Dienstag, 21. Oktober 2008 Neulich an der Tankstelle

 

Jedes Haus in Kairo hat einen Boab (Wächter). Wir auch. Der wacht hauptsächlich über seine freie Zeit und seine Siesta. Munter wird er nur, wenn der Sohn des Hausbesitzers kommt. Als die Frau des Eigners noch lebte, muss sie ein eisernes Regiment geführt haben. Sie ist seit ein paar Jahren tot und so herrscht Schlamperei und Schmutz ums Haus vor. Der Eigner kann sich scheinbar bei seinem Personal nicht durchsetzen.

Vor Allem wäscht er meinen Unimog nicht, was er als Boab eigentlich müsste.

Eine Kommunikation ist kaum möglich, weil er nicht englisch kann und wir nicht arabisch.

Also machte ich mich am Freitag Nachmittag zur nahegelegenen Tankstelle auf, um den Unimog vom Dreck der kairoer Luft und vom Staub des Sinai zu befreien.

Dort ist ein sehenswertes Schauspiel zu bewundern. Die zu waschenden Fahrzeuge werden zuerst mit einem Wasserschlauch nass gespritzt. Darauf kommt ein Fahrzeugkosmetiker mit einem anderen Schlauch, aus dem dicker, weisser Schaum quillt. Damit wird das Auto bis zur Unkenntlichkeit eingeschäumt. Während ich das alles so betrachte, sehe ich wie meine Fahrertür auf geht. Von böser Vorahnung getrieben spurte ich um den Unimog herum und kann gerade noch verhindern, dass er auch den Innenraum einschäumt.

Darauf hin rückt die Waschkolonne an. Die verschmiert den Schaum flächig mit unidentifizierbaren, lappenähnlichen Teilen am ganzen Fahrzeug. Besonders akkurat werden die Reifen gewaschen. Nun kommt die erste Spülung. Mit dem dicken Wasserschlauch wird der verteilte Schaum abgespült.

Es wäre nun alles in bester Ordnung. Leider rückt nun eine andere Kolonne an, die mit anderen, unidentifizierbaren, lappenähnlichen Teilen trocken wischt. So bekommt der saubere Unimog nun eine Patina aus hellen Schlieren und verschmierten Fenstern. Innen und Aussen, versteht sich.

Für dieses Erlebnis musste ich EP 20,- bezahlen. Spezial Preis, sagte der Wasch- Chef, weil ich in Kairo lebe. Bei Touristen hätte er EP 50,- genommen.

Schmunzelnd musste ich daran denken, dass sich an diese Tankstelle im Herzen des Stadtteils Dokki garantiert kein Tourist hin verirrt. ;-)

In der Bilanz war diese Aktion typisch ägyptisch: Viel Schaum um nichts.

 

Samstag, 25. Oktober 2008 Das Böse ist immer und überall

 

Ich überquerte vor einigen Tagen unsere Hauptstrasse in Dokki, die von Süd nach Nord verlaufende Sharia al Dokki. Das ist eine meistens mit vier Spuren in jeder Richtung befahrene Hauptverkehrsachse mit sehr dichtem Verkehr hier in Kairo.

Wir waren Einkaufen und ich war mit vier Einkaufstüten beladen.

Das Überqueren einer solchen Strasse heisst in Kairo in Ermangelung irgendwelcher Übergänge oder Zebrastreifen, sich durch den fliessenden Verkehr zu schlängeln. Bevorzugt suche ich mir Stellen mit Speedbraker, da dort die Autos abbremsen müssen. Man nimmt Blickkontakt mit dem Fahrer des nächsten Fahrzeug auf und huscht in einer gedachten Linie durch die Lücken zwischen den Autos und den Fahrspuren. Das klappt auch in der Regel mit gegenseitiger Rücksichtnahme auch ganz gut. Bis auf die Busfahrer, die ohne Gnade für Fußgänger ohne zu verzögern oder zu bremsen einfach fahren.

Bei diesem Gang strauchelte ich wegen eines Lochs in der Fahrbahn und wäre beinahe gestürzt. Der mit etwa 40km/h ankommende Bus verfehlte mich nur deshalb, weil mich ein neben mir laufender Ägypter herzhaft am Arm packte und aus der Schusslinie des Busses zerrte. Der Busfahrer hätte reichlich Zeit und Strecke gehabt, normal abzubremsen. Er tat es nicht und hätte mich sehenden Auges umgenietet.

Inshallah, meint der Ägypter. Für mich ist das Tötungsabsicht und das passiert in Kairo täglich tausendmal.

 

Billig ist nicht immer preiswert.

 

Auf dringendes Anraten unseres Führers in Libyen haben wir kurz vor der Grenze nach Ägypten noch mal vollgetankt. Immerhin sei der Diesel in Ägypten unglaublich teuer. Fast das Doppelte, wie in Libyen. Recht hatte er. Bezugnehmend auf den Preis für einen Liter Diesel in Libyen von umgerechnet 0,08 Euro ist der Diesel in Ägypten mit 0,14 Euro geradezu unverschämt teuer. ;-)

So fahren wir seit August mit libyschem Diesel durch die ägyptische Landschaft. Irgendwann sind auch mal die Unimogtanks leer und es steht der erste Besuch an einer ägyptischen Tankstelle an. Die libysche Sparaktion rächt sich nun bei fast leeren Tanks bitter. In der günstigen Brühe aus Libyen schwimmt abgeblätterter Lack in grossen Lackfetzen. Mit den fast leeren Tanks wird der Dreck nun angesaugt und verstopft nicht den Vorfilter, sondern schon das Leitungssystem vor dem Filter. Gestern, bei der freitagsüblichen Papataxifahrt meiner Töchter zum Reitstall im Süden Kairos tuckerte der Unimog mit dem Restsprit aus den Hauptfiltern gerade noch auf den Parkplatz des Reitstalls. Dort warf sich der Alte, bayrische Flüche ausstossend, in seinen Blaumann und versuchte während der Reitstunde den Unimog wieder flott zu bekommen. Das macht im Sand bei spiegelnder Brille vom Hellen ins Dunkle schauend und ein in den Ärmel laufendes Diesel besonderen Spass. Das Prozedere dauerte letztendlich 2,5 Stunden, bis der Unimog wieder lief. Das heisst: Vorfilter ausbauen und zerlegen, Dreck aus den Kanälen popeln, Leitungssystem öffnen und mit Druckluft durchblasen. Ohne Druckluft zum Freiblasen der Dieselleitungen hätte ich keine Chance gehabt. Das Drama ist damit noch keineswegs ausgestanden. Nun muss ich einen Grobfilter installieren, bis der Dreck über etliche Tankfüllungen wieder aus den Tanks gespült ist.

Allahs Zorn über Gadafis Tankstellen.

 

Tanken auf Arabisch

 

Das Wochenende vom Freitag, den 31. Oktober bis einschließlich Sonntag, den 2. November ist bei uns langes Wochenende mit drei Tagen frei. Deshalb planten wir, diese drei Tage in der Wüste zu stöbern. Dazu wollte ich nachtanken und zwei Liter Motoröl nachfüllen.

Also habe ich den Unimog angeworfen und bin zu einer der wenigen Tankstellen mit Dieselzapfsäulen gefahren. Die Nächte ist etwa 1km von unserem Wohnort entfernt. Die selbe übrigends, an der die Unimog- Waschaktion statt fand.

Ich fuhr also an die Zapfsäule und der freundliche Tankwart dirigierte mit in die optimale Position für den Zapfschlauch. Ich erklärte im mit arabobayrisch, dass ich zweihundert Liter in den linken Tank möchte und zweihundert Liter in den rechten Tank. Das hat er fix kapiert und ich öffne den Tankdeckel. Er steht schon mit der Zapfpistole bereit und will das Grobsieb heraus nehmen, damit der Zapfpistolenfeststeller nicht ständig auslöst. Ich hindere ihn daran und versuche im den Sinn des Selbigen zu vermitteln. So entbrennt eine hitzige Diskussion, wieder in arabobayrisch, in der ich mich durchsetze. Das Grobsieb bleibt drin, vor Allem nach meinen libyschen Erfahrungen mit der Sauberkeit des Diesels.

Nach dem Links zweihundert Liter getankt sind, wende ich den Unimog und der rechte Tank wird gefüllt. Natürlich löst ständig wegen des Grobsiebs der Zapfpistolenfeststeller aus und der Tankwart muss während des ganzen Tankvorgangs dabei bleiben und eigenhändig die Zapfpistole führen.

Der Liter Diesel kostet zur Zeit 1,10 EP. Das sind etwa 0,13 Euro. Ich gebe im also für die vierhundert Liter fünf Hunderterscheine, die er sorgfältig in seiner Geldtasche verstaut. Er wendet sich darauf dem nächsten Kunden zu. Ich warte, bis er dessen Auto betankt hat und frage ihn nach dem Wechselgeld. Mürrisch rückt er einen 50 Pfundschein raus. Ich will nicht kleinlich sein, akzeptiere und packe den 50 Pfundschein sorgfältig in meinen Geldbeutel und steige in meinen Unimog. Der Tankwart stellt sich an meine Türe und fragt nach Bakschisch. Ich erkläre ihm ruhig, das er mir 10 Pfund zuwenig raus gegeben hat und damit sein Bakschisch schon bekommen hätte. Er nickt und geht.

Wir lernen daraus: Man kann es ja mal probieren.