Mittwoch, 26. August 2009, der Ramadan hat uns wieder im Griff.
Der Alltag hat uns wieder im Griff, aber nicht ganz. Richtig langweiligen Alltag gibt es in Kairo nicht. Es passiert ganz gewiss irgend etwas im Laufe des Tages, das einfach neu anders ist.
Mein Urlaub ist seit Anfang der Woche vorbei und die Schule empfängt mich gleich ordentlich mit allerlei stressigen Problemchen. Außerdem hat der Ramadan begonnen.
Doch was ist anders: Seit drei Tagen frage ich mich, wie ich den Verkehr ein Jahr lang ausgehalten habe. Es läuft der Verkehr am Nachmittag einfach aggressiv und ätzend. Die Lösung, wir wohnten letztes Jahr zum Ramadan drei Häuser hinter der Schule und waren dem Verkehr mit 200.000 Ägyptern auf Nikotinentzug nicht ausgesetzt. Im Ramadan darf von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts gegessen, getrunken und was wahrscheinlich am Schlimmsten ist, nicht geraucht werden.
Ich bemühe mich trotzdem, ganz gesittet zu fahren. Im Strom schwimmend, soweit man in Kairo davon reden kann. Die Kairoer Mitstreiter um die rare Verkehrsfläche zeigen gerade im Ramadan wenig Respekt vor 6t Kampfgewicht. Das liegt wahrscheinlich am Gottvertrauen und am fehlenden Verständnis der Physik und den Zusammenhängen von kinetischer Energie, die im Quadrat mit der Geschwindigkeit zunimmt. Kurzum, ich bremse häufig, wenn die Fahrer wieder Spur- Floating spielen, obwohl mich der "Feindkontakt" nur 5 Minuten mit der schwarzen Spraydose an der Stoßstange kostet, die genau auf Rückspiegelhöhe der "Reiskocher" liegt.
Hoffen wir also, dass mit Allahs Hilfe der Ramadan ohne Blechschaden vorbei geht.
Am Ende des Ramadan haben wir eine Woche Ferien. Diesmal werden wir wieder im Inneren des Sinai stöbern und zwei Tage an ans Meer fahren.
Eigentlich wollten wir die Souk?s durchstreifen. Nicht den Touristen- Basar, sondern die zahlreichen gewerbeorientierten Viertel in Downtown. Das macht in den meist überdachten Straßenzügen mehr Spaß bei der Septemberhitze. Dorthin verirrt sich kein Tourist und entsprechend normal geht man dort mit uns Europäern um. Die Einkaufsliste ist lang und wir werden einige Zeit brauchen.
Wir haben uns dann doch zum Sinai überreden lassen.
In unserem Haus in München war morgens immer ein leises, entferntes Rauschen zu hören. Mit etwas Phantasie klang das wie ein Meeresrauschen einer etwas weiter entfernten Brandung. Der eigentliche Ursprung war der Verkehr auf den etwa 5km entfernten Autobahnen.
Ein ?Meeresrauschen? haben wir in unserer Wohnung in Maadi auch. Hier kommt es allerdings von den unzähligen Klimaanlagen in den umliegenden Häusern.
Donnerstag, 3. September 2009 Ramadan und H1N1 Influenza.
Nun währt der Ramadan schon zwei Wochen und er hat die Ägypter voll im Griff. Weil das noch nicht genug ist an Mühsal, kämpfen wir an der DEO auch noch mit den ständig wechselnden Weisungen des Gesundheits- und Erziehungsministeriums, um die H1N1- Influenza- Pandemie in Kairo zu vermeiden. Bisher konnte die Schule noch nicht mit dem Unterricht beginnen und es droht beim ersten Infektionsfall die vierwöchige Schließung der DEO. Ich bin ständig damit beschäftigt, aktuelle Informationen auf die WEB- Seite zu stellen und Verhaltensregeln per Dekret zu verkünden. Man kann sich des Eindrucks nicht entziehen, dass hier paranoid und unprofessionell seitens der Behörden reagiert wird. Am kommenden Sonntag soll der Unterricht nun endlich erlaubt sein. Schaun wir mal, oder Inshallah. Schaut selbst: www.deokairo.com/de/sidemenu/home
Weil wir uns durch die Arbeitszeiten der DEO nicht an den Rhythmus der Araber im Ramadan anpassen können, ist für uns des tägliche Leben sehr mühsam. Während der Araber, vom Fest des Vorabends erschöpft bis in den späten Vormittag schläft, müssen wir um 8.00 in der Schule sein. Geschäfte haben in der Regel von Mittag bis 16:00 Uhr und von 20:00 Uhr bis 2:00 Uhr morgens auf.
Bleibt uns ein Zeitfenster von einer stunde am Nachmittag, um unsere täglichen Einkäufe zu erledigen. Abends sind wir zu kaputt, um noch dieses Zeitfenster zu nutzen.
Die Begeisterung der Ägypter an der Arbeit ist am Nachmittag vor dem Fastenbrechen gegen Null und die Dienstleistungen schwer eingeschränkt. Während in normalen Zeiten der Einkauf im Supermarkt mit homedelivery zugestellt wird, mussten wir heute unsere Plastiktüten mit Hilfe eines Taxis selbst nach Hause bringen.
So bringt auch für uns Nichtmuslime, die wir nicht fasten müssen, der Ramadan viel Unbill und kleine Problemchen, die ständig zu meistern sind.
Wenn ich schon nicht faste, dann kaufe ich zumindest Ramadanlaternen, dachte ich mir die Tage. In Dokki, unserem alten Stadtteil, gibt es einen Laden mit unzähligen Fanus (Ramadanlaternen). Das ist ein wirklich schöner Anblick, wenn abends die zum Kauf aufgehängten Laternen alle leuchten.
Ramadanlaternen, genannt Fanus, haben in Ägypten eine lange Tradition. Seit dem Mittelalter werden sie benutzt, um die feierliche Stimmung im Fastenmonat Ramadan einzuleiten. Traditionell werden die Laternen aus dünnem Aluminiumblech mit bunten Glaseinsätzen hergestellt.
Heute sind es meist Kinder, die mit bunten Laternen durch die Straßen ziehen und mit den Worten "Ramadan karim ? gesegneter Fastenmonat!" den Beginn des Ramadan verkünden.
Interessantes zum Ramadan kann man hier Nachlesen: de.wikipedia.org/wiki/Ramadan