Ich wurde heute gefragt, ob wir uns schon eingelebt haben. Da musste ich lächeln. Die Schwierigkeiten fangen gerade erst an. Die Hilfeversprechen vieler deutschsprachiger Leute sind Worthülsen. Das ist hier in Kairo nicht anders, als Zuhause. Das Geklüngel zwischen den Familien ist dafür ausgeprägter. Das liegt an der kleinen Community. Konkrete Informationen sind schwer zu bekommen. Zum Beispiel auf meine Frage, wo der Baumarkt ist, von dessen Existenz ich zufällig erfahren habe, bekomme ich einen Platz mit arabischen Namen genannt. Der ist auf keinem Stadtplan zu finden. Das liegt natürlich an der falschen Aussprache und den schlechten, arabischen Übersetzungen der Pläne, es hilft uns aber keinen Millimeter weiter. Nach der fünften Nachfrage gebe ich dann auf.
Quellen, die wir dann selbst gefunden haben, sind während des Ramadan zu, oder haben Öffnungszeiten, die sich unserer Kenntnis entziehen.
Kairo ist eine Stadt des Bargeldes. Bargeldloser Zahlungsverkehr ist nicht möglich. Das liegt am mangelnden Vertrauen in die Banken. Vorgestern waren wir am Geldautomat der größten, aegyptischen Bank und wollten 3000,- LE mit der Visa- Karte holen. Das Prozedere lief wie gewohnt ab, die Karte kam wieder raus, aber leider kein Bargeld.
Da die Bank geschlossen war, haben wir am nächsten Tag reklamiert. Man erklärte uns, wir sollten den Stand unseres Kontos beobachten. Wird der Betrag abgebucht, könne man leider nichts machen. Wir hätten ja keinen Beweis, dass das Geld nicht raus kam. So sind wir nun wahrscheinlich um Euro 520,- ärmer und eine Erfahrung reicher. Der Kontostand der nächsten Tage wird es zeigen.
Bei unserem Gang zu Bank, um unser Geld zu bekommen, erlebten wir ein Lehrstück arabischen Sozialverhaltens.
Kommt man in die Bank, bekommt man eine Nummer für den Schalter, der für die gewünschte Dienstleistung zuständig ist. Wir begeben uns zur selbigen Abteilung, wo zwei Herrn von der Bank die Kunden an zwei Tischen bedienen. Eine Digitalanzeige vor den Tischen zeigt die aktuelle Nummer an. Prima, denke ich, nur zwei Nummern vor uns und die werden gerade bedient. Es dauert keine Minute, da drängelt sich ein beleibter Herr mit Handy am Ohr und Aktentasche in der Hand vor und redet auf den Mann hinter dem Tisch ein, obwohl der Kunde vor uns noch nicht fertig ist. Kunde und Bankangestellter lassen das mit sich machen. Unmittelbar darauf schieben sich zwei gestikulierende, mit ihren Mastercards fuchtelnden Araberinnen an uns vorbei und reden erregt auf den Bankangestellten ein. Dieser regelt irgendetwas zur Zufriedenheit der Damen. Ein dritter Herr will sich gerade vordrängeln, alle ohne Nummer, versteht sich, das platzt mir der Kragen. Ich will gerade einschreiten, da kommt mir der Bankangestellte zuvor und bittet mich an seinen Tisch. Ich denke, er hat meine sich stetig verfinsternde Miene beobachtet. Das Ergebnis der Unterredung ist das oben Beschriebene.
Petra wurde heute auf der belebten Shari Dokki, das ist die Hauptstrasse in unserem Viertel, von einem jugendlichen Araber begrabscht. Das versucht sie mit dem Streich eines jugendlichen Rotzlöffels zu verarbeiten.
Ich sehe das anders. Die Kinder tun, was die Eltern denken. Ohne moralische Legimitation seiner Bezugspersonen würde der Knabe das niemals wagen.
Ob ich in einem Land leben möchte, deren Bewohner meine Frau derart entehren, bezweifle ich stark.
Es gibt natürlich auch positive Begegnungen. Die Negativen überwiegen. Europäern begegnen die einfachen Leute mit einer ablehnenden, bis aggressiven Grundhaltung. Je ärmer das Viertel, desdo feindlicher die Stimmung. Die Kostenexplosion in Kairo, die vor Allem die Armen trifft, und der Ramadan, tragen ihren Teil bei.
Es wird langsam zu Gewissheit, dass das Niveau der deutschen Schule unter dem der bayrischen Schulen liegt. Bei den Einstellungsgesprächen mit Petra wurde ihr ein hohes Niveau an der Schule signalisiert. In den naturwissenschaftlichen Fächern langweilen sich Rosi und Leo erheblich, in den sprachlichen Fächern haben unsere Kinder etwas Rückstand. Wie wir damit umgehen, wissen wir noch nicht. Einen Ausbildungsknick werde ich jedenfalls nicht tolerieren.
Unsere Wohnung ist zwar möbliert, aber die Ausstattung der Küche ist sehr spartanisch und abseits unserer Vorstellung von Hygiene. Also haben wir uns entschlossen, uns eigene Küchenutensilien anzuschaffen.
Unser erster Versuch, im Megakaufhaus Carrefour einzukaufen und unseren Hausstand aufzubessern, war ein Abenteuer für sich.
Das Angebot in Kairo für Haushaltswaren besteht aus chinesischen und ägyptischen Produkten. In den Megastores mit etwas europäischen Sachen durchmischt. Die Mischung aus arabic Barock und chinesischen Blümchenkitsch ist schon wieder fast reizvoll. Während die chinesischen Waren von der Qualität gut bis brauchbar einzustufen sind, ist made in egypt meistens minderwertig. Die Preise liegen allerdings auch deutlich unter deutschem Niveau. Im Schnitt 60% der deutschen Preise, grob geschätzt.
Hervor zu heben ist die ägyptische Baumwolle. Wir haben Frottee- Handtücher aus heimischer Produktion gekauft, die sind allererste Qualität und spottbillig.
Da wir gerne eine Spülmaschine hätten und ich nicht die Haltung eines der Kollegen von Petra teile, wir hätten doch Kinder, also wozu die Spülmaschine, haben wir auch über die Haushaltgeräte recherchiert. Da liegen die Preise ähnlich, wie in Deutschland. Allerdings handelt es sich um Fabrikate, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Die Qualität der Geräte ist also noch offen. Geschirrspüler sind allerdings weitgehend unüblich und nur in wenigen Geschäften zu haben. Putzen und spülen regelt man in Ägypten mit Personal.
Die Anschaffung haben wir nach dem Ramadan datiert. Während des Ramadan ist ein vernünftiger Einkauf nicht möglich.
Natürlich haben wir auch die Variante mit Putzfrau diskutiert. Nun ist eine Wohnung für uns ein Schutzraum und es bereitet mir Unbehagen, wenn fremde Leute darin hantieren. Wie es ausgeht, werdet ihr erfahren.
Heute Nachmittag sollte ein Herr von dem ADSL- Anbieter kommen und den Vertrag mit uns und dem Hausherrn machen. Er kam nicht und fand es auch nicht nötig, sich zu entschuldigen.
Während ich diese Zeilen tippe, es íst 23:30 Uhr, arbeitet ein freundlicher Zeitgenosse auf dem Nachbargrundstück mit einer Motorsäge. Unser Wächter hat mir eben versichert, dass er bis 24:00 Uhr sicher fertig ist.
Inshallah, der Wille des Herrn ist unergründlich.

