Ein Beutefranke ist ein Ausländer, den die Franken erbeutet haben.

Samstag, 28. August 2010 Das Schicksal hat zugeschlagen.

 

Nach wenig erquicklicher Internet- Recherche zu Häusern in der Region Volkach machten wir uns am Mittwoch, den 18. August auf in die Region. Im Gepäck hatten wir vier Objekte. Drei davon bei Maklern. Ich bin eigentlich kein Freund davon, Maklern einen guten Lebensstandard zu ermöglichen, in unserem Fall beschlossen wir in den sauren Apfel von zwei Monatsmieten Provision zu beißen. Als Ortunkundige unter Zeitdruck blieb uns wenig anderes übrig. Das erste Objekt ohne Makler erledigte sich bei der ersten Sichtung von Außen. Wir sagten gleich telefonisch ab. Das nächste Objekt war eine große Wohnung drei Kilometer von Petras Schule weg. Das gefiel uns schon ganz gut. Das Dritte Angebot war ein Reihenmittelhaus in Kitzingen. Nach der Besichtigung wollte jeder nur schnell weg von Kitzingen. Eine weitere, große Wohnung blieb noch in Kitzingen anzusehen. Das Objekt war aber in der Altstadt ohne Stellfläche für den Fuhrpark und damit aus dem Rennen. Wir schliefen eine Nacht darüber in einem lustigen Radlerheim. Das war eine ehemalige Jugendherberge. Euro 70,- für fünf Personen im Jungenherbergestil war etwas heftig, dafür war das Frühstück ausgezeichnet.

Die Wahl der Familie fiel auf die Wohnung in Kolitzheim. Das liegt in der Nähe von Volkach. Die Wohnung hat 150m² für Euro 3,70 den Quadratmeter, gehobene, sehr gute Ausstattung und beste Lage am Ortsrand der 500 Seelengemeinde. Im Erdgeschoß ist eine Zahnarztpraxis, im ersten Stock wir und in der Mansarde ein Monteur, der fast immer im Auslandseinsatz ist. Also fast Hausqualität. Weinberge gibt es auch in der Nähe.

Um 14:00 war der Mietvertrag unterschrieben. Die Murr's haben wieder ein Dach über dem Kopf und sind wir stolze Mieter der großen Wohnung mit Garage.

El Hamdulillah, Allah war uns gnädig.

Am darauf folgenden Montag transportierten wir mit einem gemieteten Mercedes Sprinter die neu gekaufte Küche und unseren Maschinenpark von Miele in die neue Behausung. Unseren Berlingo hatten wir schon am Sonntag vollgepackt.

Küche kaufen bei Ikea war ein Abenteuer für sich. Ein gutes Konzept mit reichhaltigen Variationsmöglichkeiten bietet das Küchensystem von Ikea. Leider trafen wir nur inkompetente Mitarbeiter. Wie ich schon mal erwähnte, ist es mit der Dienstleistungsgesellschaft nicht weit her in Deutschland. Wir hatten also glücklich nach 4 Stunden Ikea die Küche um 13:00 im Sprinter verstaut. Ein m³ Pappschachteln mit 600kg Gesamtgewicht. Wieder in der Werkstatt, unserem Möbellager, packte ich noch an Kisten in den Sprinter, bis er sein zulässiges Gesamtgewicht erreicht hatte, was man gut am Einfedern sehen kann. Nach einer nervigen Fahrt nach Kolitzheim, die Miet-Sprinter sind gedrosselt auf 120km/h, schafften wir Küche, Geräte und Kisten in die Wohnung und den Keller. Dieses Mal nur in den ersten Stock. Völlig fertig schleppten wir uns am Abend noch zum Italiener nach Volkach, speisten vorzüglich und fielen, wieder in Kolitzheim auf unsere mitgebrachten Schlafsäcke und Isomatten. Wir waren alle vor Erschöpfung sofort im Reich der Träume.

Der späte Fluch der Kairoer Spedition

 

Wir haben auf Empfehlung einiger, heimgekehrter Lehrerkollegen eine Spedition aus Maadi beauftragt, unseren Kairoer Hausstand einzupacken und im 20 Fuß- Container nach Deutschland zu verschiffen. Beim Einpacken arbeiteten die Jungs von der Spedition schnell und professionell. Innerhalb eines Tages war unser kompletter Hausstand dick in Pappkartons und Plastikfolie eingepackt. Alles wurde eingewickelt und verstaut. Selbst die schmutzige Bratpfanne, die wir nicht schnell genug abwaschen konnten. Auch ein leeres Marmeladenglas, das noch unachtsamerweise in der Küche rum stand, kam in Deutschland in einer Küchenkiste sorgfältig verpackt zum Vorschein.

Der Leistungsumfang der Spedition war: Einpacken, via LKW nach Alexandria, verstauen im Container und Seetransport bis Hamburg Hafen für stolze Euro 2000,-. Naiv, wie ich bin, glaubte ich, dass ich den Containerinhalt in Hamburg mit einem Miet- LKW abholen kann.

Ein deutscher Spetiteur deillusionierte uns schnell mit einem Angebot. Das enthielt die Posten: Zollabwicklung, Lagerkosten im Hafen und Transport nach München zum Freundschaftspreis von weiteren Euro 2500,- Das erschien mir sehr unfreundschaftlich. Nach einiger Recherche war uns klar, dass schon der Miet- LKW mit Treibstoff auf Euro 650,- kommen würde. Zoll, Hafengebühren und Lagerkosten im Hafen waren etwa Euro 1000,-. Da Möbel und Kistenschleppen in meinem Alter auch nicht mehr so mit Links geht, fügten wir uns zähneknirschend dem Angebot.

Als Bilanz bleibt die Einsicht, dass wir uns für Euro 4500,- prächtig hätten einrichten können. Wieder Lehrgeld für das nächste Leben bezahlt.

Ein weiterer, nicht bedachter Fluch der Spedition war das Auspacken des Kairoer Mobilars. Alles war derart heftig in Packpapier und Folie eingewickelt, dass wir unglaubliche Müllberge aus Kartonage und Folie erzeugten. Vom Zeitaufwand des Auspackens reden wird noch garnicht. Da stahl sich manch unchristlicher Fluch über die Lippen.

 

Leben in Kolitzheim

 

Da Allah?s Wege unergründlich sind, sitzen wir nun auf der Unterfränkischen Trockenplatte. Tatsächlich habe ich eher das Gefühl, in einem Aquarium zu sitzen, da es ununterbrochen regnet.

Nach schwierigem Suchen nach Gymnasiumsplätzen für die Kinder sind nun alle auf dem Gymnasium in Gaibach untergebracht, inklusive meiner schulpflichtigen Frau. ;-)

Wegen der unterschiedlichen Sprachfolgen und den unterschiedlichen Neigungen der Kinder war das nicht so einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Außerdem wollten die Kinder nicht mehr an der gleichen Schule sein, wie die Mama.

Es ist nun doch so gekommen und ich denke, es ist keine schlechte Wahl. Familienlogistisch ist es jedenfalls ein großer Vorteil. Alle an der dem gleichen Gymnasium und der Schulweg von drei Kilometern kann im Notfall zu Fuß erledigt werden.

Grausig bis nicht existent ist die Verkehrsanbindung unseres Dorfes. Ein Bus fährt dreimal am Tag nach Volkach. Ohne Auto geht da praktisch nichts.

Das wird noch viel Elterntaxi erfordern.

 

Jetzt noch eine schnuckelige Werkstatt in der Gegend und die Murr's sind erstmal versorgt.

 

Nach oben