Tagebuch der Tour über den Jahreswechsel 2010-2011

Die Fahrt nach Kolitzheim

 

Die Tour ist vorbei. Meine Frau und meine Jüngste sind zurück geflogen.

Es geht nun wieder nach Hause in unser Dorf Kolitzheim.

Über die gleiche Route mit sicher neuen Erlebnissen und Eindrücken.

 

Nachfolgend sind meine Erlebnisse und Eindrücke nieder geschrieben in der Reihenfolge von unten nach oben.

 

Viel Spass beim Lesen

 

Freitag, 21. Januar 2011 Zuhause

 

Am Donnerstagmorgen war ich relativ früh auf den Beinen. Ich machte den Unimog winterfest. Das hieß zur Firma Stahlgruber fahren und Frostschutz für Kühler und Scheibenwaschanlage, neue Wischblätter und Fließverbesserer für das Libysche Diesel kaufen und einfüllen. Nach einem Frühstück gegen 11:00 Uhr schaute ich noch in Garching (München-Nord) beim Zoll vorbei und ließ mir die Wiedereinfuhr des Unimogs in Deutschland im Carnet de Passage mit einem schönen Stempel und Unterschrift bestätigen. Das ist notwendig, damit ich die Euro 5000,- Kaution wieder bekomme, die ich für das Carnet für Ägypten beim ADAC hinterlegen musste. Dann auf die Autobahn und nach Hause. Das musste der arme Unimog zwischen spritfressenden 90 und 100km/h leisten, weil ich keinen Nerv mehr hatte, mit spritschonenden 80km/h heim zu trödeln.

Gegen 16:00 Uhr lief ich in Kolitzheim ein.

Die Wiedervereinigung der Familie feierten wir am Abend gebührend mit einem leckeren Essen bei unserem Lieblings- Italiener "Bei Sandro" in Volkach.

Heute merke ich langsam in meinen morschen Knochen die Marathons von fünfmal zwischen 12 und 15 Stunden ununterbrochenen Kilometerfressen mit dem Unimog innerhalb von 7 Tagen.

El Hamdulillah, es ist Alles gut gegangen auf dieser Tour. Also war's ein Abenteuer. ;-)

 

Mittwoch, 19. Januar 2011 Grimaldi-Line

 

Wie jede Überfahrt geht mir auch diese sehr auf die Nerven. Die Tunesier breiten sich mit Luftbetten in allen Gängen aus, so dass ein Durchkommen kaum möglich ist. Außerdem herrscht ein unglaublicher Lärmpegel aus schreienden Kindern und nicht minder lauten Erwachsenen. Das Essen ist eher schlecht und teuer. Selbst der Cappuccino ist schlecht und das auf einer italienischen Fähre. Die Klimaanlage im Schiff arbeitet nur unzureichend und so herrscht überall ein unangenehmer Geruch von zu vielen Menschen.

Auch in meiner Kabine arbeitet die Klimaanlage nicht. Nur die Absaugung in der Nasszelle funktioniert. Bei offener Tür der Nasszelle war es einigermaßen auszuhalten. Dabei ist die Sorrento ein relativ modernes Schiff.

Die Fähre legte in Tunis um 14:00 Uhr ab und um 14:30 war ich in Civitavecchia aus dem Hafen. Weil ich keine Lust mehr hatte, auf irgendwelchen Campingplätzen herum zu hängen, beschloss ich, nach München durch zu fahren. Um 2:30 waren die 1000km bewältigt, trotz heftigem Schneefall ab der Nordseite des Brenner- Tunnels.

Die Abfahrt vom Brenner versuchte ich dieses Mal mit Sandluftdruck von 1,5/ 2,0 Bar in den Reifen. Das klappte wunderbar und ich kam auf der Schneedecke kein einziges Mal ins Rutschen.

 

Dienstag, 18. Januar 2011 Die Fahrt zum Hafen La Golette

 

Heute Morgen um8:00 Uhr machte ich mich auf nach La Golette, dem Hafen bei Tunis. Das sind etwa 70km vorwiegend Autobahn von Nabeul. Nach 10km passierte ich die erste Militär- Sperre. Die Soldaten waren ausgesucht höflich, entschuldigten sich wegen der Unannehmlichkeit, kontrollierten aber genau jedes Fahrzeug. Auch in den Unimog warfen sie einen Blick. Sonst verlief die Fahrt ereignislos. Die zweite und letzte Militärkontrolle war direkt am Hafen. Auch diese war sehr freundlich, aber genau. In La Golette stehen strategisch gut platziert, zwei Panzer. Es ist noch keine Ruhe eingekehrt. Eine Gruppe Wohnmobilisten, die vor dem Hafengelände genächtigt haben, musste in der Nacht vor Querschlägern in das Toilettenhäuschen flüchten. Das Militär lieferte sich in dieser Nacht eine heftige Schießerei mit einer Gruppe bewaffneter Tunesier. Die Wohnmobilisten wollten aber trotzdem bis Samstag ausharren. Ein Buchen einer früheren Fähre sei ihnen zu teuer. Manchem schein sein Leben nicht viel wert zu sein.

Gerüchten zur Folge soll das Militär die Polizei entwaffnet haben, die Ben Ali nahe stand. An der Polizeiwache neben dem Camping standen auch tatsächlich die Polizisten ohne Handwaffen herum.

Im Industrievorort Rades brannten zwei Fabriken. Auch in La Golette waren überall die Zerstörungen der vergangen Unruhen zu sehen. Selbst in das Hafengelände sind randalierende Gruppen eingedrungen und haben im Abfertigungsbereich beträchtlichen Schaden angerichtet.

Am Ticketschalter der Grimaldi- Line spielten sich tumultartige Szenen ab bei dem Versuch der Tunesier, einen Schiffsplatz zu ergattern. Auch eine Gruppe Deutscher drängelte sich mit abendländischer Arroganz an den Tunesiern vorbei. Allerdings sind Araber im Drängeln erfahrener und waren deshalb auch erfolgreicher. Völlig unnötig, denn das Schiff war bei der Abfahrt nur halb voll. Auch ich musste mich bis zum Schalter durch kämpfen im Pulk von Tunesiern, die eng auf Tuchfüllung gehen, was ich hasse wie die schwarze Pest bei meiner leicht klaustrophobischen Veranlagung. Nach einer Stunde Kampf um jeden halben Meter zum Schalter hatte auch ich meine Bordkarten. Es dauerte eine weitere Stunde, bis wir auf das Zollgelände fahren durften. Die Zollvormalitäten waren auch dieses Mal kurz und oberflächlich und so standen der Unimog und ich nach einer weiteren halben Stunde auf der Sorrento der Grimaldi-Line. El Hamdulillah, dem Caos entronnen.

Ich gebe zu, dass ich mir die Entwicklung in Tunesien lieber aus Kolitzheim anschaue, als aus Nabeul.

 

Montag, 17. Januar 2011 Ausnahmezustand in Tunesien

 

Die Lage hat sich in Nabeul etwas entspannt. Die Hälfte der Geschäfte hat wieder auf und es ist wieder ordentlich was los auf der Straße. Die Eisenbahn und die Busse fahren wieder. Heute um 16:00 soll es auch wieder Diesel geben, Inshallah. Einziges Problem ist Bargeld. Alle Geldautomaten sind zerstört und an der Post und den heil gebliebenen Banken stehen lange Schlangen. Das Warenangebot ist immer noch spärlich. Die Leute haben mit Hamsterkäufen die Läden gelehrt. Ich konnte auch im Restaurant des Campingplatzbesitzers Il Gusto wieder eine Pizza essen.

Die Ausgangssperre ab 17:00 Uhr besteht nach wie vor. Die Menschen haben gestern Nacht mit viel Engagement Bürgerwehren gebildet und ihre Straßen verbarikadiert.

Ich war heute Morgen noch auf dem Souk von Nabeul. Der bot ein trauriges Bild. 90% der Läden sind zu und wenig Menschen auf der Straße. Und ich der einzige Tourist. Den Souk sozusagen exklusiv für mich. ;-) In der Nacht war das bereits bekannte, akustische Szenario von Gewehrschüssen und mit Signalhorn fahrenden Polizeifahrzeugen. Allahseidank immer weiter weg.

Meine Frau hat eine andere Fähre gebucht. Grimaldi-Line von Tunis nach Rom morgen um 13:30. Schaun wir mal. Zur Zeit ist nichts verlässlich in Tunesien.

 

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Samstag, 15. Januar 2011 Nabeul, Abenteuerurlaub in Tunesien

 

Bei meiner Ankunft gestern auf dem Camping Jasmin standen vier italienische Wohnmobile der Marke "weiße Pest". Die Eigner, alle im Rentenalter, waren panikartig in Aufruhr wegen der Entwicklung im Land. Das taten sie ihrer Mentalität entsprechend so lautstark, dass ich um 23:00 Uhr sie um Ruhe bitten musste. Wie oft im Leben hat Alles auch was Gutes. Eine solch ruhige Nacht durch die Ausgangssperre habe ich in Nabeul noch nie erlebt.

Heute Mittag habe ich mir ein Bild von den Verwüstungen der letzten Nacht in Nabeul gemacht. Der Supermarkt Carefour, einige Handyläden und einige Banken sind ausgebrannt. Es geht das Gerücht um, dass die Randalierer von auswärts mit Bussen nach Nabeul kamen und dass es um das Randalieren und Plündern ging und weniger um politischen Protest. Die Auswahl der ausgebrannten Geschäfte unterstützt dieses Gerücht. Bei den besser gestellten Tunesiern in den noblen Wohngegenden um Nabeul liegen nun die Nerven blank. Es geht die Angst vor weiteren Plünderungen um. Ich habe an einigen Stellen beobachtet, wie die Hausbesitzer Ihre Treppenaufgänge zu mauerten.

Heute Nachmittag war dann Militär in Zivil, aber schwer bewaffnet an strategisch wichtigen Stellen auf den Straßen. Über die Lautsprecheranlagen der Moscheen wurde die Bevölkerung heute mehrmals aufgerufen, Bürgerwehren in ihren Straßen zu organisieren, da die Polizei nicht überall sein kann. Auch unser Patron hat einige junge Kellner aus seinen Restaurants mit Holzknüppeln ausgestattet zum Objektschutz. Eben hörte ich ein paar Schüsse und ständig Polizeifahrzeuge. Ich bin sehr gespannt, wie die Bilanz der heutigen Nacht morgen aussieht.

Seit heute Morgen ist die Grenze in Ras Adir auf unbestimmte Zeit geschlossen. Nochmal mit viel Glück durch geschlüpft. El Hamdulillah.

 

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Freitag, 14. Januar 2011 Tunesien Transit

 

Morgens um 10:00Uhr kam ein Vertrauter von Medusa und kassierte den Transit durch Libyen in Euro. Wir starteten von Zuara, mein Führer Hishem und ich, zu letzten Etappe von 65 km zur Grenze nach Ras Adir. An der Tankstelle neben dem Hotel tankte ich vorher noch alles voll, was zum betanken da war. Bei dem Versuch, den völlig verdreckten Unimog waschen zu lassen, bin ich gescheitert. Es war eben Freitag und da geht auch in Libyen wenig.

An der libyschen Grenze war ich wieder zum Zuschauen verdammt, während mein Führer mit meinem Pass und meinem Carnet von Büro zu Büro hechelte. Nach zwei Stunden war er dann freudestrahlend fertig. Ich hatte auch in der Wartezeit schon die Libyschen Nummernschilder abmontiert. Wir verabschiedeten uns und ich wechselte zu den Tunesiern. Zu meinem Erstaunen waren auch schon die tunesischen Einreiseformalitäten erledigt. Ein tunesischer Grenzpolizist zog nur noch meinen Pass durch sein Lesegerät und ich konnte losfahren. Das ist rekordverdächtig.

Kurz nach der Grenze tauschte ich noch meine Libyschen Dinare in Tunesische Dinare um. Wegen der medienmäßigen Isolation in Libyen hatte ich natürlich keine Ahnung, was in Tunesien läuft, bis ich mich in Ben Gouerdane an dem zentralen Kreisverkehr durch brennende Autos schlängeln musste.

Am zentralen Kreisverkehr brannten drei Fahrzeuge und das Postamt auf der rechten Seite. Das kündigte sich schon von Weitem durch die schwarzen Rauchwolken an. Auf dem Platz tummelten sich geschätzte zweihundert Jugendliche. Ich schluckte erst mal schwer und zögerte, was ich nun tun soll. Die Entscheidung erleichterten mir die libyschen PKW vor mir, die unbeeindruckt und beherzt sich durch die brennenden Autos schlängelten. Ich also hinterher mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Die Menschenmenge ließ mich aber in Ruhe. Ich und die libyschen Autofahrer waren nicht in ihrem Beuteschema.

Ab da war mir klar, dass die Lage in Tunesien eskalierte. Es war auch für Freitag tagsüber extrem wenig Verkehr und kein einziger Polizist war auf der Straße zu sehen. Hinter Kairouan in einem kleinen Nest stellte sich mir ein junger Mann in den Weg. Als er merkte, dass ich nicht bremsen werde, sprang er im letzten Moment zur Seite. Das waren die einzigen Vorfälle auf der Tour. In den ländlichen Gegenden gingen die Tunesier ihrem Tagesgeschäft nach und ich bemerkte keine auffällige Veränderung zu früheren Fahrten durch Tunesien. Wenn ich in Ortschaften Gruppen junger Männer stehen sah, musterte ich diese mißtrauisch. Wahrscheinlich standen die schon immer in Gruppen rum, nur ist es mir früher nie aufgefallen.

Als es hinter Kairouan gegen 17:00 Uhr dunkel wurde, war ich plötzlich alleine unterwegs. Kein Fahrzeug war mehr auf der Landstraße zu sehen. Als ich auf die Autobahn fuhr, winkte mich der Kassier im Mauthäuschen einfach durch. Ich ahnte schon, dass es vermutlich eine Ausgangssperre gibt. Ich fuhr trotzdem weiter, was sollte ich auch anderes machen. Völlig unbehelligt fuhr ich ab Kairouan bis Nabeul im dunklen, ausgestorbenen Tunesien, obwohl ich an drei Polizei- Revieren vorbei kam. Ich bin gegen 20:00 Uhr in Nabeul am Camping Jasmin angekommen. Etwas gespenstig war die Fahrt schon. Keine Menschenseele und kein Auto unterwegs in einer Region, in der normalerweise um 20:00 Uhr das pralle Leben pulsiert.

 

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Donnerstag, 13. Januar 2011 Libyen, zweiter Tag

 

Hishem tauchte am Morgen eine halbe Stunde später auf, als vereinbart. Es viel ihm nun ein, dass er zu wenig Zettel mit den Transitdaten dabei hatte, die er bei jedem Posten abgeben muss. Natürlich hatte um 7:30 jeder Copyshop zu. Das wäre am Abend kein Problem gewesen. So fing er an, nach jedem Checkpoint handschriftlich das letzte Exemplar zu kopieren. Das gab natürlich an jedem zweiten Checkpoint Ärger und der dauerte meist eine halbe Stunde. Wir spulten trotzdem an diesem Tag die 960km geballten, arabischen Verkehrs bis Zuara ab. Dazu brauchten wir 15 Stunden. In Tripolis wollte ich endlich mal die in allen Karten eingezeichnete Umgehungsautobahn fahren, die frühere Führer immer abgelehnt haben. Jetzt weiß ich warum, sie existiert nur bis zur Hälfte. Das Experiment kostete uns eine unnötige Stunde. Der Feierabendverkehr in Tripolis bei Dunkelheit und Regen hat schon was. Das schaffen nur in Kairo gestählte Autofahrer. Es wurde 22:00 Uhr, bis wir in Zuara ankamen. Mein Hishem quartierte mich auf dem Hof eines Hotels ein und er nächtigte zuhause.

 

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Mittwoch, 12. Januar 2011 Libyen, erster Tag

 

Punkt 8:00 lief ich an der Grenzstation in Salloum ein. Nach dem mich der Muezzin zum Sonnenaufgang geweckt hatte, machte ich Kaffee auf Vorrat und frühstückte in Ruhe. Am Gate der Grenzstation angekommen, musste ich zu allererst EP 5,- Transitgebühr für die Grenzstation bezahlen. Dann begann das Prozedere in der umgekehrten Reihenfolge, wie bei der Einreise. Es lebe die verselbstständigte Bürokratie. Diesmal bei der Ausreise kam ich allerdings mit EP 150,- relativ günstig weg. Weil die Hälfte der zuständigen Beamten noch schlief, bzw. noch nicht vor Ort war, zog sich die Ausreise über zwei Stunden in die Länge.

10:15 Uhr mit einer Viertelstunde Verspätung wechselte ich auf die Libysche Seite. Man erwartete mich bereits. Eine Gruppe von Männern nahm mir den Reisepass und das Carnet ab und verschwand. Ein jüngerer Mann in Zivil, der leidlich englisch konnte, war mein einziger Ansprechpartner. Ich schaffte es nicht, in Erfahrung zu bringen, wer mein Führer ist, oder welches Prozedere gerade läuft. So gingen drei Stunden ins Land, die ich mit ungewissem Warten verbrachte. Wenigstens hatte ich genügend Kaffee. Wer mein Führer ist, merkte ich daran, dass einer der jungen Männer sich in meinen Unimog setzte und mich aufforderte, los zu fahren. Mein Führer heißt Hishem (Name von mir geändert) und sein englischer Wortschatz besteht aus etwa zehn Wörtern. Er kann also nur arabisch. Das ist für mich an sich kein Problem. Wenn der Gegenüber fix im Kopf ist, lässt sich mit der Gebärdensprache sehr gut kommunizieren. Mein Hishem war nicht fix im Kopf, ganz im Gegenteil. So musste ich alle meine kleinen Problemchen selbst lösen mit Krämerläden, den Rubbelkarten für das Handy, den Tankstellen und der Orientierung. Dass ich die rein arabischen Straßenschilder nicht lesen kann, hat er die gesamte Tour nicht begriffen. Er hat so gut wie nichts kapiert, was ich wollte. Hishem ist an sich ein lieber Kerl, aber es war schon sehr anstrengend, mit ihm zu fahren. An diesem Tag kamen wir noch bis Ajdabiya, das dieses Mal unter Wasser stand. Mein Hishem suchte sich ein Hotel und ich schlief im Unimog auf dem Parkplatz vor dem Hotel. Dort war erst mal die Hölle los. So etwa ab 24:00 Uhr ebbte der Straßenlärm ab und ich hatte eine unerwartet ruhige Nacht.

 

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Dienstag, 11. Januar 2011 Fahrt zur Libyschen Grenze

 

Ich stehe nun 6 Kilometer vor der Ägyptischen Grenzstation. Am oben auf dem Plateau am Ortsausgang eines traurigen Nestes nach Salloum. Auf einem Platz neben den der Straße in Gesellschaft einiger, Ägyptischer LKW- Fahrer. Dass diese hier stehen, war auch der Grund meiner Entscheidung, ebenfalls hier zu nächtigen in der Hoffnung auf keinen Ärger. Im unmittelbaren Grenzgebiet, und das ist in Ägypten die ganze Mittelmeerküste, sind die Militärs meistens sehr humorlos, wenn man irgendwo frei steht. Auch gestern Abend, 60 Kilometer vor Mersa Matrouh, nächtigte ich auf einem Parkplatz, weil bei aller Mühe kein anderer Übernachtungsplatz zu finden war. Die Landschaft an der gesamten Mittelmeerküste ist topfeben ohne irgendwelche Erhebungen, hinter denen man Sicht- und Lärmschutz finden kann. Da ich gestern keinen Stress hatte, bin ich über Alexandria gefahren und von dort die Küstenstraße, in der Hoffnung auf einen Platz am Meer. Von Alexandria ab ist die Küste bis El Alamein lückenlos mit Resort- Anlagen zugebaut. Ab El Alamein wechseln sich dann militärische Sperrgebiete mit vereinzelnden Resort- Anlagen ab. Wer auf die Idee kommt, dort eventuell sich für eine Nacht einzumieten, nimmt davon dankend Abstand, wenn er die Preise vernommen hat. In einer uns bekannten Resort- Anlage sollte ich Euro 340,- für eine Nacht bezahlen. Für Lokals ist es Euro 100,- billiger. Ich konnte mich aber nicht mehr als DEO- Angehöriger ausweisen. Dann lieber einen lauten Parkplatz. Bei der Einreise habe ich nach der Grenze ebenfalls auf einem Parkplatz genächtigt. Ich lasse das Aufstelldach geschlossen und schlafe unten. So ist der Lärm erträglich und ich hatte damals wie gestern eine ungestörte Nacht. Die Parkplätze werden hauptsächlich zum Ölwechsel missbraucht. So ist jeder Parkplatz mehr oder weniger mit Altöl und alten Ölfiltern kontaminiert. Manche sind deshalb unbenutzbar.

Ein Erlebnis ist noch erwähnenswert: Als ich mich gestern auf den Weg machte, fuhr ich noch am Super- Duper- Kaufhaus Carefour vorbei, um Frotteehandtücher aus bester, Ägyptischer Baumwolle zu kaufen. Nach dem Verstauen meiner Errungenschaften im Unimog auf dem Carefour- Parkplatz werfe ich noch einen Blick unter den Unimog, um nach der Befindlichkeit meines undichten Achsdichtrings zu schauen. Während ich in gebückter Haltung so schaue, fährt mich ein PKW an der Hüfte an. So heftig, dass ich einen Meter weit geflogen bin. Als ich mich leidlich aufgerappelt hatte, war der nette Autofahrer verschwunden. Es ist mir außer einem Bluterguss am Allerwertesten nichts passiert.

Die Fahrt von Kairo über Alexandria nach Salloum war für mich ereignislos. Es nervte die Endlosbaustelle von Kairo bis Alexandria. Es wird diese Strecke gerade mit großem Aufwand achtspurig ausgebaut mit zahlreichen im Bau befindlichen Brücken.

Ab Alexandria wurde ich bedauerlicherweise Zeuge von drei tödlichen Unfällen. Ein Suzuki Microbus ist etwa fünf Autos vor mir ungebremst in einen stehenden LKW geknallt. Es war sofort Aufruhr und unzählige Helfer behinderten die Polizei, die erstaunlicherweise sofort zur Stelle war. Alle Insassen lagen tot am Straßenrand, als ich an der Unfallstelle vorbei fuhr. Auf der Straße nach Mersa Matrouh passierte ich zwei kurz vor mir umgestürzte LKW. Nach dem Zustand der Fahrerhäuser zu urteilen, haben das die Fahrer auch nicht überlebt. Unfallursache war in beiden Fällen ein geplatzter Reifen bei zu hoher Geschwindigkeit und gnadenloser Überladung. Der katastrophale Zustand dieser Strecke tut das Seine dazu. Nach solchen Erlebnissen fahre ich dann deutlich aufmerksamer. Die Polizeikontrollen haben Inflation. Auf der Strecke Alexandria- Salloum zählte ich vierzehn Kontrollen. Im Sommer 2008 waren das gerade mal vier feste Posten auf dieser Strecke. Ägypten zeigt sich nochmal zum Abschied von seiner besten Seite. Ich bin nun richtig froh, wenn ich morgen Vormittag Ägypten den Rücken kehre.

Ein paar Kilometer hinter Alexandria befreite an einer Tankstelle ein netter Arbeiter mit einem Dampfstrahler den Unimog vom Saharastaub. Das erledigte er unerwartet gründlich. Mein undichter Dichtring am Vorgelege vorn links hat beschlossen, wieder abzudichten. Der undichte Dichtring am Achsrohr vorn rechts suppt leider unverändert. Da es die Fahrsicherheit nicht beeinträchtigt, werde ich ihn lecken lassen und gelegentlich Achsöl nach füllen. Abgesehen davon schnurrt der Unimog in bewährter Weise. Erfreulicherweise hat die Wüste die Profilstollen der Michelin XZL- Reifen so gerundet, dass das nervige Singen und die Vibration ab 85 km/h auf Asphalt deutlich leiser sind. So höre ich seit längerer Zeit wieder den Motor bei höherer Geschwindigkeit.

Die Moschee ist nicht weit von meinem Standplatz entfernt. Ein guter Wecker morgen früh. Leider geht hier oben nicht mal das Mobile, geschweige denn das Internet.

 

 

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Sonntag, 9. Januar 2011 Kairo/ Maadi

 

Es ist 15:38 Kairoer Zeit und eben bekam ich eine SMS, dass meine Frau und meine Jüngste heil in Frankfurt gelandet sind. El Hamdulillah. Ich habe den heutigen Tag mit kleinen Besorgungen und dem Verpacken im Unimog verbracht. Morgen mache ich mich auf nach Libyen.

 

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