Sinai, Ende September 2009

 

Nun sitzen wir am roten Meer und lassen uns die Herbstsonne auf den Pelz brennen. 36°C, 50% Luftfeuchte und ziemlich starker Wind, Wassertemperatur etwa 25°C. Wir haben ein lauschiges Plätzchen direkt am Meer an der Lodge Basata, in der Naehe von Ras el Burqa etwa 40km vor der israelischen Grenze.

Grund unseres einwoechigen Kurzurlaubs ist das glückliche Zusammenfallen des Zuckerfestes Eid am Ende des Ramadan und des Nationalfeiertags am 6. Oktober.

Ein Mitarbeiter der DEO hat uns zu dieser Tour durch den Sinai eingeladen. So sind wir, ein Mercedes G, ein Suzuki Maruti (410 in Aegypten montiert) und der Unimi durch den Sinai über das Katharinenkloster, einige schöne Taeler und Nachtplätze bis nach Basata gefahren.

Das war keine extreme Wüstenfahrt, sondern die Tour diente der Orientierung über die Verhältnisse im Sinai und dem Schnorcheln im roten Meer.

Die Fahrt durch die Vororte Kairos und an der Westküste des Sinai verlief eher ereignislos und ist ohne landschaftliche Höhepunkte.

 

Den Suezkanal querten wir durch den Ahmad Hamdi Tunnel nördlich von Suez. Die Westseite des Sinai passierten wir zügig. Unser Ziel war der zentrale Sinai und drei Badetage am Meer. Landschaftlich reizvoll wird es, wenn man auf Höhe von Ras Sharatib ins Landesinnere abbiegt. Auf guter Asphaltstrasse geht es in Richtung Katharienenkloster bis auf 1500 Höhenmeter. Die erste Nacht verbrachten wir im blue valley. Ein sehr schönes Tal mit kugelfoermigen Granitfelsen, die ein belgischer Kuenstler blau angepinselt hat. Über den Sinn einer solchen Aktion lässt sich vortrefflich streiten. Für mich ist es eine Verschandelung der Wüstenlandschaft.

 

Die Nacht verbrachten wir gut versteckt in einem kaum zugänglichen Tal und es war ausgesprochen frisch bei 8°C. Mal nicht der Führer der Truppe zu sein, hatte seinen Reiz, vor Allem deshalb, weil sich unser Groupleader als erfahrener Saharien entpuppte und an seiner Routenwahl und Nachtplatzsuche nichts auszusetzen war.

Im Katharienenkloster erwartete uns der befürchtete Touristenrummel, den man stoisch über sich ergehen lassen muss, wenn man dieses Highlight auch mal gesehen haben will. So bemühte ich mich redlich, aber vergeblich, ein paar Bilder ohne Menschenmassen zu machen. Sehr beeindruckend war der Rundgang durch die Ausstellung einiger Ikonen und Bücher aus der zweitgrössten, Bibliothek der christlichen Welt in diesem Kloster.

Durch eine Landschaft aus Felsen und Sand, die ich sehr liebe, ging es weiter Richtung rotes Meer teils auf Asphalt, teils Piste. Abseits der asphaltierten Strassen ist der Sinai eine Mischung aus weichem Sand und vielen Steinen. Sandige Passagen sind durch viele Vorreiter so zerfurcht, dass keine tragende Sandschicht mehr existiert. Wir sind eben nicht die Ersten auf dem Sinai. Das heisst also, Luft aus den Reifen und erhöhte Vorsicht wegen scharfkantiger Steine.

Eine wirklich schöne Wüstenlandschaft im Inneren des Sinai. Da waren wir nicht das letzte Mal.

Es gibt auch im Sinai die übliche Dichte der Polizeikontrollen. Die Farbe der Uniformen wechselt von Nato, Camouflage über blau zu weiss, je nach Polizei oder Truppenzugehoerigkeit. Einziger Unterschied zum restlichen Ägyten war, dass häufig die Paesse kontrolliert werden, wobei die kontrollierenden Staatsdiener meistens in Zivil rum laufen und selten die ägyptischen Visa in unseren vollgestempelten Pässen finden. Das wird aber diskret vertuscht und die Kontrolle ist erledigt. Man will ja keine Blöse zeigen. Abseits der asphaltierten Strassen trifft man höchst selten auf Nomaden in Pickubs, die uns ignorierten. Man ist dort völlig alleine ohne anderen Menschen zu begegnen.

In Basata ist es nun vorbei mit der angenehmen Kühle des Berglandes. Es wird noch richtig heiss, obwohl wir schon Anfang Oktober haben. Die erste Nacht konnten wir aber gut schlafen. Es weht doch ein relativ starker Wind auch in der Nacht. Der Wind kommt interessanterweise vom Land und nicht vom Meer.

Die Anlage Basata besteht aus einer Lodge, einigen festen Ferienhäusern und direkt am Meer einen Platz zum Zelten und einen Standplatz für Fahrzeuge. Die Anlage wird betrieben von einem ehemaligen Schüler der DEO. Für arabische Verhältnisse ist es sehr sauber und mit Liebe zum Detail gebaut. Der Besitzer versucht, nachhaltig und ökologisch zu wirtschaften.

Gestern Abend dinnierten wir in der Lodge mit Reis und Fisch. Das Essen war liebevoll zubereitet und der Fisch schmeckte nach einhelliger Aussage der Damenwelt ausgezeichnet. Ich für meinen Teil beschränkte mich auf Reis und Salat. Fisch ist nicht so meins.

Die Kinder schnorchelten im Riff und ich tat die zwei Tage im wesentlichen nichts ;-) .

Leider ist das Schnorcheln im Riff nicht ganz ungefährlich. Einige Riffbewohner sind sehr unangenehme Zeitgenossen, wenn man mit ihnen in Kontakt kommt. Also schnorchelte Petra als Wächter der kindlichen Unversehrtheit immer fleissig mit. Ich machte die Erfahrung, dass Bart und Taucherbrille nicht funktionieren. Die Brille lief mir innerhalb weniger Sekunden voll Wasser. Ergo, der Bart muss beim nächsten Badeurlaub ab. So blieb mir vorerst die Schönheit des Korallenriffs verborgen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Fuer die Rückfahrt wählten wir den schnellen Weg durch den zentralen Sinai. Abgesehen davon, dass der Suzuki Maruti 200km vor Kairo mit hässlichen Geräuschen aus dem Zahnriemenkasten aufgeben musste, verlief die Fahrt ereignislos. Der Maruti kam an das Abschleppseil. Dass der Mercedes G mit dem Suzuki Maruti am Haken die Berge immer noch schneller hoch fuhr, als der Unimog, war schon etwas frustrierend. Mit einigen Pausen und der Abschleppaktion waren wir doch acht Stunden unterwegs bis zur heimischen Behausung in Kairo, Dokki. Alles zusammen sind wir 1066km gefahren.

 

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