher gut aus. Ein Schwätzchen ist fast mit jedem möglich. Wir gewöhnen uns auch langsam an das harte D wie Mülldonne und das harte G wie Dange.

Allen Bemühungen zum Trotz haben wir noch keine Werkstatt für den Unimog und die Firma Unimurr gefunden.

 

Erste Bilanz nach vier Wochen. Es läuft nicht so gut. Deshalb komme ich auch kaum zum Schreiben. Eine Werkstatt ist trotz aller Bemühungen nicht in Sicht. Ich werkle ununterbrochen an der Einrichtung der Wohnung.

Die Verwerfungen wegen der Wiedereingliederung der Familie sind beträchtlich und kosten viel Kraft. Mit drei pubertierenden Kindern an einer neuen Schule geht da schon der Bär ab. Ich verschleiße mich mit Auseinandersetzungen mit den diversen Behörden, Krankenkassen und der Telekom.

Und die Fa. Unimurr läuft auch nicht gut, weil ich nicht dazu komme, mich ausreichend zu kümmern und meine Werkstatt in München ist.

 

Inshallah, Es wird, aber zäh und mühsam und ich schreibe auch wieder mehr , versprochen.

 

 

Deutsche Telekom

 

Es ist jetzt 12:32Uhr, der Telekom- Techniker hat gerade das Haus verlassen und die Telekom hat es geschafft. El Hamdulillah, wir haben Telefon und Internet. Es hat nur die Kleinigkeit von 5 Wochen gedauert. Was sind wir doch für ein High-Tech und Dienstleistungsland.

Erforderlich waren etwa 15 Telefonate mit der Telekom-Hotline. Natürlich hat man immer einen anderen Mitarbeiter an der Strippe, wenn man die Hürden der freundlichen Auswahldame und die ca. 30 Minuten Wartezeit mit Telekom- Gedudel gemeistert hat. Zur Kurzweil wird man von der freundlichen Auswahldame alle 5 Minuten darauf hingewiesen, dass der nächste freie Mitarbeiter für mich reserviert ist. Es muss verflixt wenig freie Mitarbeiter geben. Immerhin kenne ich nun die Telekom- Dudelmusik auswendig und kann sie rückwärts pfeifen, was immer mir das für einen Vorteil im Leben bringen mag.

Jeder der freundlichen Mitarbeiter beginnt mit der Floskel: "Guten Tag, ich heiße Soundso, wie kann ich ihnen helfen?" Das provoziert mich immer zu der Antwort: "Mir ist nicht mehr zu helfen". Das bringt die Meisten erst mal aus dem Konzept der einstudierten Redewendungen. Die kleine Rache des Hotline-Gestraften. Wirklich erfolgreich helfen konnte mir nur der Letzte in der langen Kette inkompetenter Laberer.

Der veranlasste auch, dass heute Vormittag um 11:00 Uhr der freundliche Telekom-Techniker an der Haustür klingelte. Der Techniker war wirklich nett, klemmte ein paar Leitungen um uns schon konnte ich telefonieren. Wir plauderten noch etwas über Unimog, der nicht zu übersehen ist vor unserer Haustür und die Wüste. In seiner Mittagspause stöberte er auf meiner Internetseite und ist nun ein begeisterter Unimurristi, wie er mir vorhin per Mail mitteilte.

Fairerweise muss auch gesagt sein, dass der WLAN- Router der Telekom sich praktisch von selbst konfigurierte und nur wenig Hand an die Einstellungen zu legen war.

So ist eine Weitere der zahlreichen Hürden auf dem steinigen Weg der Wiedereingliederung in deutschen Landen genommen.

Allah's Wege sind unergründlich.

 

Nach oben