Tour Neujahr 2010

 

Silvester feierte die Familie zuhause in Maadi mit Freunden. Am 2. Januar machten sich die Eltern ohne Kinder auf den Weg. Nicht dass die Eltern das so wollten, aber die pubertierende Brut zog es vor lieber zuhause zu bleiben. Selbst die Jüngste setzte energisch bei den Eltern durch, auch die fünf Tage mit ihren älteren Geschwistern zu verbringen.

So machten Petra und ich uns alleine auf den Weg in die schöne Plateaulandschaft nördlich der Oase Fayum um den Qaret Gahannam. Dieser grandiose Plateauabbruch mit bis zu fünf Ebenen und 300m Höhenunterschied ist von Maadi aus nach 150km zu erreichen und liegt zwischen der nördlichen Oasenstraße und dem See von Fayum.

Vor rund 40 Millionen Jahren befand sich hier während des Eozäns rund zwei Millionen Jahre lang der Tethys-Ozean. Dann hoben tektonische Kräfte das Gelände an und das Meer wurde zurückgedrängt. Die Überreste der Meeresbewohner sind in Sedimenten eingebettet.

Wir hatten nicht vor viel zu fahren, eher mit Zeit in der Region etwas zu stöbern und wenn wir einen besonders schönen Platz finden, dort auch ein bis zwei Tage zu bleiben.

Viel lesen, viel schreiben und vor Allem viel miteinander reden. Bei Eltern mit drei Kindern und beide berufstätig bleibt die partnerschaftliche Kommunikation oft auf der Strecke. Der Kontakt mit der Brut war über unser Satellitenhandy jederzeit gewährleistet.

Der erste Tag war mit Packen, tanken und der Anfahrt voll ausgefüllt. Im Winter ist in Ägypten um 16:30Uhr Sonnenuntergang. Das heißt, es muss bis 16:00Uhr ein Nachtplatz gefunden worden sein.

Den ersten Nachtplatz wählten wir auch nach der Abfahrt über die erste Stufe des Abbruchs. Gegen meine sonstige Gewohnheit an einer einsichtigen Stelle. Das ist in Ägypten risikoarm zu machen, da die Wüste menschenleer ist. Auch bei dieser Tour begegnete uns keine Menschenseele.

Vorteil dieses exponierten Platzes war eine gewaltige Aussicht über alle Ebenen des Plateauabbruchs. Diese Aussicht hat schon Grand-Canyon-Qualität.

Hinzu kommt, dass der Unimi durch seine Lackierung von Sandbeige und Weinrot nur aus geringer Entfernung auszumachen ist, wenn er steht. Ich wähle dann noch gerne eine Stelle neben einem großen Stein. Mit diesem verschmilzt der Unimog zu einer kaum sichtbaren Einheit. Höchstens ein Lichtreflex einer spiegelnden Scheibe verrät dann noch den Standort.

Am nächsten Mittag zuckelten wir an den Plateauabbrüchen entlang. Das ist eine entspannende Fahrerei, da ich durch die geringe Geschwindigkeit auch mal in der Gegend herum schauen kann. Wir entdeckten dabei drei schöne Plätze. Infrage kam für und Platz eins und drei. Unsere erste Wahl, Platz drei war zu windig, also wählten wir um 15:00 Uhr Platz eins. Wieder an einer Plateaukante mit großartiger Aussicht, aber gut getarnt zwischen zwei großen Felsen. Hier richteten wir uns häuslich ein, um den nächsten Tag dort zu verbringen. Hier kam auch unser kurz vor Weihnachten erstandener Windschutz zum Einsatz.

Das Wetter ist zum diesjährigen Jahreswechsel ungewöhnlich mild. Tagsüber erreicht das Thermometer 27°C. Windgeschützt wird es richtig heiß in der Sonne.

Wir haben die Tage lange geschlafen, sehr gut gefrühstückt, ordentlich gewandert, viel miteinander geredet und exzellent zu Abend gegessen. Der Abwasch war ruckzuck erledigt für zwei Personen. Eine vergessene Erfahrung als Eltern dreier Kinder. Am vierten Tag bekam meine Frau Sehnsucht nach ihrer Brut und so fuhren wir am fünften Tag wieder nach Hause. Die Kinder haben diese fünf Tage alleine gut gemeistert. Sollte der/die Eine oder Andere Sehnsucht nach der Mama gehabt haben, würde er/sie das niemals zugeben.

Diese Tage waren sehr wichtig für die Eltern, um mal etwas Zeit für einander zu haben und Einiges zu besprechen und zu diskutieren. Und das in grandioser Landschaft bei frühlingshaften Temperaturen. Was will der Mensch mehr.

 

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