Ich war wieder mal von Deutschland nach Kairo auf dem Landweg unterwegs. Von meinem Wohnort Kolitzheim bis Kairo die schnellste Strecke über Libyen mit gefahrenen 5082km.
Ich bevorzuge immer den Landweg, wenn es möglich ist, denn Erlebnisse und Eindrücke werden "erfahren" und nicht "erflogen". Der Weg ist das Ziel.
Nachfolgend sind meine Erlebnisse und Eindrücke nieder geschrieben in der Reihenfolge von unten nach oben.
Viel Spass beim Lesen
Ich sitze im Unimog und warte sehnsüchtig auf meine Frau und meine Jüngste. Der Flieger hatte zwei Stunden Verspätung, aber sie sind eben gelandet. Wir haben gerade miteinander telefoniert. So wird es mit dem Weihnachten feiern wohl heute nichts mehr werden. Hautsache ist, dass sie wohlbehalten angekommen sind. El Hamdulillah.
Im Laufe der Nacht werden auch unsere weiteren Mitfahrer in Kairo eintreffen. Der Morgige Tag ist zum Akklimatisieren gedacht und für die letzten Vorbereitungen der Tour.
Meine anfängliche Euphorie in Kairo hat sich mit dem ganz normalen Wahnsinn in diese Metropole die vergangene Woche wieder auf ein normales Maß reduziert. Im täglichen Leben wird man dann doch mit der Kehrseite stark konfrontiert. Die herzliche Menschlichkeit ist eben nur die eine Seite der Medaille. Kairo wird in unseren Seelen eine extrem gespaltene Sache bleiben. Eine Hass-Liebe, die unlebbare Sehnsucht, die Droge des Exotischen und die Banalität des unglaublichen Drecks.
Ich fürchte, es war ein schwerer Fehler, in diese Stadt zu gehen. Ob unsere Seelen diesen Konflikt aus Anziehung und Abscheu je auflösen können, ist ungewiss.
Aber tiefschürfende Analyse hin oder her, Morgen beginnt die heiße Phase der Wüstentour und da ist Handeln angesagt. Bewegung ist Leben und Kairo erst mal Geschichte. Der Unimog scharrt mit den Michelin-Hufen und freut sich auf artgerechte Bewegung in der Wüste. Der Besitzer freut sich ebenso. Die Autos sind gepackt, Wasser und Diesel gebunkert und es muss nur noch wenig besorgt werden.
Übermorgen geht los. Yalla, yalla, lasst uns aufbrechen.
Kairo hat mich wieder. Seit meiner Ankunft am Samstag bin ich einem Wechselbad von Gefühlen ausgesetzt, die mit aller Macht über mich herein brechen.
ich sitze gerade in meinem Unimog und schreibe diesen Bericht emotional ziemlich aufgewühlt. Ich habe gestern unseren ehemaligen Arbeitsplatz, die DEO (Deutsche Evangelische Oberschule) und einige andere Stellen unseres Kairoer Lebens besucht. Ich wurde mit so herzlicher und echt gemeinter Wiedersehensfreude konfrontiert, dass mich das gerade etwas aus der emotionalen Bahn geworfen hat. Die Wiedersehensfreude von Menschen, mit denen wir eigentlich nur oberflächlich zu tun hatten, ist eine Erfahrung, die ich bisher nicht kennengelernt habe. Ich muss drüber schlafen und wieder zu meinem Gleichgewicht kommen. Was ist wichtiger, menschliche Zuwendung und Wärme oder funktionierender Sozialstaat? Noch funktionierender Sozialstaat. Wo ist meine Heimat? Was ist Heimat? Heimat ist, wo man von den Menschen aufgenommen wird.
Natürlich nehme ich auch die Kehrseite wahr. Der Verkehr ist spürbar schlimmer geworden. Die Polizeipräsenz im Land ist stärker, als im Frühjahr und alle früher wahrgenommenen Missstände haben sich nicht geändert. Die Luftverschmutzung macht die Menschen nach wie vor krank und die unzähligen Fliegen sind lästig wie immer. Arrogante, unangenehme Menschen gibt es auch in Kairo, wie überall auf der Welt.
Es ist eine Frage der Gewichtung aller Eindrücke, wie wohl man sich an einem Platz fühlt.
Die letzten zwei Tage habe ich mit Schreiben, Besuchen und der Restwartung am Unimog verbracht. Arbeiten, für die es mir in Deutschland zu kalt war.
Natürlich wurde der Unimog auch wieder gewaschen, nach dem er bei der Wasserschlacht in Tripolis schlimm verdreckt war. An der Tankstelle meines Vertrauens in Dokki wurde der Unimog wieder von oben bis unten mehrmals eingeschäumt und gewienert, dass ich schon Angst um meinen Lack bekam. Jetzt glänzt er wieder wie neu. Auch hier war die Wiedersehensfreude groß, was nicht zuletzt an meinen großzügigen Trinkgeldern in der Vergangenheit lag. ;-)
Unsere SIM-Karten für die Mobiles waren leider schon nach drei Monaten abgelaufen. Man bekommt aber für EP 14,- (2,- Euro) eine neue SIM-Karte. Leider damit auch eine neue Nummer.
Sehr erfreut war ich über Etisalat, eine arabische Telefongesellschaft. Von ihr hatte ich einen Prepaid UMTS-Stick für das Internet. Der war natürlich auch abgelaufen. Man verlängerte mir die Laufzeit unentgeltlich um zwei Monate. Das ist echter Service.
Als mein Anschluss an die weite Welt wieder hergestellt war, konnte ich loslegen und alle Berichte und Bilder über die Fahrt ins WWW stellen.
Die nächsten drei Tage bis zur Abfahrt werde ich mit den restlichen Vorbereitungen für die Tour verbringen. Es muss Wasser gefasst werden, Diesel getankt, die frischen Lebensmittel gekauft werden und das dritte Fahrzeug für unser Münchner Lehrerpaar muss geordert und ausgerüstet werden. Aber Alles schwaja, schwaja (arab. Immer mit der Ruhe), Stress hatte ich die letzte Zeit genug.
Am 24. Dezember, am Heiligen Abend kommt Petra mit Air Egypt gegen 20:00Uhr am Airport Kairo an. Inshallah, sofern der Schneefall in Deutschland uns keinen Strich durch die Reisepläne macht.
Nach dem Morgenkaffee sortierte ich erst mal das Chaos wieder, das die Zöllner bei der Durchsuchung des Unimogs angerichtet hatten. Ich kontrollierte nochmal die Papiere und legte meinen rechten Scheinwerfer trocken, bei dem in Tripolis Wasser eingedrungen war. Um 9:00 Uhr war ich unterwegs. Irgendwann auf der Strecke viel mir ein, dass ich kein einziges Pfund für die Maut an der Alexandria- Dessertroad mehr hatte. Eine Bank mit Geldautomat suchte ich in einigen Orten vergeblich. Ich versuchte mein Glück an einem Straßenrestaurant. Ein Ägypter erbarmte sich meiner und wollte mir 50 Pfund schenken. Ich beharrte darauf, dass er die zehn Euro dafür annahm. Das sind die angenehmen Seiten der Araber.
Irgendwo auf der Strecke an einem Bahnübergang geriet ich in eine Radarkontrolle. 110km/h sei ich gefahren, erklärte mir der sehr unangenehme Chefpolizist. Man zeigte mir das Foto vom Unimog, eine Messung konnte man nicht vorweisen. Glücklicherweise hatte ich eine Fahrtenschreiberscheibe eingelegt. Die holte ich aus dem Fahrtenschreiber und überzeugte den Polizisten, dass es nur 95km/h waren. Ich sei ein Truck und dürfte nur 80km/h fahren. Ich bestand darauf, ein Privatcar zu sein und die dürfen 100km/h fahren. Auf meiner Rochsa (Zulassungskarte) stehe aber Truck, meinte der Polizist. Dagegen konnte ich nicht argumentieren, da ich kein Arabisch lesen kann. Ich holte die Fotokopie meiner alten Rochsa vom Frühjahr. Da wusste ich, dass Privatcar drauf steht. Es gab ein längeres Palaver zwischen dem Chefpolizisten und dem Radarbediener auf Arabisch. Das Thema schien plötzlich vom Tisch zu sein, denn nun wollten sie den Feuerlöscher sehen. Als Truck müsse ich zwei haben. Ich erklärte ihn auf dem Weg zum Unimog, dass ich drei Feuerlöscher hätte. Nach dem der Polizist sich davon überzeugt hatte, bekam ich meinen Pass und die Rochsa wieder und durfte weiter fahren. Glück gehabt, Geschwindigkeitsübertretungen sind in Ägypten vergleichsweise teuer und ich nur mit 50 Pfund in der Tasche.
Nach dieser Großtat an Überzeugungsarbeit verlief die Fahrt bis Kairo ereignislos. Je näher ich Kairo kam, umso mehr Verkehr stellte sich ein. Zum langsamen Eingewöhnen. Die volle Ladung Kairoer Stadtverkehrs bekam ich auf der Haram- Road zur abendlichen Hauptverkehrszeit. Nach 15 Minuten Eingewöhnung fühlte ich mich wieder wie Zuhause. Ich arbeitete mich eine Stunde durch den Kairoer Abendverkehr, um jeden Quadratmeter Verkehrsfläche feilschend bis nach Maadi, das am anderen Ende der Stadt liegt und lief gegen 18:30 bei meinen Freunden ein.
El Hamdulillah. 5085km Orient hinter mir von Kolitzheim nach Kairo und nichts Ernsthaftes passiert. Allah war mir gnädig.
Die Nacht war leider nicht ruhig. Um 23:00 wachte ich auf, weil ein LKW direkt neben mir parkte und seinen Motor laufen ließ. Nach 20 Minuten raffte ich mich auf, zog mich an und suchte den Besitzer. Der saß gemütlich im Restaurant. Natürlich konnte ich mein Problem nicht transportieren. Warum Lärm beim Schlafen stört, verstand er nicht.
Ich verzog mich mit dem Unimog hinter das Haus. Dort rauschte die Brandung des Mittelmeers beträchtlich, aber immerhin besser, als Motorenlärm.
Diesmal war ich pünktlich um 7:00 fertig. Nach einem Cappuccino brachen wir auf zur zweiten Etappe. Ibrahim quälte ein schmerzender Backenzahn. Ich verabreichte ihm ein gut wirkendes Schmerzmittel. Ansonsten schlief Ibrahim meistens. Was sollte er auch sonst tun. Beifahren ist noch langweiliger, als fahren. Bei einem der Checkpoints wachte Ibrahim nicht auf. Ich winkte dem Polizisten her, drückte ihm die Deklaration in die Hand und zeigte ihm den schlafenden Ibrahim. Da lächelte er und winkte mich weiter. So spulte ich an diesem Tag ereignislose 850 km ab. In Ajdabiya, dem Ort, wo die Wüstenstrecke abzweigt, kauften wir noch etwas Wegezehrung ein. Im Laden neben dem Supermarkt gab es frisches Brot. Ich nahm zwei stück, wurde aber höflich und bestimmt am Zahlen gehindert. Das sei ein Gastgeschenk, übersetzte mir Ibrahim.
Der Sandwind, der und seit Sirte begleitete, entwickelte sich zum ausgewachsenen Sandsturm. Stellenweise konnte ich nur noch 60km/h fahren, weil die Sicht so schlecht war. Zwischen drin scheuchte uns ein plötzlich auftauchendes Polizei- Aufgebot von der Straße. Es folgten eine Menge Polizeifahrzeuge und mitten drin ein gepanzerter Bus mit einem Antennenwald auf dem Dach. Vielleicht saß da Gaddafi höchst persönlich drin. In jedem Fall ein ganz wichtiges, hohes Tier. Gegen 17:30, kurz vor der Grenze, tankte ich noch einmal einen Tank voll. Ibrahim erklärte mir, dass in Ägypten der Diesel extrem teuer sei, mehr als 50% teurer. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es für uns Europäer bei einem Dieselpreis um die 1,30 Euro unerheblich sei, ob der Sprit jetzt 9 Eurocent oder 13 Eurocent kostet.
Bis wir die Grenze erreichten, war es dunkel. Das Ausreise- Prozedere war schnell erledigt und ich steuerte auf die ägyptische Seite der Grenzstation zu.
In der Halle der polizeilichen Einreise ging das alles noch sehr freundlich. Ein Polizist sah mich in der Schlange der Ägypter und Libyer stehen, holte mich sofort raus und führte mich an der Schlange vorbei zum Schalter, wo sofort meine Passdaten in den Computer getippt wurden. Der Polizist am Rechner ließ mich wissen, dass ich 2008 und 2009 schon hier eingereist war. Respekt, dachte ich mir, das System scheint ja wirklich zu funktionieren.
Unerquicklicher wurde es beim Zoll. Ein Zöllner nahm sich meiner an. Hisham heiße er und er erledige alles. Leider beschränkte sich sein englischer Wortschatz auf etwa 10 Worte. Die Verständigung funktionierte also vorwiegend über die Gestensprache.
Es folgte das bekannte Prozedere mit dem Abpausen von Fahrgestellnummer und Motornummer, dem Kopieren von allen möglichen Formularen und meinen Papieren.
Eine Versicherung für zwei Monate, die ihren Namen nicht verdient, wurde abgeschlossen, Die ägyptischen Nummernschilder ausgehändigt und die Rochsa (Zulassungskarte) laminiert. Dabei schleifte er mich von einem Schalter zum anderen Büro und zurück. Ich habe nicht mitgezählt, aber es waren Viele. Über wurde ich einige EP los. Hier 100- EP, dort 50,- EP und plötzlich waren meine 100,-EP, die ich dabei hatte weg. Hisham erklärte mir, dass ich noch EP 350,- zahlen musste. Auf meine Frage, wofür wurde ich arabisch zugeschwallt. Der Kragenplatze mir dann, als ich EP 50,- Kopiergeld bezahlen sollte. Das sind umgerechnet 8,- Euro für fünf Kopien. Ich erklärte Hisham, dass ich bereits EP 1000,- gezahlt hätte, ich kein einziges Pfund mehr in der Tasche habe und auch nichts mehr bezahlen werde. Es half nicht, er schleppte mich zur Bank und ich sollte Euro tauschen. Die Bank hatte keine Pfunde mehr an diesem Abend. Das war mein Glück, denn nun waren plötzlich keine Gebühren mehr fällig.
So war ich dann glücklich nach zwei Stunden aus der Ägyptischen Grenzstation Salloum entlassen. Hisham wollte noch nach dem 10 Kilometer entfernten Ort Salloum mitgenommen werden. Als ich vor seinem Haus entließ, wollte er für seine Dienste EP 20,- Ich erklärte ihm nochmal, dass ich keine Pfunde mehr habe und dass er mir schon alles abgenommen hätte. An seiner sehr enttäuschten Reaktion konnte ich mir ausmalen, dass sämtliche Pfunde in anderen Taschen verschwunden sind und er nun leer ausging. Er tat mir richtig leid, weil auch er die ganze Arbeit geleistet hatte. Ich schenkte ihm fünf Euro und versprach ihm diese zurück zu wechseln, wenn ich im Januar ausreise. Das besserte seine Enttäuschung nicht.
Es war inzwischen 9:00 Uhr und ich fuhr noch 50km weiter über den ersten Checkpoint nach der Grenze. Dieses Mal wollten sie mir keine kostenpflichtige Polizeieskorte aufschwatzen.
Ich zog in Erwägung, nach Kairo durch zu fahren. Als ich mit Petra telefonierte, das Satellitentelefon funktionierte in Ägypten wieder, verbot mir das Petra. Da sind die Ehefrauen manchmal vernünftiger. Ich stellte mich einfach auf den nächsten Parkplatz. Beim schnellen Abendessen merkte ich dann selbst, dass ich eigentlich hundemüde war.
Die Nacht war vollkommen ruhig und ungestört. Zumindest habe ich durchgeschlafen bis 7:00 Uhr morgens.
Ibrahim klopfte viel zu früh an meiner Unimogtür. Das Problem war schnell ausgemacht, Libyen hat die Zeit eine Stunde früher. Bis ich dann fertig war, wurde es 7:45 Uhr und nicht 7:00 Uhr, libyscher Zeit, versteht sich.
Die Nacht war unerquicklich. Bei den Nachbarn kläffte die halbe Nacht ein Hund und gegen 3:00Uhr wurde aus dem Regen ein heftiges Gewitter mit starkem Wind, dem ich meinen Schlafdachstoff nur beunruhigt aussetzte. Es regnete nicht mehr, sondern es schüttete. Die Folge davon war Tripolis mit Land unter. Auch in Tripolis gibt es keine Straßenentwässerung. Die Folge davon war Heute Morgen, dass halb Tripolis unter Wasser stand. Nicht so kleine Pfützen, wie in Kairo, sondern ganze Straßen 30 ? 50cm tief. Der morgendliche Verkehr brach völlig zusammen. Wir brauchten zwei Stunden, um aus der Stadt zu kommen. Auf der Küstenstraße gab es häufig wieder Überschwemmungen, die mehr oder weniger große Staus auslösten. Der starke Regen hielt sich bis kurz vor Sirte. Es klarte kurz auf, um daraufhin in einen Sandsturm über zu gehen. Der begleitete uns bis zu unserem Nachtquartier und hält noch zur Stunde an. Erfreulicherweise kam der Wind aus Westen und schob den Unimog mächtig an. Für die gefahrenen 650 Kilometer heute brauchte ich nur 100 Liter Diesel. Das entspricht einem Verbrauch von 15 Litern auf 100km. Ein Spitzenwert. Ich wäre noch ein Stück weiter gefahren, aber die Touristenpolizei verbietet Nachtfahrten von Touristen.
An ein Übernachten im Freien ist bei dem Wind nicht zu denken. Also suchten wir Unterkunft in einem Straßen-Restaurant. Wir wurden auch schnell fündig. Ein Restaurant nach Ben Jawwad, vor dem viele LKW standen. In Europa ein Qualitäts-Indiz. Das Essen war mit LD 7,50 nicht richtig billig und das Huhn angebrannt. Es schmeckte aber nicht schlecht. Die Unterkunft für Ibrahim ist ein Raum mit fünf Matratzen. Es gibt eine Dusche und eine Toilette. Das ist im Essenspreis mit inbegriffen. Ich schlafe im Unimog vor dem Restaurant.
Beim Rangieren stellte sich ein Reiskocher wieder flugs hinter meinen Unimog in den toten Winkel, während ich einstieg. Die Folge war eine Beule in seinem Kofferraumdeckel. Ich hatte natürlich auch schon 10 Stunden Libyschen Verkehr unter erschwerten Bedingungen auf dem Buckel und entsprechend unaufmerksam. Es gab ein kurzes Palaver, der Geschädigte prüfte, ob die Klappe noch anstandslos auf und zu ging und damit war die Sache für ihn erledigt. Auch da sind die Libyer eher locker drauf. Ich war natürlich sehr erleichtert, hatte ich doch schon mit einer Menge Scherereien gerechnet.
So geht der zweite Tag in Libyen, El Hamdulillah, glücklich zu Ende und ich bin rechtschaffen Bett reif. Mal sehen, ob das eine ruhige Nacht wird.
Der Tag begann mit Regen. Nicht nur ein paar Tröpfchen, sondern richtiger Regen. Nach dem ich gefrühstückt und gepackt hatte, verließ ich gegen 8:30 El Marsa in Richtung Ras Ajdir, der Tunesisch-libyschen Grenzstation. Mein Frisch gewaschener Unimog war nach kurzer Zeit völlig verdreckt. Bis ich Ras Ajdir erreichte, musste ich vier Passkontrollen über mich ergehen lassen.
An der Tunesischen Grenzstation merkte ich beim Aussteigen, dass verflixt viel Wasser am Unimog tropfte. Mehr als der Regen hergab. Eine genauere Inaugenscheinnahme brachte Gewissheit, dass ein dicker Strahl Wasser innen aus dem Kühler schoss. Ich kümmerte mich erst mal um die Ausreise. Vielleicht lag es daran, dass ich nicht bei der Sache war, sondern bei meinem Kühler. Jedenfalls war ich nach einer Viertelstunde durch. Ein neues Erlebnis an dieser Grenze. Die 50 Meter bis zu den Libyern traute ich mich ohne Kühlwasser fahren. Es kam immer noch genug Wasser vom Himmel. Erfreulicherweise war Herr Asem Kalefa schon vor Ort. Wir begrüßten uns, ich erklärte ihm, dass ich ein technisches Problem habe, drückte im Pass und Carnet in die Hand und ließ ihn machen. Ich durfte sofort das Zollgelände verlassen und mir einen Platz für die Reparatur suchen. Das sind die Libyer sehr locker und entspannt.
Also Arbeitsanzug raus, die schmutzige Unterhose und das T-Shirt von gestern an und los ging?s. Nach dem ich erst mal den Ventilator ausgebaut hatte, war mir sofort klar, wie das Loch in den Kühler kam. An dem Viscolüfter hatte sich bei laufendem Motor das Bimetall gelöst, das den Viscolüfter steuert und durch die Drehzahl des Motors das Loch in den Kühler geschlagen.
Mein Kühlerbauer, der den Kühler erst im Oktober neu gemacht hatte und den ich erst im Verdacht hatte, war ausnahmsweise unschuldig. Da so ein Kühler Euro 600,- kostet, ist das besonders ärgerlich. Die sorgfältigste Arbeit beim Bauen eines Unimogs hilft nichts, wenn die Zulieferteile nichts taugen. Die Firma Behr hohl der Teufel.
Bei ausgebautem Kühler befreite ich den beschädigten Wasserkanal von den Kühllamellen, verschloss den Kanal oben und unten und verlötete die Verschlussstellen. Für eine wandelnde Werkstatt, wie mein Unimog kein ernsthaftes Problem. Anstelle des defekten Viscolüfters kam der originale Windflügel, den ich immer dabei habe, wieder zum Einsatz. Das Problem war also um 13:30 gelöst und ich völlig durchnässt, den es regnete immer noch ergiebig.
Nach dem ich mich trocken gelegt hatte, machte ich mich also die 60 km auf nach Zuara, dem Sitz der Firma Medusa. Natürlich fand ich das Büro nicht mehr. Anrufen klappte auch nicht, weil Libyen keinerlei Rouming-Abkommen mit den klassischen, deutschen Netzbetreibern hat. Ein freundlicher Internet-Shop-Betreiber rief Asem Kalefa an, erklärte ihm, wo ich bin und dass er mich abholt.
Asem fand mich schließlich auch und hatte meinen Führer dabei. Ibrahim ist ein netter, junger Kerl, Baujahr 87 der leider nur Englisch kann.
Asem besorgte mir eine SIM-Karte des libyschen Mobilnetzbetreibers, damit ich endlich auch in Libyen telefonieren kann. Es funktioniert. Ich habe schon mit Petra in Kolitzheim und mit Ägypten telefoniert. Bemerkenswerterweise kann ich in Libyen mit dem Satellitentelefon nicht anrufen. Das liegt an den Einschränkungen der Ökosim- Karte von Thuraya.
Wir fuhren am Nachmittag noch bis Tripoli, wo Ibrahim einen Onkel hat. Vor dessen Haus stehe ich nun mit dem Unimog und es regnet immer noch.
Wie früher erlebe ich die West- Libyer als ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Ein angenehmes Volk.
Morgen früh, ab 7:00 Uhr, wollen wir ordentlich Kilometer machen, denn es fehlt mir der heutige Tag, der mit 400km eingeplant war.
Natürlich bin ich nicht um 8:00 Uhr los gekommen. Es war glücklich 9:30 Uhr, als ich endlich auf der Straße war. Die Hauptverkehrsstraße an der Küste entlang meide ich gerne. Ich wähle wegen dem geringeren Verkehr immer die Route über Kairouan. Leider nimmt auch an dieser früher einsamen Strecke der Verkehr jährlich zu. Gefährlich macht die Landstraßen die Mischung aus altersschwachen Peugeot 404 Pickup und modernen Limousinen der Mittel bis Oberklasse, prähistorische, überladene Fiat und Berliet- Lkw und die gesamte Palette moderner LKW jenseits der 500PS.
Die daraus resultierenden, häufigen Überholmanöver erledigen die Tunesier ebenso angst- und schmerzfrei, wie die Ägypter, da es ja Allah?s Wille ist, ob es reicht oder nicht. Ich musste jedenfalls heute zweimal auf das meistens breite Bankett, um Kollisionen zu vermeiden. Allah hatte wieder alle Hände voll zu tun. Was dabei raus kommt, wenn Allah mal anderweitig involviert ist, kann man an bis zur Unkenntlichkeit zerknäulten Wracks gelegentlich am Straßenrand liegen sehen.
Abgesehen von diesem Kick fahre ich durch Tunesien gerne. Das Straßenbild ist die Mischung aus arabischem Flair und mediterranen Ambiente. Große Teile des Straßennetzes sind schattige Alleen und es werden ständig neue Bäume gepflanzt.
Tunesien ist inzwischen das sauberste, arabische Land, das ich kenne. Die Regierung unternimmt große Anstrengungen, das Land voran zu bringen. Gescheiter Weise setzt man auf Schulbildung. Es wurden die letzten zehn Jahren unglaublich viele Schulen gebaut. Es gibt aber leider auch Verlierer in der Gesellschaft. An der Berberischen Bevölkerung scheint der Aufschwung vorbei zu gehen. Die Berberkinder hüten am Vormittag nach wie vor Ziegen, anstatt in der Schule zu sitzen.
Die verkehrspolizeiliche Überwachung ist streng und die Tunesier haben hohen Respekt vor ihrer Polizei. Uns Touristen lassen sie seit etlichen Jahren in Ruhe. Das war nicht immer so. In den Achtzigern gab es regelmäßig, hauptsächlich auf der Strecke nach Algerien willkürlichen Ärger mit der Polizei. Die Tunesier sind in der Regel beleidigt, wenn man ihr schönes Land zum Transit in die Nachbarländer mißbraucht.
Der Unimog und ich haben also unbeschadet unsere bekannte Übernachtungsmöglichkeit vor der Grenze in einer Art Tunesischem Schullandheim am Strand von El Marsa 30km vor der Libyschen Grenze erreicht. El Hamdulillah.
Morgen versuche ich mich an einer weiteren Hürde dieser Strecke, die Tunesisch- Libysche Grenze Ras Ajdir. Allah sei mir gnädig.
Ich sitze unter dem vertrauten Orangenbaum am Camping in Nabeul, Tunesien und frühstücke mit frischem Baguette und Frühstücksei. Dieser Platz ist seit 32 Jahren der erste Anlaufpunkt in Tunesien nach dem Verlassen der Fähre. Neptun war mir gnädig und hat die Fähre auch dieses Mal nicht absaufen lassen.
Die Carthage kam gestern Nachmittag um 15:00 in Tunis an. 22 Stunden für diese Strecke ist schon bemerkenswert. Absolut rekordverdächtig ist, dass ich nach 20 Minuten das Hafengelände verlassen hatte, obwohl ich den Unimog neben den Zollformalitäten auch noch versichern musste. Da gab es Zeiten, wo dieses Prozedere 5 Stunden dauerte.
Meine langjährige Versicherungsgesellschaft hat mir Anfang des Jahres einfach Tunesien auf der grünen Auslandsversicherungskarte gestrichen. Das merkte ich erst, als ich wegen unserer neuen Schweinfurter Nummernschilder eine neue grüne Versicherungskarte brauchte. Da mit der Versicherung nicht zu reden war, kündigte ich diese zum Jahreswechsel. Für die Runterfahrt durch Tunesien musste ich mich nun an der Grenze kurzzeitversichern. Das schlug mit TD 30,- für eine Woche erträglich zu Buche. Negativ bemerkenswert ist, dass mich ein unangenehm feister Zöllner bei der Endkontrolle am Ausgang des Hafengeländes aufforderte, Euro 10,- zu zahlen. Auf meine erstaunte Frage wofür, winkte er mich missmutig weiter. Das sind neue Sitten in Tunesien.
Die Stadt Nabeul liegt 80km südöstlich von Tunis am Meer und ich erreichte es seit vielen Jahren das erste Mal wieder bei Tageslicht. Die Stadt wird von Jahr zu Jahr moderner mit einer beängstigten Geschwindigkeit. Ihren Flair konnte sie sich bis jetzt erhalten. Ich mag diese Stadt und ich bin gerne dort.
Nach dem ich mich gestern am Platz etabliert hatte, ließ ich den Tag ausklingen beim italienischen Restaurant Al Gusto, dass der Patron neben dem Hotel und Camping Jasmin seit drei Jahren betreibt. Ein vorzügliches Essen. Tunesisch- Italienische Mischung, aber ausgesprochen lecker. Ein Ratsch mit dem Patron ließ erkennen, dass er uns sehr wohl kennt und unser regelmäßiges Kommen über die Jahre registriert hat. Wir sind ja auch schwer zu übersehen. ;-)
Heute Morgen versuchte ich noch einen Ratsch mit dem Platzwart, der ebenfalls seit mindestens 32 Jahren dort arbeitet. Es geht im gesundheitlich wieder gut und er hat mich auch sofort erkannt. Leider geht da nicht viel außer Sympathiekundgebungen
Den Tag habe ich mit räumen und mit der Pflege des Unimog verbracht. Zuerst wurde der Unimog gewaschen, betankt und vom Streusalz befreit. Ich habe noch eine Stunde Teerspritzer aus Ägypten entfernt. Diesel kostet zurzeit TD 1,01 (Euro 0,66) was das Tanken in Tunesien auch nicht mehr richtig billig macht. Aber Libyen ist nicht mehr weit mit Euro 0,09 für den Liter Diesel.
Am Abend bei meinem Besuch im Restaurant Al Gusto hat mich der Patron zum Fisch ala Tunesien beschwatzt. Der war wirklich lecker, obwohl ich kein unbedingter Fische Fan bin.
Mit Vin Rouge TD 38,- (Euro 25,50) war das auch ein teurer Spaß. Man gönnt sich ja sonst nichts. ;-)
Jetzt geht es in die Kiste. Morgen wird ein harter Tag mit 550km Tunesischer Landstraße.
Allah sei mit mir.
Die letzten Jahre haben wir die Fähre nach Tunesien bei der italienischen Fährgesellschaft Grandi Navi Veloci gebucht mit einem 10% Preisvorteil.
Als zwischen meiner Recherche im Internet und dem Preis des Reisebüros meines Vertrauens ein Preisunterschied von Euro 100,- klaffte, habe ich mich schon gewundert, aber im Vorbereitungsstress versäumt, zu reklamieren.
Am Freitag schaue ich nochmal zufällig meine Tickets an, und stelle erstaunt fest, dass mein Reisebüro bei der tunesischen Gesellschaft ?Compagnie Tunisienne de Navigation? gebucht hat. Daher kommt auch der Preisunterschied.
Und so sitze ich nun überraschend auf der guten alten ?Carthage?, dem größten Schiff der Gesellschaft und von zahlreichen Überfahrten mir wohl vertraut.
Die Carthage ist ein relativ modernes Schiff aus dem Jahr 1999. Vor zwei Jahren wurden die Motoren erneuert. Das Schiff läuft nun 35Kn und ohne Rußfahne aus den Schornsteinen. Auch die Vibrationen vor allem im hinteren Schiffsbereich sind erheblich weniger. 2006 bekam die Carthage den ADAC- Preis für die beste Mittelmeer- Fähre. Für die Preisverleihung müssen Gründe maßgebend sein, die dem gemeinen Touristen verborgen bleiben. Anders kann ich mir den Preis nicht erklären.
Als ich also gestern am Hafen gegen 13:00 Uhr einlief und mich wie immer über die lausige Beschilderung zum Hafengelände genervt hatte, kam ich in der vierten Reihe auf dem Warteplatz zum Stehen. Das heißt, es war nichts los. Etwa 100 Fahrzeuge verschwanden gegen 16:00 im Schiffsbauch. Das entspricht einem Sechstel der Kapazität. Ausschließlich Tunesier aus Frankreich und Italien. Ich bin der einzige Tourist an Bord.
Die Carthage lief gegen 14:30 im Genueser Hafen ein. Es ist immer wieder ein sehenswertes Schauspiel, wie das riesige Schiff praktisch auf der Stelle im Hafenbecken wendet und rückwärts an der Anlegestelle ?einparkt?. Das Entladen der Carthage war schnell erledigt. Auf der Strecke Tunis-Genua waren noch weniger Fahrzeuge an Bord.
So fuhr die Fähre mit nur 20 Minuten Verspätung um 17:20 Uhr los. Das ist rekordverdächtig, üblich sind 2-3 Stunden. Wie jedes Jahr ist das Hafengelände völlig umgebaut und nichts ist so wie im Vorjahr. Die einzige Konstante ist die willkürliche Öffnungszeit des italienischen Schalters für die Ausreiseformalitäten. So stand ich mit ca. 400 Tunesiern rum und wartete, dass die Zeit vergeht, unter Beobachtung von etwa 20 Hafenpolizisten, die den Wartebereich sicherten und sehr militant und unfreundlich sich gebärdeten, hart an der Grenze der Diskriminierung.
Erfreulicherweise wurde ich wie Meistens am Anfang eingeschifft und im Bug der Fähre plaziert. Das heißt, ich fahre auch bei als einer der Ersten in Tunis vom Schiff. Die Carthage kann am Bug und im Heck beladen werden. Im Fahrzeugdeck einer Fähre, das etwa 6-7m hoch ist, können im Mittelbereich Zwischendecken für niedrige PKW hydraulisch herab gelassen werden. Im Bugbereich geht das nicht, deshalb kommen Fahrzeuge mit Überhöhe, wie unser Unimog im Bug zum Stehen. Mit dem Vorteil der frühen Ausschiffung. Ein nicht zu verachtender Zeitvorteil bei der langwierigen Prozedur der tunesischen Einreise.
Ich fuhr also als einer der ersten in den Schiffsbauch. Wie immer wurde ich von mindestens drei Einweisern mit völlig unterschiedlichen Gestikulierungen an den mir zustehenden Platz gelotst. Die Kunst dabei ist, aus dem unterschiedlichen Gewinke und Gepfeife einen Mittelwert zu bilden und in die Richtung mit der höchsten Wahrscheinlichkeit zu fahren. Natürlich unter der prozentualen Einbeziehung des Lamettas auf den Schultern der uniformierten Trillerpfeifen. Ein Gerangel gibt es fast immer über die unterschiedlichen Vorstellungen vom Abstand zum nächsten Fahrzeug. Durch die weiche Schraubenfederung des Unimog kann bei schwerer See und dem entsprechenden Schwanken des Unimogs schon mal ein Außenspiegel dran glauben. Die Einweiser versuchen instinktiv eng zu packen, auch wenn das Schiff nur zu einem Fünftel voll ist.
Nach dem der Konflikt ausgetragen war und der Unimog sicher stand, kümmerte ich mich um eine Kabine. Wegen der geringen Auslastung der Fähre konnte ich problemlos eine Vierbett- Innenkabine für mich alleine nach buchen. Ich hatte nur Schlafsessel geordert, um die Kosten der Überfahrt klein zu halten. Das war etwas unüberlegt. Aus Erfahrung sollte ich wissen, dass ein Schlafsessel nicht der Stoff für entspannte Nächte ist. Für einen Aufpreis von Euro 72,- für die Innenkabine für eine Nacht allerdings ein stolzer Obolus.
Ein Teil der Einreiseformalitäten wird bereits an Bord erledigt. Man füllt drei verschiedene Fiche (Formulare) aus. Im Prinzip steht auf jedem dasselbe. Man stellt sich dann in einer langen Schlange zuerst am Schalter der Polizei und dann am Schalter des Zolls an.
Am Polizeischalter stand ich 1,5 Stunden. Am Zoll ging es dann vergleichsweise schnell.
Der Polizist liest die Passdaten mit einem Passscanner in seinen Rechner, vergleicht die Daten mit denen auf dem Fiche, knallt seinen Stempel auf den Fiche und in den Pass und legt den Fiche in den Reisepass. Den will keiner mehr sehen und wird irgendwann weggeworfen. Der Vorteil dieses Prozedere ist, dass die langweilige Zeit während der Überfahrt vergeht und ausreichend Zeit zur Beobachtung der Menschen in Warteschlangen vorhanden ist. Ein unerschöpflicher Quell arabischer Mentalität und tunesischen Sozialverhaltens. Das übrigens vorbildlich war. Jeder half jedem und mir wurde mehrmals angeboten, die Warteschlange zu überspringen. Das ist aber gegen meine Vorstellung von der Gleichbehandlung aller Menschen. Leider versiegt die Kommunikation immer viel zu schnell an meinem Unvermögen, mich sinnvoll in Französisch oder Arabisch zu artikulieren. Ich bin leider ein Fremdsprachen- Krüppel. Allerdings erfreut auch die Tunesier meine paar Brocken arabisch und öffnet die Herzen.
Erfreulicherweise lag meine Kabine so, dass ich mir die Position im Schiff leicht einprägen konnte, ohne ständig herum zu irren auf der Suche nach dem richtigen Gang im wirklich sehr großen Schiff. Die Kabinen sind verteilt über vier Decks und unzähligen Gängen.
Eine Innenkabine hat den Nachteil, dass kein Tageslicht herein kann. Es ist also immer Nacht in der Kabine. So hätte ich heute Morgen beinahe das Frühstück versäumt. Nach einer Inaugenscheinnahme des Selbigen wäre das kein großer Verlust gewesen. Ich nahm Abstand, das Gebotene zu mir zu nehmen und verpflegte mich in der Cafeteria mit einem Croissant und einem Cappuccino. Im Gegensatz zum Frühstück war das Abendessen Gestern gut und nicht teuer.
Wir fahren zurzeit auf der Höhe von Sizilien. Dort ist das Mittelmeer erfahrungsgemäß eher rau. Es ist zwar schönes Wetter, aber starker Seegang mit seitlichem Wellengang. Manche Wellen schlagen mit großer Wucht an die Seite des Schiffs, das darauf beängstigend erzittert. Es wird wieder wenig los sein mittags im Restaurant.
Ich sitze im großen Salon des Schiffes auf Deck 9. Dort kann ich zum Schreiben vernünftig sitzen und habe eine Steckdose für den Laptop. Dieser Salon ist auch meinen Kindern wohl bekannt als Areal zum Toben. Heute ist es vergleichsweise ruhig. Es sind auch wenig Familien auf dem Schiff. Zu den Ferienzeiten ist das ganz anders. Da schreit, krakelt und lärmt eine große Kinderschar durch das Schiff, flankiert von überforderten, tunesischen Müttern, die keine Grenzen setzen und sich vor Allem bei ihren Söhnen nicht durchsetzen können.
Es ist 12:15 und ich werde mich mal dem Restaurant nähern.
Nun hat es doch noch geklappt mit Bella Italia. Die Sonne scheint bei 15°C, ich stehe preiswert (Euro 17,- die Nacht) auf dem Camping La Vesima 2km vor Arenzano.
Am Mittwochmorgen gegen 8:00Uhr startete ich bei schönem Wetter von München.
Es war mal wieder einer der überraschend sonnigen Tage wegen starkem Fön-Wind.
Ich hoffe mal beim Packen nichts vergessen zu haben. Vorsichtshalber wählte ich die Route über Kufstein. Das kostet zwar mächtig Autobahngebühr in Österreich, ist aber im Winter die sichere Route. Über den Zirler Berg, unsere übliche Strecke, kann es bei überraschendem Schneefall wegen der extremen Steigung schnell gefährlich werden mit dem Unimog. Leider änderte sich das Wetter wie schon oft am Brenner. Während auf der Österreichischen Seite des Brennertunnels noch die Sonne scheinte, regnete es auf der Italienischen Seite. Das änderte sich den ganzen Tag nicht bis kurz vor Genua. Also zwar Italia, aber ohne Bella. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die Autobahnabzweigung nach Piacenza verpasste und deshalb über Milano gefahren bin. Der Autobahnring um Milano im abendlichen Berufsverkehr hat was. Also war ich glücklich um 20:00 in Genua. In den Genueser Bergen schüttete es noch mal kräftig. Der regen hörte aber Allahseidank kurz vor Genua auf. Nach einer halben Stunde hatte ich den Camping, den ich mir im Internet gesucht hatte, erreicht.
Tor zu, alles dunkel und keine Menschenseele zu sehen. Das fand ich besonders ärgerlich, da am Tor stand, dass der Platz bis 21:00 Uhr geöffnet ist.
Frustriert setzte ich mich wieder in den Unimog und fuhr weiter Richtung Arenzano. Ein nettes Örtchen mit vielen Restaurants. Keine Chance auf einen Parkplatz ergab sich in diesem Ort. Nach mehrmaligem Abfahren der Haupt- und Nebenstraßen gab ich mein Ansinnen, Essen zu gehen auf. Am Ortsausgang entdeckte ich dann glücklicherweise einen Parkplatz direkt neben der Hauptstraße. Ich verdunkelte den Unimog, schob mir eine Dose Texas-Feuertopf rein und legte mich schlafen. Erstaunlicherweise schlief ich durch trotz erheblichem Straßenlärm und die Carabinieri haben mich auch verschont.
Am Morgen wurde der lärm so groß, dass ich schon um 8:00Uhr aus den Federn war.
Ich packte den Unimog fahrbereit und marschierte den Kilometer in den Ort. An der schönsten Bar leistete ich mir ein Croissant und den besten Cappuccino seit Jahren.
Mit einem Frühstück im Bauch versuchte ich mein Glück erneut am Camping. Nun erfolgreich für einen akzeptablen Preis. Der Platz ist zum Warten auf die Fähre ganz nett. Urlaub würde ich dort nicht machen.
Jetzt werde ich erst mal ausgiebig duschen und dann den Unimog fertig packen. Ich habe in München nur noch Alles rein gestopft, weil es so kalt war.
Als ich nach dem Frühstück etwas Obst kaufte, hörte ich beim Juwelier nebenan zwei Männer etwas reden über Deutscher, Unimog und Camping.
Der Obstverkäufer, der leidlich deutsch konnte, machte mir klar, dass ich inzwischen ortsbekannt sei als der Deutsche, der an der Straße mit seinem Unimog übernachtete und nun auf dem Campingplatz steht. Als ich am Abend im einzigen offenen Restaurante Essen war, bestätigte man mir, dass ich das Dorfereignis des Mittwochs bin. Das liegt wahrscheinlich an der unscheinbaren Erscheinung meines Unimogs. Bella Maccina, wie die Italiener begeistert rufen. ;-)
Ich sitze nun im gepackten Unimog Bei einer Tasse "Heiße Liebe" mit Honig und etwas Ouzo vor meiner Werkstatt in München-Trudering. Weil meine Frau in Kolitzheim sitzt, muss ich mich dergestalt trösten. Das Ende einer unangenehmen Packerei bei Minusgraden und meistens Schneefall geht zu ende. Am Montag bin ich bei Schneetreiben und ab Nürnberg bei geschlossener Schneedecke nach München gefahren. Mit meinen alten glatten Sandreifen war das richtig aufregend und ein echtes Abenteuer. In München war es dann Allahseidank wärmer und es regnete nur noch. Ich wechselte bei strömenden Regen die Reifen und kümmerte mich um das eine und andere Zipperlein meines Unimogs. Nach zwei Jahren hartem Einsatz in Kairo und auf zahlreichen Touren in die Wüste brauchte der arme Unimog doch mal etwas Zuwendung in Form von Wartung. Am Abend war ich fix und fertig. Ich fürchte, ich werde langsam zu alt für solche Wahnsinnsaktionen. Kurzum, ich hatte dieses Mal an der Vorbereitung keinen richtigen Spaß. Es war einfach ein zu ekelhaftes Wetter.
Weil dieses Mal sechs Leute verpflegt werden müssen, muss Einiges an der Infrastruktur anders geregelt werden. Vom Geschirr über Tisch und Stuhl bis zu der größeren Menge an Lebensmitteln. Die Ausrüstungsarbeit ist immer die Selbe, ob man nur 2 Wochen fährt, oder ein halbes Jahr.
Morgen geht es nach Bella Italia. Laut Wetterbericht ist der Mittwoch der letzte milde Tag ohne Schneefall. Und über die Alpen bei Schnee ist mir mit dem Unimog zu gefährlich. Sandreifen sind nun mal keine Winterreifen. Ich suche mir einen schönen Campingplatz in der Nähe von Genua und packe nochmal ordentlich und in Ruhe den Unimog bei milderen Temperaturen, bis am Samstag meine Fähre nach Tunis geht.