Nachdem die Entscheidung auf den OM352A gefallen ist, war der erste Schritt die Beschaffung eines Motors selbigen Baumusters. Die Recherche bei diversen LKW- Gebrauchthändlern war ernüchternd. Hohe km- Leistungen und unverschämte Preise. Der Durchschnitt bewegte sich bei Euro 3500,- bei einer Laufleistung von 200.000km.
Also blieb nur noch die zentrale Versteigerungsstelle für Güter des Staates, die VEBEG. Nach dem Studium der Internet- Seite wurde ich auch gleich fündig mit fünf Motoren OM352A aus den LKW 1017. Nach einigen Telefonaten mit der Zentrale in Frankfurt und den Standort- Offizier in Kiel hatte man mir den Eindruck vermittelt, dass es sich um neue, oder generalüberholte Motoren handelt.
Mein darauf abgegebener, erster Schuss in Sachen Gebotshöhe ging voll ins Leere. Mit dem Gebot von Euro 1100,- lag ich offensichtlich zu niedrig.
Zwischenzeitlich hatte ich entdeckt, dass die erzielten Verkaufspreise auf einer untergeordneten Seite einzusehen sind. Das war zur preislichen Orientierung sehr hilfreich. Dort kristallisierte sich ein Durchschnittspreis von Euro 1500,- heraus.
Die nächste Charge von fünf Stück OM352A war besonders attraktiv, da der Standort in der Nähe von Ulm war, was von München eher ein Heimspiel ist. Alle Versuche meinerseits, mich telefonisch vom Zustand der Motoren mit den entsprechenden Los- Nummern kundig machen, scheiterten kläglich, da der Wissende in dem Depot nie zu erreichen war. In der Ausschreibung ist der Zustand nicht beschrieben. Risikobereit, wie ich bin, schlug ich trotzdem zu. Eigentlich wollte ich nur einen Motor, habe aber sicherheitshalber auf zwei mit Euro 1550,- geboten und prompt den Zuschlag für Beide bekommen. Nach der Bezahlung der Motoren und mit der darauf hin erhaltenen Abholberechtigung bewaffnet, machte ich mich eine Woche später auf den Weg nach Ulm. Ich hatte mir den größten Anhänger gemietet, den mein VW- Passat ziehen durfte. Rein rechnerisch hätte das bei einem Motorengewicht von zweimal 500kg und einer Zuladung von 1200kg trotz Verpackung gerade so passen müssen. In freudiger Erwartung stand ich drei Stunden später auf dem Kasernengelände, das bürokratische Procedere hinter mir, und wartete auf den Staplerfahrer, der meine Kisten aus der Halle holte.
Der Schreck war groß, als der Stapler mit der ersten, gigantischen Kiste auftauchte. Das Ding war 1,6m mal 1,3m mal 1,1m groß. Das Gewicht war deutlich mit 751kg außen aufgedruckt. Es war mir schnell klar, dass ich da wohl zweimal fahren werde. Also machte ich mich etwas frustriert mit der ersten Kiste auf den Heimweg. Nach diversen Staus und sonstigen, kleinen Verzögerungen, stand dann glücklich die Kiste um 21Uhr in meiner Werkstatt. Natürlich war die Neugierde so groß, dass ich das Objekt der Begierde unbedingt noch in Augenschein nehmen musste. Also die übergestülpte Kiste von der Palette abgeschraubt und mit dem Kettenzug abgehoben.
Oh wie groß war meine Enttäuschung, über das, was ich da zu sehen bekam. Der Motor war gebraucht und nach dem Studium der angehängten Papiere war schnell klar, dass es sich um einen defekten Motor mit 160.000km und nicht näher erklärten Schäden handelt.
An diesem Abend musste mich meine Frau lange trösten.
Da ich mir nicht noch mal einen Tag Urlaub nehmen konnte, fuhr ich am nächsten Morgen um 4Uhr in der Früh los und war um 7Uhr wieder in der vertrauten Kaserne vorstellig. Während der zweite Motor aufgeladen wurde, plauderte ich mit dem sehr netten Oberfeldwebel, der Herr über das Depot war. Im Gespräch erfuhr ich, dass Neumotoren und überholte Aggregate definitiv bei OM352 erst versteigert werden, wenn die U1300L oder die LKW 1017 nicht mehr aktiv im Einsatz sind. Meine Motoren hätten nur leichte Schäden, weshalb ich von Glück reden könnte. Ich hatte also eher Glück gehabt und habe zwei Motoren erwischt mit 60.000km und 160.000km an denen voraussichtlich nur kleinere Schäden zu erwarten sind. Das muss aber noch verifiziert werden.
Zumindest lässt sich die Kurbelwelle ohne Auffälligkeiten drehen, der Motor hat Kompression, der Turbolader dreht sich leicht und die Ventil- Mechanik schaut gut aus.
Inzwischen ist der zweite Motor mit 60.000km zu den Selbstkosten verkauft und im Sommer 2005 werde ich das Innenleben meines mir verbliebenen Motors in Augenschein nehmen.
Fazit: In der Rückschau ist das Ersteigern bei der Vebeg ein unkalkulierbares Unterfangen, da der Zustand der Artikel entweder in dehnbaren Erhaltungsstufen- Codes, oder nur in mündlicher Weise, vom Standortkommandanten zu erfahren ist. Da die Standorte des Materials in der Regel weit weg sind, ist eine Besichtigung selten möglich. Kurz, man ersteigert die Katze im Sack. Speziell bei Motoren bekommt man mit Glück einen Motor mit leichten Defekten oder bei Pech einen Schrottmotor. Unter diesem Gesichtspunkt ist das ein riskantes Spiel. Ist aus der Position eines Münchners der Standort dann noch in Kiel, ist die Auktion finanziell uninteressant.
Ersteigern kann man über das Internet ganz komfortabel:
www.vebeg.de/web/de/verkauf/browse.htm
Einziger Vorteil gegenüber des freien Gebrauchtmotoren- Marktes ist, dass man zum Teil Motoren mit wenig km bekommen kann, während im freien Gebrauchtmotoren- Markt unter 300.000km kaum etwas zu finden ist. Dort fangen die Preise für gebrauchte OM352A bei Euro 3500,- an. Außerdem werden die Motoren bei der Bundeswehr nach dem Ausbau konserviert, da immer von einer Instandsetzung ausgegangen wird.