Mal wieder ein paar Zeilen zur Lage der Nation, bzw. Familie. Der GAU mit dem Geldautomaten hat sich gottlob geklärt. Die Visacard unserer DKB- Bank ist ein extra Konto, das aufgeladen werden muss. Das haben wir nicht überlauert. Der arme Automat war also unschuldig und gab wegen mangelnder Deckung keine Pfunde her. Er tat also nur seine Pflicht. Ich habe ihm gestern Abbitte geleistet und zur Wiedergutmachung 3000,- LE abgehoben. Er dankte es mir mit korrekter Auszahlung.
In den letzten zwei Wochen haben wir auch sehr gute Hilfe von einigen Kollegen und Familien erhalten. So ließ sich Einiges erledigen und besorgen.
Wir haben nun Arbeitstische und vernünftige Bürostühle zum Arbeiten und Hausaufgaben machen.

Seit Gestern sind wir im Besitz eines Staubsaugers aus ägytischer Produktion für LE 230,-, das sind etwa Euro 33,-. Bis jetzt sieht er aus wie ein normaler Staubsauger und er saugt auch. Vielleicht wird's ein Geist aus dem Staubsauger. So einen Djinn, der uns zu Diensten ist, könnten wir gut gebrauchen.
Unsere fünf Bürostühle kauften wir mit home delivery für zusammen LE 1000,- Da kann man auch nicht meckern.
Es ergeben sich auch langsam Kontakte zu Deutschen außerhalb der Schule, was ich sehr begrüße. Da tun sich einige, technische Möglichkeiten auf.
In Sachen Arbeit für mich sind zwei Eisen im Feuer, die hoffentlich zu einer Anstellung führen. Noch ist nichts entschieden.
Ein bisschen enttäuscht bin ich darüber, dass sich eher wenige Kontakte an der Schule entwickeln. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir keine extrovertierten Leute sind, die sich ohne Hemmungen einbringen und locker auf andere zugehen. Die Schwierigkeiten des Einlebens mit drei Kindern tun ein Übriges. Da hätte ich mir etwas mehr Interesse der Leute gewünscht, was uns die Kontaktaufnahme erleichtert hätte. Wie gesagt, wir sind eben nicht die super Kontakteknüpfer. Vielleicht haben wir auch Einige verärgert mit meinen Berichten. ;-) Die Murr?s haben eben Ecken und Kanten, sind aber aufrichtig in dem, was sie von sich geben.
Vor ca. 10 Tagen gab es ein Fest auf dem Gelände der evangelischen Gemeinde. Das sollte unter Anderem die Kontaktaufnahme für die Neuankömmlinge erleichtern. Da trafen wir auf eine Menge uns fremder Leute, die in vielen Grüppchen zusammen saßen und standen und sehr mit sich beschäftigt waren. Man pflegte die bestehenden Kontakte und den Magen am Buffet. Wir kamen uns dort ziemlich verlassen vor. Letztendlich beschränkten sich unsere Gespräche auf die Leute, die wir schon kannten. Das Buffet war auch schon weitgehend leer gegessen, als wir ankamen. Wir kamen natürlich wieder zu spät, weil die Parkplatzsuche ein größeres Unterfangen war, als wir dachten.
Es werden sich im Lauf der Zeit die qualitativ hochwertigen Kontakte einstellen. Wir sind gerade mal drei Wochen im Land.
Das Spannende am Verfahren in Kairo ist, dass man vor Allem nachts in Gegenden kommt, die man gar nicht aufsuchen wollte. So erweitert sich der innere Stadtplan zusehends, wenn auch gelegentlich unfreiwillig. Wobei öfters heftige Diskussionen in der Familie ausbrechen, welcher Abzweig nun der Richtige ist. Das ist dann als Fahrer im Kairoer Stadtverkehr ausgesprochen hilfreich. Ich kann nämlich selten warten, bis die Diskussion zu einem Konsens geführt hat, ohne das dass Hupkonzert hinter mir jede Kommunikation verhindert.
Ohne unsern digitalisierten Stadtplan, der uns auf dem Bildschirm unseres Navigationsrechners wenigstens zeigt, wo sich der Unimog gerade bewegt, wäre es noch viel schlimmer.
Einen guten Stadtplan, der auch über das reine Zentrum hinaus geht und vor Allem aktuell ist, haben wir noch nicht gefunden. Der Plan von Freytag & Berndt ist bisher der Beste, zeigt aber nur das Zentrum und viele Straßennamen fehlen oder sind falsch.
Langsam haben wir kapiert, wie im Ramadan die Öffnungszeiten der Geschäfte sind. Etwa 12:00 bis 16:00 und 20:00 bis 24:00 Uhr. Es klingeln die Leute auch ungeniert bis nach Mitternacht an der Wohnungstür. Dass wir auch im Ramadan um 6:00 Uhr aufstehen müssen, versteht keiner.
Wir sind nun in der zweiten Hälfte das Ramadan und die Aggression unter den Arabern im Straßenverkehr nimmt spürbar zu. Besonders kurz vor dem Fastenbrechen, dem Iftar um ca. 18:00. Da hätte mich gestern beim Überqueren der Strasse beinahe ein Taxi sehenden Auges umgefahren, wenn ich mich nicht mit einem herzhaften Hüftschwung aus der Gefahrenzone gebracht hätte. Ich hoffe, mein erzürnter Schlag auf seinen Kofferraumdeckel hat eine ordentliche Beule hinterlassen.
Jede Dienstleistung wird zum fortgeschritten Nachmittag nur noch mit größtem Unmut ausgeführt.
So warten wir immer noch auf unserem DSL- Anschluss. Heute Abend wollte, zum wiederholten Male, ein Herr von LINKdotNET vorbei kommen und den Router und das DSL-Modem bringen. Es ist jetzt 22:00 Uhr und ich glaube nicht mehr daran. Auch Internet- Gebühren werden drei Monate im Voraus bezahlt. Dazu kommt ein Herr der entsprechenden Gesellschaft an die Haustuer und kassiert nur in bar. Auch hier ist ein bargeldloser Zahlungsverkehr nicht möglich. Das wirft kein gutes Licht auf das ägyptische Bankwesen.
Ärgerlicherweise haben wir die Hardware und die Gebühren für drei Monate schon bezahlt. Sonst würde ich den Anbieter wechseln.
Der Einwahlzugang über Modem ist so langsam, dass mir die Bank schon zweimal den Login geschlossen hat, weil beim Datenschaufeln zu viel Zeit verging.
So sitze ich nach wie vor in der Veranda und nütze für nicht sicherheitsrelevante Internetseiten und Mails den offenen WLAN eines freundlichen Nachbarn. Den kann ich nur in der Veranda empfangen und er ist leidlich nutzbar mit etwa 2000 kB Download. Am vergangen Freitag hatte der Lümmel doch frecherweise sein WLAN ausgeschalten.
Seit drei Tagen habe ich nun endlich das Skype in Betrieb genommen. Das war mit Irrungen und Wirrungen verbunden, weil ich die Software in D auf den Rechner installiert hatte, das Skype aber von Ägypten aus nutze. Da mussten die Herrn vom Support erst an ein paar Knöpfen drehen, bis ich nach D in das Festnetz wählen konnte. Das klappt nun reibungslos und ich werde gerade zum Chater mit Skype. Meine Kinder sind begeistert. Endlich chatet der Alte auch.
Da das Internet zurzeit nur auf einem Rechner nutzbar ist, nämlich meinem, muss ich diesen mit Klauen und Zähnen verteidigen. Hier ist der echte Kampf um die Ressource ausgebrochen.
Unser Wecker ist synchronisiert über die 50Hz Netzfrequenz. Der ging deshalb in der Vergangenheit immer sehr genau. Als wir ihn in Kairo in Betrieb genommen haben, ging er erst 5 Minuten am Tag nach, dann verbesserte sich das Ergebnis auf 10 Minuten in der Woche. Heute habe ich mal die Frequenz des Stromnetzes gemessen. Das schwankt zwischen 49,1 bis 50,2 Hz. Sehr bemerkenswert.
Es ist jetzt 23:30 und hamdulillah, das DSL lauft. Um 22:15 Uhr klingelte der Sohn des Hausbesitzers mit einem WLAN Router/Modem/Splitter unter dem Arm und setzte sich erst auf einen unserer zahlreichen Sessel und dann mit einem freundlichen Herrn mit grausigem Englisch von LINKdotNET über Handy in Verbindung. Mit seiner Hilfe installierten wir fernmündlich das all- in- one- Kästlein. Das Prozedere war schon abenteuerlich und hatte nichts mit einer Installation bei uns zuhause gemein. So viel schräge IP- Adressen habe ich noch nie getippt. Das muss an den besonderen Verhältnissen der Telekommunikation in Ägypten liegen. Kurzum, um 22:45 klappte das Internet. Eine Viertelstunde brauchte ich noch, um das WLAN außer Betrieb zu nehmen und den Drucker auf die neue IP- Adresse umzustellen und nun funzt der Laden.
Wie immer in Arabien gibt es auch hier ein Wermutströpflein. Das DSL arbeitet nur mit 512kB/ 125kB und nicht wie bestellt mit 2000kB/ 500kB. Da ist also noch ein Gang zur Gesellschaft nötig.
Allah?s Wille ist unergründlich.