Heute ist also Weihnachten. In Kairo ein ganz normaler Arbeitstag. So ganz ohne Spuren geht das Wiegenfest des Heilands aber auch an Ägypten nicht vorbei.
Im Vorfeld gab es in der Familie die unvermeidliche Diskussion um den Christbaum. Ich argumentierte erfolgreich mit dem Einwand, dass ich in Kairo wohl kaum eine Nordlandtanne auftreiben werde. Der Konsens wurde dann in Form einer Weihnachtspalme erreicht. Dabei habe ich die amerikanische Community hier in Maadi außer Acht gelassen. So gab es vor zwei Tagen plötzlich im Blumenladen am Maadi- Degla- Kreisel allerfeinste Christbäume von der gemeinen Fichte bis zur Nordlandtanne zu kaufen. Das habe ich den Kindern aus Notwehr verschwiegen. Nach dem Preis zu fragen, habe ich in Rücksicht auf mein schwaches Herz gelassen.
Das Schmücken der Weihnachtspalme erwies sich als eine Herausforderung. Die Palmwedel vertragen keinerlei Last. Also malte Anni Christbaumkugeln aus Papier. Zwei Glöckchen von den letztjährigen Schoko- Nikoläusen waren auch noch zu finden. Ein paar bunte Bänder runden das Ganze ab. So haben wir einen unkonventionellen, aber hübschen Weihnachtsbaum.
In unserer Supermarkhölle Seoudi gibt es seit zwei Wochen Schoko- Nikoläuse oder Weihnachtsmänner zu kaufen. So genau lässt sich das nicht sagen. Wegen der amerikanischen Übermacht tippe ich auf Weihnachtsmänner. Als wir heute den Resteinkauf für die Wüstentour machten, entdeckte ich noch einen Schneemann und ein Rentier aus Schokolade. Das Rentier geht aber locker als Osterhase durch.
Im Alfa- Market an der Nil-Corniche, einem Supermarkt mit Schwerpunkt Haushaltwaren, bekam man auch amerikanischen Christbaumschmuck, der in seiner Geschmacklosigkeit nicht mehr zu toppen ist.
So bemühen auch wir uns, dem Weihnachtsabend eine gewisse Stimmung zu entlocken. Tatsächlich reduziert sich das Event auf leckeres Essen und Geschenke verteilen. Das heimische Ambiente gehört eben auch zur Weihnachtsstimmung.
Immerhin ist heute auch mal in Kairo schlechtes Wetter wie in Deutschland zu Weihnachten. Das äußert sich in einer geschlossenen Wolkendecke und Pfützen auf den Straßen. Nein, nicht vom Regen. Es regnet hier nur zweimal im Jahr ein paar Tropfen. Die Pfützen kommen von der ungeheuren Wasserverschwendung durch Autowaschen und Grünstreifen gießen. Das ist am Donnerstag, dem Vortag des arabischen ?Sonntags? besonders schlimm. Mache Straßen stehen regelrecht unter Wasser. Wir trösten uns mit angenehmen 20°C.
Heute Abend gibt es Fondue. Die passenden Soßen zu kaufen ist nicht einfach. Wir haben eine bunte Mischung aus amerikanischen Grillsoßen und arabischen Kreationen, von denen wir noch nicht wissen, wie sie schmecken werden. No risk, no fun.
Bescherung war bei uns schon heute Morgen zum Brunch, weil die Kinder die Spannung nicht mehr ausgehalten haben. Denn diesmal wurden die Eltern beschenkt. Die elterliche Reaktion auf die Geschenke scheint spannender zu sein, als selbst beschenkt zu werden. Wir haben uns auch den Erwartungen entsprechend riesig gefreut. Die Kinder haben ihre Geschenke schon vorher erhalten.