Folgender Bericht über meine Eindrücke und Erfahrungen ist meine rein subjekive Sicht und Wahrnehmung und ist ausschließlich nur für mich, meine Familie und meine Freunde bestimmt. Nuweiba, den 26. Juni 2010
Unsere Fähre war erstaunlich pünktlich. Mit einer halben Stunde Verspätung, das ist bei Fähren so gut wie Nichts, lief die "Scotia prince" in Ancona ein. Die Einreisevormalitäten als EU- Bürger beschränkten sich auf einen Blick in den Reisepass und so waren wir um 19:30Uhr auf der Autobahn Richtung Bolognia. Auf der Höhe von Rimini ging es links ab und ich quälte den Unimog hoch nach San Marino. Ziel war der Campingplatz, dessen herausragende Eigenschaft seine Lage auf 300 Höhenmeter ist. Im Juli ein nicht zu unterschätzender Standortvorteil. Es kühlte in der Nacht dann leider nicht den Erwartungen entsprechend ab. Die Pizza war gut und die Gäste zu laut.
Am nächsten Tag spulten wir die langweiligen Kilometer zum Gardasee ab. Ziel war das nördliche Ostufer. Wir nächtigten auf einen altbekannten Campingplatz. GPS Koordinaten machen das Wiederfinden inzwischen leicht. Leider kommt die Fähre aus der Türkei immer Samstags an. Das heißt: Wir fahren am Gardasee Sontags entlang. Ein kaum erträgliches Dahin kriechen wegen Urlaubern, italienischen Badegästen und unverschämt parkenden Autos entlang der Ostroute.
Wegen unserer schwierigen Kühlersituation verwarfen wir das Tanken in Livigno. Wir müssen dazu zweimal über das Stilfser Joch mit 2500m. Das holen wir im Frühjahr nach.
So fuhren wir vom Gardasee direkt nach München unsere Standartroute über den Brenner, die Brenner-Bundesstraße hinunter, durch Innsbruck und den Zirler Berg hinauf über Garmisch nach München. Das erreichten wir am frühen Abend und standen eine halbe Stunde später vor meiner Werkstatt in Trudering.
El Hamdulillah, München hat uns wieder.
Wir fahren bereits in der Adria. Gegen 18:00 Uhr, inshallah, soll die Scotia-Prince in Ancona anlegen. Gestern Abend hatten wir noch ein aufschlussreiches Gespräch mit einem Schweizer Türken, der den Eigner der Marmara- Lines persönlich kennt. Die Geschichte mit der alten ?Cesme? ist also folgende:
Da die Cesme ein altes Schiff ist, bekam sie die Betriebserlaubnis nicht mehr. Auch bei Schiffen gibt es so was Ähnliches, wie den TÜV. Außerdem häuften sich die Probleme mit dem Schiffsdiesel. Also verkaufte der Eigner die Cesme nach England, wo sie ihre alten Tage als Restaurant verbringen wird. Interessant wäre mal zu erfahren, was man für so eine Fähre in Euro auf den Tisch legen muss.
Die Cesme hat noch zwei neuere Schwesterschiffe. Eines davon wollte der Eigner kaufen, aber das Geschäft kam nicht zu Stande. So mietete der Eigner kurzfristig die Scotia-Prince bis Ende September, die eigentlich schon verkauft war und bereits auf dem Weg in die USA war. Das war vor vier Wochen. Der Schweizer Türke war auf der ersten Fahrt der Scotia-Prince dabei. Die Crew kam das erste Mal zwei Stunden vor Abfahrt auf das Schiff. Die Zustände müssen chaotisch gewesen sein. Es soll rein Garnichts funktioniert haben.
Wir haben also noch Glück gehabt, meinte der Schweizer Türke. Der Eigner bemüht sich weiterhin, eines der Schwesterschiffe der Cesme zu erwerben, die unter türkischer Flagge irgendwo in der Ägäis laufen. Man wird sehen. Von einer Überfahrt mit der Scotia Prince kann ich jedenfalls nur abraten.
Wir nutzen die Fahrzeit bis 18:00 Uhr mit ausgiebigem Duschen in unserer ?Luxus-Kabine? und freuen uns auf das Essen am Camping San Marino, den wir am Abend anlaufen werden.
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Unsere Vorfreude auf unsere Luxuskabine auf der Cesme war verfrüht. Schon beim Erledigen der Formalitäten im Büro der Marmara- Line wurde klar, dass unsere Überfahrt nicht mit der Cesme stattfinden wird. Die Dame im Büro änderte den Schiffsnamen handschriftlich auf unserem Ticket in ?Scotia Prince?. Das wunderte mich erst mal nicht besonders, da ich von Freunden wusste, dass die Cesme schon im Frühjahr technische Probleme hatte. Was uns dann erwartete, ist ein Fall für ein Schadenersatzverfahren.
Wir fuhren also am 14. Juli im Pamukkale zu unserer typischen Abfahrtszeit um 11:00 Uhr los. Die Fahrt war ereignislos und die dreihundertneunzig Kilometer zogen sich endlos. Vor allem die letzten zweihundert Autobahnkilometer waren eine endlose Abfolge von steilen Anstiegen und ebensolchen Abfahrten. Gegen 17:00 Uhr erreichten wir den Ort Cesme. Das Büro der Marmara- Lines liegt freundlicherweise direkt am Ende der Autobahn ist kaum zu verfehlen. Man nahm sich unser gleich an und wir wurden unfreundlich, aber kompetent bedient. Die Dame schärfte uns ein, unbedingt um 8:00 Uhr am Hafen zu sein. Weil wie mit unserem großen Auto zuerst auf das Schiff müssten.
Wir statteten darauf hin dem neuen Supermarkt Care Four in Cesme einen Besuch ab, deckten uns mit Eiran und Raki ein und suchten uns etwas außerhalb von Cesme ein Restaurant. Wir wurden fündig und aßen gut und teuer in einem Fischrestaurant direkt am Meer. Gutes Essen ist in der Türkei nicht so einfach. Es wird meist mehr versprochen, als Speisekarte und Preis erwarten lassen. Gut gesättigt suchten wir unseren altbekannten Platz neben dem Hafengelände auf. Das ist ein kleines Hafenareal, das ziemlich ungenutzt neben dem eingezäunten Industriehafengelände errichtet wurde. Der Wind war uns gnädig und blies heftig vom Meer die ganze Nacht. Das ersparte uns den Lärm der nahe gelegenen Straße. Mitten in der ruhigen Nacht klingelte der Wecker um 6:30. Es dauerte dann doch bis 7:00 Uhr, bis die Familie unter den Lebenden weilte und wir unsere Rucksäcke für das Schiff zwischen den drei Tassen Kaffee packen konnten. Etwas gestresst, aber pünktlich erreichten wir das Haupttor des Hafens. Das lag hauptsächlich daran, dass nur 5 Minuten zu fahren waren. Wir reihten uns am Ende der Schlange der sieben Frühaufsteher ein. Die arabische Viertelstunde dauerte ziemlich lange. Um 9:30 wurde endlich das Tor zum Hafengelände geöffnet. Erfahrungsgemäß ist Ausreise aus der Türkei die nervigste Prozedur. Das bestätigte sich auch dieses mal. Während die Zollkontrolle noch schnell und locker lief, machte die Polizei ziemlichen Ärger und verlangte Zollpapiere von uns, weil sie nicht kapierten, dass wir ein ganz Normales Wohnmobil sind. Nach einiger Diskussion räumten wir auch diese Hürde aus dem Weg.
Wir mussten erst mal rechts ran und alle PKW wurden zuerst eingeschifft. Wie nicht anders im Juli in dieser Richtung zu erwarten war, handelte es sich nur um etwa 50 Fahrzeuge. Das neue Schiff ist deutlich kleiner, als die alte Cesme und wird vom Bug her beladen. Ob es eine Heckklappe gibt, konnten wir bis jetzt noch nicht heraus bekommen.
Das Auto war alsbald verstaut und wir begaben uns in den Passagierbereich. Es war schnell zu sehen, dass die Scotian Prince zwei Nummern tiefer im Komfort anzusiedeln ist, als die Cesme. Den ersten Ärger gab es bei der Kabinenzuweisung. Man wollte uns eine normale Vierbettkabine andrehen. Nach einiger Diskussion kam heraus, dass dieses Schiff keine Luxus-Vierbettkabine hat. Wir nahmen dann eine Dreibett-Luxuskabine und Petra schläft auf einer unserer Isomatten. Der Luxus beschränkt sich auf die reine Kabinengrundfläche. Von der Ausstattung und vom Sanitärbereich ist unsere Kabine schlechter, als die Normalkabine auf der Cesme. Das wird in Deutschland sicher noch ein Nachspiel haben. Nach dem Ablegen entpuppte sich die Scotian Prince als übler Schüttelbock. Die Vibrationen sind zum Teil so stark, dass ich Mühe habe, die Buchstaben auf dem Display meines Rechners zu lesen, während ich hier schreibe. Das Essen ist ohne Auswahl und schlecht, allerdings nicht teuer. Eine Frechheit ist dagegen das Frühstück, das im Preis inbegriffen ist. Es gibt einen Teller mit Butter, Honig und Marmelade, einer ungenießbaren Wurst und schlechtem Feta. Nur die Tomate und die Gurkenscheiben schmeckten. Keine Auswahl oder die Möglichkeit, Müsli oder etwas anders zu frühstücken, nur diesen Teller. Der Kaffee besteht aus Nescafe-Pulver und Trockenmilchpulver und schmeckt entsprechend. Bei der langen Fahrtzeit von über 50 Stunden ist das schon übel. Umso größer ist unsere Vorfreude auf Italien und die und dort erwartenden kulinarischen Genüsse. Bemerkenswert ist die Anhäufung von Spielautomaten. Das ganze Schiff ist voll mit ?Einarmigen Banditen? Es schaut so aus, als wenn die Scotia Prince ein Casinoschiff war oder immer noch ist.
"Wir sitzen in der Hitzen und schwitzen aus allen Ritzen" gedichtet von mir in Agadez im Sommer 1981. Das ist nahtlos auf Pamukkale übertragbar.
Was wir bei der Idee, Pamukkale zu besuchen, übersehen haben, dass der Ort auf nur 200 Höhenmetern liegt. Entsprechend heiß sind nun wieder die Tage und vor Allem leider die Nächte.
Das Highlight war am letzten Morgen in Göreme der Start von etwa 40 Heißluftballons. Ein beeindruckendes Schauspiel. Unser nächstes Ziel war Pamukkale, das die Familie noch nicht gesehen hatte. Der Weg führte über Konya nach Beysehir. Am Ortsausgang am See übernachteten wir am Restaurant Ada.
Sehr schlicht und direkt an der Straße aber mit großem Fernsehgerät für das Spiel Deutschland-Spanien. Das Essen war mittelmäßig. Am nächsten Tag schlug mir Petra wieder eine ihrer gefürchteten Varianten zur Hauptroute vor. Diese Varianten waren schon öfters Anlass für manches Abenteuer. Dieses Mal ging es gut aus mit einer Stunde Umweg. Zugegeben war es landschaftlich reizvoll. Wir erreichten am Nachmittag Denizli und Pamukkale. Unser erster Anlaufspunkt war das Restaurant Syhir. Ein großes Restaurant mit großem Pool und großer Campingwiese ohne einen nennenswerten Baum zum Schattenspenden. Während wir uns etablierten, erfuhren wir, dass am Abend bis 24:00 eine Hochzeit stattfand. Nach dem ersten Soundcheck machten sich Petra und ich zu Fuß auf die Suche nach einer neuen Bleibe. Wir wurden fündig im Hotel Dort Meysim etwas weiter unten im Ort Pamukkale in einer ruhigen Seitenstraße. Lonley Planet sei Dank.
Für die zwei Stunden auf der Campingwiese und die Kids im Pool nahm uns das Restaurant Syhir 20 TL ab, was ich reichlich unverschämt fand. Wir packten also den Unimog notdürftig und zogen die zwei Kilometer um. Das Hotel hat einen Pool mit dem Kalkwasser der Kalkterrassen und mittelmäßig gutes, türkisches Essen. In der Summe ein zufriedenstellender Platz. Da ich zwischendurch auch etwas arbeiten muss, ich bin immer noch Angestellter der DEO, macht das hier mit dem wirklich schnellen WLAN wenigstens etwas Spaß. Heute machten wir uns todesmutig auf, den touristischen Teil dieses Ortes zu erkunden. Die berühmten Wasserbecken aus Kalk sind in der Form, wie ich sie 1978 sehen durfte, nicht mehr existent. Dafür massenweise bis zur Unanständigkeit halb bekleidete, meistens fette Touristen. Jetzt weiß ich wieder, warum es mich in die einsame Wüste zieht. Wer die Ruinenstädte der Römer in Algerien, Tunesien und Libyen gesehen hat, hat für den Haufen herum liegender Steine von Hierapolis wenig übrig.
Morgen fahren wir nach Cesme. Dort werden wir, inshallah, am Nachmittag ankommen, die Formalitäten im Büro der Marmara- Lines erledigen und am Hafen nächtigen. Wir freuen uns schon auf unsere klimatisierte Luxuskabine, die wir uns dieses Mal geleistet haben.
Das hat jetzt etwas gedauert, aber in Syrien ist Internet nur in wenigen Internet- Cafes möglich mit lausig langsamen Zugängen.
Den neuen Camping in Damaskus haben wir schon im letzten Sommer in Augenschein genommen. Da war er allerdings noch eine große Baustelle. Der Besitzer kennt und von den früheren Besuchen. So hatten wir einen kleinen Heimvorteil. Es waren außer uns nur zwei Fahrzeuge und ein Motorradfahrer am Platz und der beste Standplatz mit dem meisten Schatten noch frei. Die sanitären Anlagen sind einfach, aber sauber. Große Teile der sanitären Ausstattung stammen vom alten Campingplatz. Internet gibt es immer noch nicht. Da ist Syrien noch ein Entwicklungsland. Leider ist die Moscheendichte um den Camping hoch. Mindestens drei Moscheen sind in unmittelbarer Nähe.
Das Klima ist im Juli heiß. Da helfen auch die 600 Höhenmeter wenig. Wenigstens das Fußballspiel Deutschland gegen Argentinien konnten wir in fachkundiger Runde mit den pro Deutschland eingestellten Syrern genießen.
Syrien ist für uns gespalten in die Staatsverwaltung und die Bevölkerung. Während die Staatsverwaltung alles zu tun scheint, um Touristen mit allerlei Gebühren zu vergraulen, ist die Bevölkerung zurückhaltend und sehr herzlich, wenn sich ein persönlicher Kontakt ergibt. Der Verkehr in Syrien ist ähnlich chaotisch, wie in Ägypten, allerdings ohne die Aggressivität und ohne ständiges Hupen. Damit kann ich gut leben. Ein Erlebnis der besonderen Art hatten wir in Grenznähe zu der Türkei. Weil die Begeisterung, zu kochen, bei Petra gerade gegen Null geht, suchten wir ein Restaurant auch, das auf den ersten Blick wenig vertrauenserweckend aussah. Auch das Fehlen weiterer Gäste war kein gutes Indiz. Wir aßen dann aber trotzdem sehr gut. Während wir speisten, traf eine Gruppe Kuwaitis mit vier fetten SUV?s auf dem gegenüber liegenden Parkplatz ein. Eine Großfamilie mit einem Großvater, drei Männern, vielen Frauen und noch mehr Kindern. Das war ein Großauftrag für den Lokalbesitzer. Tische wurden zusammen gerückt. Für die Frauen und Töchter im hinteren Bereich der überdachten Terrasse, für die Männer und Knaben im vorderen Bereich. Der Lärmpegel wurde schlagartig arabisch. Mit dem Chef der Sippe kamen wir schnell ins Gespräch. Er sprach leidlich englisch. So tauschten wir eine Weile Informationen aus und das Fußballspiel Deutschland gegen Argentinien wurde nicht vergessen. Als wir aufbrachen, wurde der Unimog noch eingehend bewundert von fachkundiger Jury. Besonders der Besitzer des Hummers war Feuer und Flamme. Eine nette und interessante Begegnung.
Die Nacht verbrachten wir wie immer an unserem Privat-Platz im einem Pinienwald in Grenznähe mit schönem Ausblick über das Tal. Über das Jahr baute ein Syrer mit belgischer Frau allerdings sein Haus in die Nähe unseres Schlafplatzes.
Weil Petra dieses Mal keinen Streit mit dem Zöllner wegen der Ausreisesteuer von 550 SD anfing, waren die Formalitäten schnell erledigt. Vor den Tor der Türkei erledigte ich noch schnell den fliegenden Nummernschildwechsel von der ägyptischen Zulassung zu den deutschen Nummernschildern. Auch auf der türkischen Seite waren wir nach einer halben Stunde durch. Diese kleine Grenze bei Kassab in der Nähe des Mittelmeeres hat sich sehr bewährt. Es ist immer wenig los und es gibt keine LKW an dieser Grenze. Das erspart uns die Diskussion und die nötige Bestechung wegen dem Limit von 200 Liter Diesel bei der Ausreise. Die Türkei empfing uns wie gewohnt, unproblematisch. Unser erster Gang in Antakya war ein großer Supermarkt. Dort gibt es gutes Brot und Ayran. Wie immer haben wir uns bei der Durchfahrt durch Antakya hoffnungslos verfahren, da eine Beschilderung vollständig fehlt. So haben wir nun drei Varianten für die Stadtdurchfahrt. Eine mit Bazar, oder eine mit dem Bankenviertel und dieses Mal mit der heruntergekommenen Hochhaussiedlung. Ab Antakya gibt es eine neue Autobahn bis Bor. Das liegt 100km vor Kayseri. Die erste Nacht in der Türkei verbrachten wir wie letztes Jahr an der Burgruine Yilanlikale.
Die Nacht an der Burgruine verlief nicht ganz nach Wunsch. Der nette Pächter des kleinen Lokals am Burgparkplatz war nicht mehr da. Es empfing uns ein unangenehmer Türke, der uns als ersten Begrüßungssatz die Gebühr für den Parkplatz mitteilte.
Wir winkten dankend ab und etablierten uns in einem kleinen Pinienwald am Fuße der Burg. Wie alle Platze dieser Art in der Türkei, die zu einem Picknick einladen, war auch dieser vollständig vermüllt. Wir säuberten unsere unmittelbare Umgebung so gut es ging.
Den frühen Abend verdarben und zwei Türken, die mit einer Schrotflinte ?Tontaubenschießen? auf hochgeworfenen Müll veranstalteten. Nach dem es den Herrn zu dunkel für ihr Hobby geworden war, erlebten wir eine ruhige, aber sehr heiße Nacht. Am nächsten Tag quälten wir den Unimog auf das anatolische Hochplateau. Es führt eine Autobahn Richtung Ankara über den ersten Pass mit 1300 Höhenmetern. Das meisterte der Unimog erstaunlich cool. Das Kühlwasser blieb unter 100°C. Ab etwa 700m wurde es deutlich kühler, was Mensch und Maschine sehr zu Gute kam.
Gegen 15:00 Uhr erreichten wir Göreme. Wir nahmen die drei Campingplätze in Göreme in Augenschein und entschieden uns dann für unseren altbekannten Platz Kaya- Camping. Der ist der teuerste, aber auch der Schönste mit sanitären Anlagen nach EU- Standard. Dieses Mal auch mit Internet. Leider hat der Router eine geringe Reichweite und der Email- Versand geht nur über den Internetzugang unseres Providers.
Wir waren trotzdem zufrieden und blieben drei Tage.
Eine kleine Hilfeleistung musste auf dem Camping von mir erbracht werden. Ein netter Franzose hatte an seinem Motorrad einen schleichenden Luftverlust. Mit der mit Wasser gefüllten Wanne zum Wäschewaschen war die Schadensstelle am Hinterrad schnell ermittelt und dank TIP-TOP ebenso schnell repariert. So kam meine umfangreiche Ausrüstung zum Reifenflicken endlich mal zum Einsatz, die ich seit zwei Jahren durch Ägypten spazieren fahre.
Nach drei Tagen Nichtstun, außer Berichte schreiben und Wäsche waschen werden wir uns Morgen wieder auf den Weg machen und eine neue Strecke Richtung Izmir erkunden.
Die Fahrt nach Amman war nicht so schlimm, wie befürchtet. Es scheint auch hier sich langsam ein Gefahrenbewustsein durchzusetzten. Die rasenden LKW waren wirklich die Ausnahme. So erlebten wir die 320km eher als entspannt. Wir haben einen zu kleinen Wasserkühler. Das Problem entstand letztes Jahr, als mein Hochleistungskühler kaputt ging und ich aus Zeitmangel einen Serienkühler einbauen musste. Der Anstieg unseres überladenen Unimogs bei 45°C Außentemperatur auf dem Dessert-Highway von Meereshöhe bei Aqaba bis auf 1700 Höhenmeter innerhalb von 100km war dann eine stressige Angelegenheit immer hart an 110°C Kühlwassertemperatur. Der Unimog hat es geschafft und meisterte auch tapfer den sehr starken Gegenwind, der uns zuweilen auf 60km/h ausbremste. Der Dessert-Highway ist in einem schlechten Zustand. viele Schlaglöcher und die Asphaltdecke sehr uneben. die LKW's stört das nicht. sie prettern unbeeindruckt über den Highway und die Räder tanzen Schlagloch-Tango. Wenn so die Räder eines beladenen Aufliegers mit 90km/h in ein Schlagloch fallen, ist das als Nebenherfahrender ein beängstigender Anblick.
Unser Eindruck von Jordanien ist dieses Jahr bis jetzt sehr positiv. Es ist im Land relativ sauber. Überall wird gebaut und instandgehalten. Der Straßenverkehr läuft im Vergleich zu Ägypten zivilisiert. An roten Ampeln wird angehalten, jeder fährt leidlich in seiner Spur und vor Allem: Es wird nicht permanent gehupt. Durch Amman war ich eher der Störenfried, wenn ich gelegentlich in Kairoer Unarten verfiel, wie zu schnell fahren, Vordrängeln und jede Lücke ausnutzen. Allah möge mir verzeihen und ich muss mich langsam umgewöhnen.
In der Summe erscheint uns Jordanien als ein Ort hoher Zivilisation. Das erlebten wir 2007, als wir zum ersten Mal in Jordanien waren und Kairo noch nicht kannten, ganz anders. Amman kam uns schmutzig vor und der Straßenverkehr beängstigend.
Es ist eben alles eine Frage, welchen Maßstab der Betrachter ansetzt. ;)
Von Aqaba kommend, muss man durch die ganze Stadt fahren, um zur Schneller- Schule zu gelangen, die im Nordosten der Stadt liegt. Auf unserem Weg dahin besichtigten wir noch ein Villenviertel. Böse Zungen würden behaupten, wir hätten uns mal wieder verfahren. Tatsächlich erhöht so was nur die Ortskenntnis. ;)
So liefen wir gegen 17:00Uhr an der Schneller-Schule ein. Für den Verwalter, Herrn Victor, sind wir inzwischen alte Bekannte. Mein bevorzugter Standplatz war erfreulicherweise von keinem anderen Touristen besetzt. Der Versuch, an der Straße Tomaten zu kaufen, endete mit dem Erwerb einer ganzen Steige von 5kg für 2 Dinar. Das sind etwa 2,30 Euro.
Das war die Mindestmenge. Jetzt gibt es Tomatensalat bis in die Türkei.
Unsere Begeisterung für touristische Unternehmungen ist gegen Null. Zu tief sitzt noch die Erschöpfung durch den Stress der letzten Wochen und durch die Hitze.
Auffällig ist, dass scheinbar niemand außer uns im nahen Osten per Fahrzeug unterwegs ist. Wir haben noch keine fahrenden Touristen getroffen. Das war die letzten Jahre anders.
Durch die 670 Höhenmeter ist das Klima in Amman ein Traum im Vergleich zu Aqaba. Es weht auch um die Mittagszeit ein kühler Wind. Heute Nacht wurde es für uns ägyptisch Akklimatisierten mit 20°C richtig kalt. Sehr angenehm war das und wir haben richtig gut geschlafen und seit längerer Zeit unsere Bettdecken benutzt.
Hier an der Schnellerschule fehlt es uns, vom Brot abgesehen, an Nichts. Wir können eine Dusche benutzen, wir haben Strom und WLAN. Ich habe mich bei einem anderen Router in der Nähe eingeloggt, der deutlich schneller ist, als das WLAN der Schnellerschule.
So sitze ich nun unter einer Pinie, trinke pappsüßes Schweppes und tippe diese Zeilen in den Rechner.
Nervig ist ein reger Helicopter- Verkehr über der Stadt. Hier scheint jeder Unteroffizier mit dem Helicopter zu fliegen. Militär und Polizei sind hier auch aus anderem Holz. Straßenpolizisten kontrollieren viel und die schauen nicht so aus, als ob mit ihnen zu spassen ist. Ähnlich ist es mit der Militär- Präsenz. Es gibt an den Straßen immer wieder Stützpunkte mit einem Hummer mit schwerem Maschinengewehr hinten drauf und immer zwei Mann im Fahrzeug in Habacht- Stellung. Man merkt, dass wir mitten drin sind im Nahostkonflikt.
Morgen fahren wir nach Damaskus. Mir graust schon vor der chaotischen Grenze Jordanien-Syrien.
Dessert- Highway.......................An der schneller-Schule...............Der Chef tippt persönlich
42°C, 35% Luftfeuchte und ein heißer Wind. Kurzum, wir sitzen im Beduin- Camp südlich von Aqaba in Jordanien. Warum stellt den keiner den heißen Föhn ab. Den Vormittag habe ich mit Arbeiten verbracht. Ich bin bis 31. August bei der Schule angestellt und muss auch während der Heimfahrt etwas arbeiten. Der Rechner meckert schon ständig, dass die Festplatte heißer als 50°C ist und mein Hals meckert ständig, dass er mehr kalten Lamoon will. (ein Getränk aus gepressten Limonen)
Erfreulicherweise geht mein UMTS-Stick vom arabischen Netzbetreiber Etisalat auch in Jordanien. So habe ich auch in Jordanien überall schnelles Internet.
Das Beduin- Camp war auf unserer ersten Nah-Ost-Tour 2007 unser südlichster Anlaufpunkt. Ein nettes kleines Camp mit gemauerten Hütten ohne Klimatisierung, einen kleinen Pool und gutem Essen. Da die Fähre Nuweiba-Aqaba meistens im Dunkeln in Jordanien ankommt, ist dieses Camp immer ein sicherer Anlaufpunkt.
Unsere Wehmut wegen des Auszugs aus Ägypten ist verflogen. Nach sechs Stunden geballter Inkompetenz bei der ägyptischen Ausreise ist der Sympathie- Level für Ägypten wieder gegen Null. Das Problem war, dass wir eine ägyptische Zulassung für den Unimog haben und mit dieser Zulassung nach Deutschland fahren wollen und die Zöllner sich in ihrem Bürokraten- Wahnsinn selbst nicht mehr auskennen. Aber diese Ausreise ist eine extra Geschichte wert mit dem Titel: Ausreise aus Ägypten, oder tausend und eine Unterschrift mit tausend und einem Stempel
Wir sind also mit Müh und Not noch auf das Schiff gekommen. Diesmal setzten wir mit dem schnellen Tragflächenboot über. Das brauchte für die 70km nur eine Stunde. Leider konnten wir nicht an Deck und so verbrachten wir diese Stunde völlig fertig vom ägyptischen Ausreise-Prozedere in den Sesseln hängend und gekühlten Orangensaft schlürfend. Die Einreise in Jordanien war im Vergleich erholsam. Nach einer Stunde waren wir entlassen mit einem Welcome to Jorden und unterwegs zum Beduin-Camp, das 10km in Richtung der Saudi-Arabischen Grenze liegt.
Etwas Irritation gab es auch bei den Jordaniern, die es nicht gewohnt sind, dass Deutsche mit einer Ägyptischen Autozulassung unterwegs sind. Das regelte der Zöllner aber schnell mit einem Anruf beim Vorgesetzten. Hier in Jordanien ist auch jeder hilfsbereit und wir mussten nicht herum irren, um die richtigen Schalter in der richtigen Reihenfolge zu finden. Jordanien macht in jeder Hinsicht einen fortschrittlicheren Eindruck. Es ist der omnipräsente Verfall, wie in Ägypten hier nirgends zu sehen. Die Straßen sind erheblich sauberer und besser in Schuss und man hält sich zumindest rudimentär an Verkehrsregeln. Morgen werden wir nach Aman fahren. 320km Dessert- Highway. In Konkurrenz mit vielen LKW?s und Tanklastzügen, deren Durchschnittsgeschwindigkeit 140km/h beträgt. Das Erste, was aus dem importierten LKW ausgebaut wird, ist der in der EU vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzer auf 90km/h.
In Aman gibt es die Schneller-Schule. Eine Einrichtung des Herrn Theodor Schneller.
Zitat von der Seite des evangelischen Missionswerks:
Die Theodor-Schneller-Schule (TSS) in Amman ist weit mehr als eine Schule. Auf dem mehrere Hektar großen Areal am Rande der jordanischen Hauptstadt leben rund 100 Jungen und junge Männer im Alter von sechs bis 21 Jahren mit ihren Erziehern, deren Familien und weiteren Mitarbeitenden zusammen. Die Kinder sind Waisen und Halbwaisen aus christlichen und muslimischen Familien. Zum Großteil kommen sie aus sozial schwierigen Verhältnissen. Die Wohngruppen, die an der TSS Familien genannt werden, geben den Kindern Geborgenheit. Jeden Tag kommen zum Unterricht noch weitere Schülerinnen und Schüler aus der näheren Umgebung an die TSS. Einige stammen aus dem palästinensischen Flüchtlingslager direkt neben dem Internatsgelände. Die Schule führt bis zur Mittleren Reife. Danach können die Schüler in den Werkstätten eine Ausbildung zum Schreiner, Automechaniker oder Industrietechniker machen. Im Gästehaus der TSS sind Gäste aus aller Welt jederzeit herzlich willkommen.
Auf dem Gelände der Schule können Touristen mit ihren Fahrzeugen für kleines Geld vor dem Gästehaus stehen. Aber darüber mehr übermorgen aus Aman.
Seit gestern Nachmittag sitzen wir im schönen Camp Soft Beach am roten Meer auf dem Sinai bei Nuweiba.
"School's out for ever". Die DEO in Kairo ist Geschichte. Die letzten Arbeitstage waren extrem stressig und das Ausräumen der Wohnung und das Packen des Unimogs kamen noch dazu. Die gestrigen 500km von Kairo nach Nuweiba haben mir dann den Rest gegeben. In der langweiligen Mitte der Strecke kämpfte ich zeitweise gegen den Sekundenschlaf. Obwohl die Nacht in Softbeach wirklich ruhig und angenehm von der Temperatur war, schliefen wir noch relativ schlecht. Das legt sich erfahrungsgemäß die Tage. Die Hitzewelle mit 47°C in Kairo ist gottlob vorbei und wir haben heute in Nuweiba milde 30°C. Vom Meer her weht eine frische Brise und so lässt es sich hier gut aushalten.
Wir werden Heute und Morgen hier bleiben und versuchen, den Stress etwas abzubauen.
Da wir zum Schluss die Sachen nur noch in den Unimog geschlichtet haben, muss der Krempel erst mal reisegerecht verstaut werden. Ein bisschen Arbeit an der DEO-Seite habe ich auch noch zu machen.
In Soft Beach haben sie inzwischen WLAN. Das ist aber so langsam, dass kein echter Nutzwert, außer Email lesen, zu erwarten ist. Dagegen ist mein UMTS- Stick in Nuweiba richtig schnell. Da macht Arbeiten und Surven spaß.
Den Unimog habe ich schon die Motorhaube getätschelt. Der Arme muss die 5000km ohne vorherige Wartung und Kümmerung durchhalten, Inshallah. Natürlich ist er wieder bepackt, wie ein arabischer Esel. Meine zulässigen 6,2t dürften gerade bei mehr als 6,5t liegen. Es sind die Tanks auch randvoll.
Übermorgen überqueren wir das rote Meer. Weil ich nicht die Gunst Allah's habe und das Meer nicht wie Moses teilen kann, nehmen wir die sauteure Fähre Nuweiba-Aqaba.
Aber davon berichte ich vom Beduin-Camp aus Aqaba.
Heute ist mein letzter Arbeitstag. Morgen fahren wir los Richtung Nuweiba und bleiben noch zwei Tage am roten Meer, bevor wir nach Jordanien übersetzen.