Weil der internationale Führerschein nur zwei Jahre gilt, können wir residente Europäer den ägyptischen Führerschein machen. Das passierte heute. Herr M, unser Behördenbeauftragter der Schule, machte sich um 11:45 mit uns und unseren Pässen, den internationalen Führerscheinen und 300;- EP pro Nase auf den Weg zur Führerscheinbehörde. Wir, das waren Petra, ein weiterer Lehrer, eine Lehrerin und meine Wenigkeit.
Zuerst lief es nach bekanntem Muster ab. Herr M fuhr mit uns zur besagten Führerscheinbehörde. Dort standen wir mehrheitlich in der Behördenlandschaft herum, während Herr M emsig von Schalter zu Büro und umgekehrt unterwegs war, um die für uns Europäer undurchschaubaren Hürden zu ebnen. Da wir uns angeregt unterhielten, entschärfte die Wartezeit beträchtlich.
Irgendwann innerhalb der elend langen, arabischen Viertelstunde Wartezeit kam überraschend eine Fahrprüfung.
Die lief folgendermaßen ab:
Nach einer kleinen Diskussion musste ein prähistorischer Fiat 128 in jämmerlichem Zustand zwei Meter vorwärts und zwei Meter Rückwärts bewegt werden. Zu unserer Überraschung reichte ein Delinquent für alle vier Führerscheine. Die Wege Allahs sind und bleiben undurchschaubar. Die Wahl viel auf mich als der erfahrendste Driver.
Ich setzte mich also sehr skeptisch in diesen Fiat 128, dem man die ca. dreißig Jahre, die er auf dem Buckel hatte, durchaus ansah. Zuerst viel ich in ein völlig durchgesessenes Sitzpolster. Der Fahrprüfer ließ mir keinen Handlungsspielraum und startete den Fiat, in dem er mit seinem gesamten Oberkörper zum Fenster eintauchte. diese Form von Körperannäherung liebe ich besonders. :-( Die Kupplung hatte einen Druckpunkt jenseits aller Normalität und rupfte grausig. Alleine das wäre beim deutschen TÜV ein Grund zur Außerbetriebnahme des Fahrzeugs gewesen. Unser Herr M erklärte mir noch schnell zu meiner Überraschung, dass ganz rechts das Gas, in der Mitte die Bremse und links die Kupplung ist. Dankbar über diese Belehrung legte ich den ersten Gang ein und näherte mich dem Druckpunkt der Kupplung. Nach einem kurzen Rucker hatte ich die Kupplung weitgehend im Griff und ich fuhr die obligatorischen zwei Meter vorwärts und rückwärts.
Als ehemaliger Besitzer dieses Models im Jahre 1975 hatte ich den Heimvorteil, dass ich mich noch erinnerte, wo der Rückwärtsgang einzulegen ist. Eine junge Frau, die nach uns dran war und den Fiat keinen Millimeter bewegen konnte, bestand die Fahrprüfung aber ebenfalls. Das erklärt einige meiner Erfahrungen mit der mobilen, arabischen Damenwelt in Kairo.
Kurzum, nach dem ich souverän die Teststrecke von zwei Metern vor und zurück meisterte, hatten wir vier Deo- Lehrer die Fahrprüfung bestanden. Soweit ich mich zurück erinnern kann, waren die Anforderungen anno 1969 zum Führerscheinerwerb in Deutschland deutlich strenger.
Nun folgte eine weitere, lange Wartezeit, weil der Behördenrechner, der zur Führerscheinausgabe in Benutzung war, nicht funktionierte. Ich hoffe mal, dass es nicht an der Qualität meines Bildes lag, dass der Rechner abstürzte. Nach einer zähen Stunde Wartens wurden wir nacheinander in ein Büro gerufen. Dort wurden mit einer Videokamera die Führerscheinbilder aufgenommen. Das fotografische Ergebnis war eher ernüchternd. Ein gewisser Wiedererkennungswert auf dem Foto ist aber nicht zu leugnen.
Dreißig Minuten später hatten wir unseren Kartenführerschein mit schlechtem Bild und unleserlichem Inhalt. Mein Sohn Leo konnte zumindest unsere Namen auf dem Laminat identifizieren. Welche Klassen eingetragen sind, entzieht sich vorläufig unserer Kenntnis.
Immerhin ist man hier in Ägypten etwas moderner, als in Deutschland, wo zumindest der Fahrzeugschein immer noch ein Stück unansehliches Papier ist.
So sind wir nun im Besitz eines ägyptischen Führerscheins für 10 Jahre. Trotz des Spottes eines Lehrers, dass wir nun wie die Ägypter fahren müssen, werde ich ein europäisches Sozialverhalten und meine Rücksichtsnahme im chaotischen Straßenverkehr bei behalten. Auch wenn es seltene Tugenden in Kairo sind.
Inshallah und Hamdululillah