Der Winter in der Sahara kann mit unter sehr lausig kalt werden. Vor Allem der eisige Wind verhindert meistens ein Sitzen im Freien am Abend. Jetzt ist aber unser einziger, nennenswerter Urlaub über Weihnachten und Neujahr und immer im Aufbau sitzen macht auch keine Laune. Die einheimischen Reiseunternehmer lösen das Problem mit ägyptischem Windschutz aus doppellagigem, schweren Baumwollgewebe. Zum Wind hin mit der dicken, fest gewebten Seite und auf der windgeschützten Seite ein arabisches Muster. Das Ganze wird versteift mit eingenähten Holzstangen im Abstand von 60cm. Das gesamte Ausmaß ist 5m breit und 2m hoch.
Davon gibt es eine billige Variante mit bedrucktem Baumwollstoff oder die edle Version aus Patchwork- Arbeit mit seidigem Nylongewebe.
Da wir durch die Schließung der Schule am 14. Dezember wegen der Präventivmaßnahme zu H1N1 des Gesundheitsministeriums einige Ferientage mehr haben, nützen wir diese für einige Besorgungen.
Also machten wir uns heute auf nach Kairo- Downtown in die Kairoer Altstadt (Masr Al-Qadimah) in die einzige überdachte Marktgasse Kairos, den Basar der Zeltmacher.
So was erledigen wir mit dem Taxi. Mit dem Unimog geht das zwar auch, aber immer mit Parkplatzstress.
Taxifahren ist für uns von der gehobenen Mittelschicht sehr preiswert. Für die 15km von Maadi nach Downtown zahlt man 25,- EP. Das sind umgerechnet etwa 3,- Euro. Und man bekommt etwas geboten für sein Geld. Der Kick vor Allen auf dem Beifahrersitz im Taxi ist permanent durch die, formulieren wir es freundlich, unorthodoxe Fahrweise der Taxidriver. Meine Frau und die Kinder entspannen sich auf den sicheren Rücksitzen und ich muss vorne sehenden Auges das Ausgeliefertsein ertragen. Die Gurte, die ein wenig Sicherheitsgefühl vermitteln könnten, sind in der Regel defekt. In Verbindung mit der Beobachtung, dass der Taxifahrer das Fahrzeug nur mit Mühe beherrscht, aber trotzdem viel zu schnell fährt, steigt man am Ziel mit dem Glücksgefühl aus der mehr oder weniger schrottreifen Kiste, wieder überlebt zu haben.
Natürlich scheiterten wir wieder mal mit dem Versuch, dem rein arabisch sprechenden Taxifahrer unser Ziel: Zeltmacher- Bazar auf arabisch verständlich zu machen. Also erst mal den am nächsten liegenden Platz, den Midan al Ataba. Von dort machten wir uns zu Fuß auf den Weg. Das war unbedacht. Unser Weg führte uns erst ein Stück die Shari Al-Azhar entlang. Der Lärm auf diesen Stück Kairo war so unbeschreiblich laut, dass ich mir streckenweise die Ohren zu halten musste.
Dann überquerten wir mit der üblichen Lebensgefahr die Shari Bur Said und bogen ein Stück weiter in die Shari Ahmed Mahir ein. Hier ist es die Kunst, sich durch Minilaster, Mopedfahrer, Fußgänger und Handkarren hindurch zu schlängeln, ohne überfahren zu werden. Der Lärmpegel sank hier auf erträgliche, geschätzte 110dB. Von dieser Straße biegt nach 200m rechts der Zeltmacher-Basar ab.
Hier schlenderten wir erstmal durch und hielten Ausschau nach den Windschutzen. Erst fanden wir nur die billigen Teile aus bedruckter Baumwolle. In einer Seitengasse wurden wir dann fündig.
Auch dieser Händler hatte beide Qualitäten. Eigentlich wollte ich die Grundfarbe Rot. Nach längerem hin und her gab es nur zwei Stück in Grundfarbe Blau. Inshallah.
Wie immer läuft das Verhandlungsprozedere nach dem gleichem Muster. Wir nehmen einen Windschutz in Augenschein. Abgesehen von der typisch, ägyptisch schlampigen Verarbeitung ist das Teil ok. Aus allen Ecken werden nun Stühle gebracht. Man setzt sich und der Tee wird serviert. Der Händler nennt seinen Preis: 850,- EP das Stück. Also 1700,- EP zusammen. Ich schüttele den Kopf. Jede Partei erläutert nun ausführlich unter Zuhilfenahme aller Aspekte, der großen Familie, das kleine Einkommen, Beim Bart des Propheten und sonst noch allerlei Gründe, warum der Preis zu hoch, bzw. zu niedrig ist. Ich werfe meine Vorstellung in die Verhandlung: 1000,- EP für Beide. Der Händler lacht laut auf. Nach einer weiteren halben Stunde zähen Ringens einigen wir uns auf 1500,-EP für zwei Stück inklusive Schutzhüllen. Das ist natürlich immer noch zu teuer. Aber ich hatte nun keine Lust mehr. Die Pfunde wechseln also den Besitzer und ein Mitarbeiter fängt an, die Schutzhüllen zu nähen, auf einer Singer Industrienähmaschine. Das Teil läuft seidenweich. So was will ich auch haben.
Nachdem die Schutzhüllen fertig sind und über die Windschutze gezogen sind, erklärt Petra dass wir ein Taxi brauchen. Just in dem Moment quält sich ein Taxi durch den Basar. Es sieht aus wie Allah's Fügung. Der Taxifahrer will allerdings unverschämte 50,- EP. Wir handeln ihn auf 40,- EP runter und akzeptieren wegen des Komfortgewinns, direkt ab Basar ein Taxi nach Maadi zu haben.
Eine Stunde später mit dem erneuten Kick durch Taxifahren in Kairo verstaue ich die Windschutze auf dem Unimogdach. Die Teile sind ganz schön schwer.
Jedenfalls ist nun das lauschige, windgeschützte Sitzen vor dem Unimog am Abend gesichert. Der Betrachtung des Sternenhimmels steht als einziges Hindernis nur noch der Vollmond entgegen.
Das hatten wir doch schon mal 2005 in Tunesien. ;)
Bilder des Windschutzes in Aktion folgen im Rahmen der Tour über die Feiertage.