Wenn Muslime am Freitag, den 27. November 2009, zum Abschluss der diesjährigen Pilgerfahrt nach Mekka mit der rituellen Schlachtung (Schächtung) von Schafen, Ziegen oder Kamelen ihr wichtigstes Fest, das so genannte Opferfest (arabisch Id al-Adha), begehen, erinnern sie sich vor allem an die im Koran als vorbildlich beschriebene Hingabe Abrahams und Ismaels (Isaak, in der jüdischen Tradition) und ihre Bereitschaft zum absoluten Gehorsam gegenüber Gott.
Für uns Ungläubige heißt das fünf Tage Ferien an der DEO (Deutsche Evangelische Oberschule Kairo).
Diese Tage nutzen wir, wie immer für eine Tour in die Ägyptische Wüste. Dieses Mal haben wir die Region um das Wadi Rayan ausgesucht. Das Wadi Rayan liegt südlich der Oase Fayum.
Auch dieses Mal fuhren wir zusammen mit einem befreundeten Lehrer- Ehepaar. Ausgerüstet mit kulinarischen Leckerbissen, und was der Mensch sonst noch meint, zu brauchen. Die Kinderschar war diesmal von fünf auf drei Kinder reduziert, weil meine beiden Älteren pubertätsbedingt gerade keinen ?Bock? auf Wüste haben.
Wir fuhren also am Donnerstag gegen Mittag Richtung Baharia- Oasen auf der Oasenstraße. Nach etwa 130km bogen wir südlich ab. Querfeldein zum Jebel Quatane. Das ist ein mehrstufiger Plateauabbruch mit grandiosen Aussichten. Die Gegend hat etwas ?Grand Canyon Flair?. Hier legten wir unseren ersten Nachtplatz ein. Weiter ging es in Richtung Wadi Rayan über den Garet Gahannam bis zum Plateau Minqar el Ruwayan. Hier fanden wir einen schönen Taleinschnitt für die zweite Nacht. Mit der Überquerung und südlichen Umfahrung des Plateaus Manaqir el Ruwayan erreichten wir das Dünengebiet Beni Suef am südlichen Rand. Nach einem kurzen Abstecher in die Dünen nächtigten wir in denselben in Sichtweite des koptischen Klosters Deir Samweil. Eine Truppe von fünf Fahrzeugen, vermutlich Engländer passierte unseren Nachtplatz in der Nähe. Ein Fahrzeug ging offenbar verloren, denn einer der Fahrzeuge kann so nahe dass wir auf der Düne sitzend von der Besatzung gefragt wurden: ? Haye you seen David?? Wir hatten ihn nicht gesehen. Wer immer David sein mochte. Am nächsten morgen sahen wir den Nachtplatz der Truppe und Dave war offensichtlich gefunden. Es waren wieder fünf Fahrzeuge. Der Leichtsinn mancher Offroader ist unglaublich.
Am nächsten Tag schwebten wir zwischen den Reihendünen über sanfte Sandhügel. Nach dem mehrmaligen Hinweis meines Mitfahrers, dass er gerne mal richtig Dünen fahren wollte, entschloss ich mich zur Querung einiger Dünenzüge im direkten Weg. Das lag sowieso in unserer geplanten Richtung. Da ging es dann gut zur Sache mit einigen, mittelschweren Abfahrten auf der weichen Dünenseite. Mein Mitfahrer meisterte es souverän und war zufrieden.
Wir erreichten den westlichen Rand des Beni Suef und querten das Wadi Rayan, um am Südrand des Plateaus Minqar el Ruwayan die vierte und letzte Nacht zu verbringen. Am Morgen, Das war bei uns 11:00Uhr, trafen wir nach einigen Kilometern durch das Wadi Rayan auf die Asphaltstraße, die südlich um die Seen von Fayum führt. Hier kamen wir zügig auf die parallel zum Niltal verlaufende Straße von Asssyut.
Da wir in Maadi auf der östlichen Seite des Nils wohnen, wollte ich die Nilbrücke bei Heluan benützen. Die Querverbindung von der Asssyut- Straße zur westlichen Nilstraße verlief ganz anders, als auf der Karte und im Ort El Aiyat wurde es sehr arabisch mit der Straße. Das Stück Nilstraße, erst auf der westlichen Seite und dann auf der östlichen Seite ist ein Erlebnis. Es tummelt sich hier erheblich mehr auf der Fahrbahn an Taxis, Fußgängern, Rikschas, Esel, Fuhrwerke und vieles Anderes, als in Kairo- Stadt. Wer glaubt, Spurrillen zu kennen, erlebt auf der östlichen Nilstraße eine neue Dimension. Bis zu 40cm tief sind hier die Furchen durch die LKW- Reifen. Nach dem Industriegebiet Heluan wird die Nilstraße in Richtung Maadi etwas europäischer und links und rechts der Corniche bemüht man sich um parkähnliches Ambiente. So kamen wir schnell in das heimische Maadi mit einem kleinen Restabenteuer auf den Nilstraßen.
Wie immer eine ruhige, entspannte Tour mit wenig Fahrzeit, viel Spielzeit für die Kinder, Erholung für die Eltern und exzellenter Verpflegung. Wie man es vom Einemilliardesternehotel erwarten kann. ;-) Hamdulillah. Und trotzdem mit anspruchsvoller Streckenwahl. Die heimlichen Offroader wollen ja auch ihren Spaß haben.