Mittwoch, 17. September 2008 Beobachtungen an der Baustelle gegenüber

 

Auf dem gegenüberliegenden Grundstück wird ein Haus gebaut. Das hat mich zuerst beim Einzug beunruhigt, wegen der zu erwartenden Lärmentwicklung. Jetzt, nachdem wir über zwei Wochen hier leben, habe ich etwas Einblick bekommen, wie das hier so läuft. Natürlich weiß ich nichts über den Bauherrn, dessen finanzielle Möglichkeiten und sein Ansinnen, was er da hin bauen will.

Den Werdegang zu beobachten, ist allemal spannend. Als wir einzogen, war das, was da vorher gestanden hat, bereits entfernt. Also ein nacktes Stück Erde mit einem Bauzaun aus altem Wellblech. Zuerst wurden zwei schöne, alte Baume gefällt, die das Grundstück säumten. Solche Bäume gibt es in jeder kleinen Strasse in Kairo. Sie spenden Schatten und machen das Straßenbild etwas freundlicher. Und hindern manchmal den Unimog, einen Parkplatz zu nutzen.

Die Bäume wurden in reiner Handarbeit entlastet und umgehauen. Erst zum Zerlegen der Stämme rückte man mit einer Motorsäge an. Da die Fällaktion in den Ramadan viel, wo das Leben hauptsächlich am Abend stattfindet, nervte die Motorsäge zwei Abende von etwa 20:00 bis 24:00 Uhr

Seit einer Woche setzt ein Team von fünf Arbeitern die Fundamentpfeiler. Dazu werden tiefe Löcher in den Boden gebohrt. Etwa 50cm im Durchmesser und 6 – 8m tief. Diese Löcher werden dann mit Stahlarmierung und Beton gefüllt. Das Bemerkenswerte an dieser Aktion ist die reine Handarbeit. Das Bohren passiert im Prinzip wie bei uns, nur kommt hier reine Muskelkraft zum Einsatz. Einziges Hilfsmittel ist ein Dreibein als Bohrturm und eine Handwinde zum Ausfahren und Einsetzen der Bohrkrone und der Verlängerungsrohre. Die Arbeiter, es schaut so aus, als ob es Fellachen wären, sind ein perfekt eingespieltes Team, Es sitzt jeder Handgriff. Beim Drehen der Bohrkrone stimmen sie einen rhythmischen Gesang an, der selbst auf mich seine Wirkung nicht verfehlt. Manchmal höre ich zu und spüre körperlich die Magie des Gesangs und gehe im Geist die Bewegungen der Arbeiter mit. Sehr beeindruckend, das Ganze.

Ich habe leider keinen Tonträger zum Aufnehmen. Vielleicht schaffe ich das noch.

Auch der Beton wird mit Hand gemischt. Das kenne ich auch noch aus meiner Kindheit. Auf ein Blech 2x1m wird ein länglicher Berg aus Sand geschaufelt. Oben wird eine Kuhle gezogen und mit Zement gefüllt. Dann durchmischen zwei Mann unter Zugabe von Wasser mit zwei Schaufeln von links und Rechts synchron den Sand-Zementberg der Länge nach solange, bis die Mischung fertig ist.

 

Mittwoch, 5. November 2008 Ja wer baggert da so spät noch am Baggerloch, .......

 

Das vergangene Wochenende war für uns ein langes Wochenende, da ein Feiertag günstig mit dem Wochenende zusammen fiel. Wir hatten also Freitag, Samstag und Sonntag frei. Das haben wir zu einem kurzen Wüstentripp genützt und sind in dem sehr schönen Plateauabbruch nördlich des Sees bei Fayun herum gekurvt.

Als wir etwas erschöpft am Sonntag Abend heimkamen, ereilte uns eine böse Überraschung. Ein großer Hydraulikbagger, der über das Wochenende auf unsere nachbarliche Baustelle gebracht wurde, erwachte ab 22:30 Uhr zum Leben und fing an, die Baugrube für das zu entstehende Haus auszuheben. Das Erdreich wurde sofort auf Vierachser verladen, die im Viertelstundentakt den Aushub weg brachten. Das Schauspiel ging bis 4:00 Uhr Früh unter infernalischem Lärm vonstatten.

An Schlaf war da nicht zu denken, auch weil die arabischen Häuser einfachverglast sind und kein Fensterrahmen dicht ist. So dringt Lärm von der Straße weitgehend ungebremst in unser Schlafzimmer. Leider liegt die Resonanzfrequenz eines unserer Schlafzimmerfenster genau bei der Drehzahl des Baggermotors unter Last. Das fängt also ständig an, zu dröhnen. Das bekam ich mit einem Stück Pappe zwischen Fenster und Rahmen in den Griff. Ab 2:00 Uhr suchte ich nach Lösungen. In Rosis Zimmer, dass auf der anderen Seite des Hauses ist, war der Lärm nur unwesentlich leiser. So duschte ich, um munter zu werden, und setzte mich bis 4:00 Uhr morgends an den Rechner. Es kamen also diese Nacht zwei Stunden Schlaf heraus.

Das Event spielt sich seither jede Nacht hier ab. Hintergrund der Nachtaktionen ist, dass tagsüber LKW- Fahrverbot in unserem Viertel besteht. Sollte das zur Ruhe der Anwohner sein, geht der Schuss nach hinten los, oder ich mache grundsätzlich was falsch mit dem Lebensrythmus hier.

Am Dienstag habe ich mir in der Apotheke Ohrstöpsel gekauft. Das lindert etwas. Von den 25db Dämpfung, die auf der Packung angepriesenen werden, hatte ich mir allerdings mehr erhofft.

So raubt mir der Bagger jede Nacht den wenigen Schlaf, den ich hier bekomme.

Wenn ich die Fortschritte an der Baugrube hochrechne, baggert das Ungetüm noch ca. fünf Nächte, bis die Grube fertig ist.

Merke: Miete keine Wohnung neben einer Baustelle in Kairo, den der Bär geht immer Nachts ab.