Stand 28.10.2003
Im Jahr 2003 sind wir das erste Mal mit unseren Kindern nach Algerien gefahren. Ein wenig Erfahrung hatte ich schon auf früheren Reisen mit Konvoi- Partnern gesammelt, die mit Kindern unterwegs waren. Trotzdem waren wir sehr gespannt, wie die Kinder die Wüste aufnehmen und welche Probleme auftauchen werden. Ein wenig Sorge wegen der jüngsten Ereignisse in Algerien hatten wir natürlich auch. Wegen der Sicherheitslage gab es keinerlei Probleme. Die Bevölkerung und auch die Militärs und Polizisten waren freundlicher den je. Natürlich fahre ich seit 25 Jahren mit der Gewissheit, dass ein Wüstenstaat nicht kontrollierbar ist, und bewege mich seit jeher mit der nötigen Vorsicht und einem gesunden Misstrauen in den Ländern Afrikas.
Das Mindestalter sollte nicht unter vier Jahren sein, weil erst dann das Immunsystem in der Lage ist, mit komplexeren Anforderungen umzugehen. Außerdem ist das Erinnerungsvermögen erst mit sechs Jahren in der Lage, eine solche Reise zu erfassen und zu behalten.
Unsere Anni war vier Jahre alt und kann sich nur noch an Spots aus dieser Reise erinnern. Mein Sohn Leo hat dagegen mit sieben Jahren das Erlebnis förmlich aufgesogen und erinnnert sich bis Heute an viele Details.
Besondere Vorkehrungen haben wir keine getroffen. Ein Haus dabei zu haben, halte ich für elementar. Die Kinder verstehen den Wohnaufbau als Schutzraum in einer ihnen fremden Umgebung. Auch bei schlechtem Wetter ist ein fahrbares Häuschen Gold wert. Verregnete Tage gibt es auch im August in der zentralen Sahara, wie wir 2003 erleben konnten.
Weil wir als Eltern die volle Verantwortung für solche Unternehmungen tragen, war das Satelitentelefon für mich obligatorisch. Das versetzt mich in die Lage von jeder X-beliebigen Stelle Hilfe anzufordern. Ein PLB- Notrufsender auf der Notruffrequenz der zivilen Luftfahrt ist immer auf meinen Reisen dabei. Der funktioniert weltweit. Es ist dann schnell der Hubschrauber da. Den Ärger und die Kosten stelle ich mir lieber nicht vor.
Das ist nach meinem Verständnis aber zweitrangig. Das Leben und die Gesundheit der Kinder hat Vorrang.
Die Reise begann mit einer heftigen Erkältung der Eltern, die wir aus Deutschland mitgebracht hatten. Glücklicherweise steckten wir keines der Kinder an. Sonst lief die Reise in Sachen Gesundheit unproblematisch, von zahlreichen Dornen, die wir täglich aus allen möglichen Körperteilen der Kinder zogen, mal abgesehen. Das obligatorische Tragen von Sandalen konnten wir in den Dünen nicht durchsetzen, es ist aber auch nichts passiert. Besonders eingeschärft habe ich den Kindern, Insekten aller Art nur mit Sicherheitsabstand und im Beisein der Eltern zu beobachten und keine toten Tiere anzufassen. Das Wasser haben wir mit Micropur© aufbereitet und alle Früchte, Gemüse und Salat zur desinfizierenden Reinigung mit einer sehr verdünnten Lösung (etwa 0,02 bis 0,05%) Kaliumpermanganat in Wasser gewaschen. Kaliumpermanganat hilft auch bei Stichen aller Art. Impfungen sind außer den bei uns Üblichen, keine notwendig, wenn man sich im Sahara- Raum bewegt Zudem bin ich der Auffassung, dass eine gesunde Portion Dreck dem Immunsystem nicht schadet, eher die Abwehrkräfte stärkt. Vorsichtig bin ich da nur in den Oasen.Die letzten Tage in Tunesien bekam meine Kleinste eine kleine Pilzinfektion, ausgelöst durch das Tragen ihrer Windeln. Die verschwand aber sehr schnell, als wir wieder Zuhause waren. Empfehlenswert ist eine Auslands- Krankenversicherung und ein Auslands- Rückhohlversicherung.
Mit der Hitze gab es wenig Probleme. Mir macht es sowieso nichts aus, die Kinder störte es überhaupt nicht, nur meine Frau hatte etwas Aklimatisierungsprobleme. Da wir die ersten drei Wochen schlechtes Regenwetter in Algerien hatten, bewegten sich die Höchsttemperaturen zwischen 35° - 38°C bei 50% rel. Luftfeuchte. Erst in den letzten zwei Wochen hatten wir klassisches Sahara- Wetter mit 45°C Tageshöchstwert und 20% rel. Luftfeuchte. Das war uns allen subjektiv am Liebsten. Natürlich mussten wir ständig aufpassen, dass die Kinder etwas auf dem Kopf haben, sonst kann es sehr schnell zum Hitzschlag kommen, da die Körpermasse klein ist. Lästig ist der permanente Durst. Wir waren ständig am Trinken. Am Besten bewährt hat sich schon immer leicht gekühltes Wasser (10° weniger als die Außentemperatur) mit einem Schuss Zitronenkonzentrat. Das Ganze in Thermosflaschen abgefüllt mit einem Silikon- Schlauch, dass man auch während der Fahrt trinken kann. Wir kamen erstaunlicherweise mit max. 15 Litern reines Trinken pro Tag aus, (zwei Erwachsene, drei Kinder mit 4, 7 und 10 Jahren) obwohl beim Trinken natürlich nicht gespart wurde. Wenn wir auf der Piste oder abseits der Wege sind, ist Wassersparen angesagt, bis wir wieder nachfüllen können. Aber mit 380 Litern sind wir sowieso auf der sicheren Seite.
Die erste Reise mit Kindern war ein ungeheurer Stress, den wir uns natürlich selbst machten. Das hat sich nun nach vier Reisen mit den Kid?s nur geringfügig verändert. Was ich dieses Jahr in Syrien gelernt habe: Es wird nie so sein, wie ohne Kinder. Die Ruhe, Muse und Gelassenheit früherer Reisen zu Zweit in der Prä- Kinderzeit ist Geschichte.
Ich werde mich also in Zukunft mit dem organisierten Wahnsinn abfinden und vielleicht läuft es dann auch etwas gelassener. :-)
Die Jahre sind mal wieder viel zu schnell ins Land gegangen. die Kinder sind gewachsen und wir haben viele Reisen gemacht. Das Reisen mit den Kid's wurde Routine, wenn auch nicht minder anstrengend. Vieles hat sich eingespielt. Gescheitert sind wir beim Abwasch. Die Kinder dazu zu motivieren, klappt nur parziell. Meine Älteste entlastet den alternden Vater zumindest beim Stühle holen vom Fahrerhausdach und beim Klapptisch- Aufbauen.
Seit wir in Kairo sind, ist die Begeisterung der Kinder, mit den Eltern in die Wüste zu fahren, gegen Null. O-Ton: "nicht schon wieder in die Wüste, nee, wie langweilig". Pubertäre Entwicklungen, nennt man das.
Das hatte zur Folge, dass die Eltern im vergangenen Jahr zweimal ohne Kinder eine Woche in der Wüste waren.
Zuerst war es ungewohnt und fühlte sich komisch an. Dann kann zumindest ich auf den Geschmack. Keine permanente Streitschlichtung. Ruhige Abende, Frühstück und Abendessen ruckzuck bereitet und der Abwasch ohne Theater schnell erledigt. Das hat was. Vergessene Qualitäten.
Also ich komme da schnell wieder auf den Geschmack. ;-))
Fragt sich der Vater, wer sich da schneller abnabelt. die Kinder oder die Eltern.
Inshallah, die Wege Allah's sind unergründlich.