Die siegreiche, ägyptische Geschichte bescherte uns in Form des Sinai- Tages am vergangenen Sonntag ein langes Wochenende von drei Tagen. Das nützten wir zu einem Ausflug in das südliche Galäla- Massiv in der östlichen Wüste. Dort befinden sich die beiden sehr alten, christlichen Klöster des heiligen Antonius und des heiligen Paulus. Das Antoniuskloster ist am nördlichen Rand und das Pauluskloster am östlichen Rand des Galäla- Massivs. Unterwegs waren wir mit einem Lehrer der DEO, der bereits den Pfad zwischen den Klöstern gemeistert hat. Ein passionierter Bergsteiger mit einer Muskulatur und Kondition, vor der wir nur vor Neid erblassen können. So wie einst Antonius über das Plateau von einem Kloster zum anderen gewandert ist, die in der Luftlinie 25 km
voneinander entfernt sind, wandern auch heute sehr selten geübte Bergsteiger diesen vergessenen Pfad. Die Mönche benutzen den Weg schon lange nicht mehr und kennen ihn auch nicht. Sie mögen Asketen sein, doch sie fahren lieber mit dem Auto. Es gibt zwei Varianten. Die Eine direkt von Kloster zu Kloster, die Andere erst fünfzehn Kilometer am nördlichen Plateaurand entlang und dann direkt nach Süden durch das Wadi Rigbe. Die Bewältigung dieses Pfades war aber nicht unser Ziel, sondern einfach im Gebirge etwas wandern und uns mal bewegen. Vom Wandern kann eigentlich angesichts der unberührten Gebirge und der extrem steinigen Wadis (arab. Trockenfluß) keine Rede sein. Das sind schon ausgewachsene Bergtouren mit kleinen Klettereinlagen. Wir fuhren also am Freitag Vormittag über die Autobahn nach Ai Sukhna und über Zafarana Richtung Antoniuskloster. 15km nach Zafarana bogen wir von der Asphaltstraße ab in das Flussbett des Wadi Rigbe. Das Flussbett entwickelte sich zu einer extrem steinigen Angelegenheit an der Grenze des Fahrbaren unseres Unimogs und das heißt was. So quälten wir uns und den Unimog bis zum deutlich sichtbaren Taleinschnitt des Wadi Rigbe. Am Taleingang stießen wir auf eine Piste, die zu einem nahe gelegenen Steinbruch führte. Eine erfreuliche Entdeckung, da sie versprach, dass die Rückfahrt etwas kommoder ablaufen wird. Zu meiner Verwundung gab es keine Fahrzeugspuren in das Tal. So arbeiteten wir uns von Wasserrinne zu Wasserrinne mit immer wieder heftigen Ritten über große Steinanhäufungen. Dass die Unimogreifen das auch nur 10 Minuten aushalten, ist für mich ein ewiges Wunder der Reifenindustrie. Nach zwölf Kilometern war dann Schluss mit Fahren im Wadi. Wäre mein Leben daran gehangen, hätten wir noch zwei Kilometer mehr geschafft, aber wir wollten ja laufen und nicht fahren. Wir richteten den Unimog also stationär als Basislager ein. Unser Bergfex war nicht mehr zu bremsen und lief an diesem Nachmittag sofort die westliche Wand hoch und tauchte erst kurz vor der Dämmerung wieder auf. Wir richteten uns am Platz ein und Petra kümmerte sich um das Abendessen. Ich stellte fest, was wir alles vergessen haben. Es war nichts Wesentliches. Nach einer guten Stunde bekamen wir Besuch eines alten, runzeligen Ägypters mit Dromedar. Unser Versuch, etwas Kommunikation zustande zu bringen, scheiterte kläglich. So blieb es beim freundlichen Angrinsen und er zog weiter Talabwärts. Zumindest verstand er nichts von Petras Arabisch und Petra verstand nichts von seinem Arabisch. Die Nacht war kühl und ruhig, wie es in der Wüste sein muss. Bei etwa 600 Höhenmeter viel das Thermometer auf 13°C. Entsprechend erholsam war die Nacht. Morgens war unser Energiebündel schon vor dem Frühstück auf einem anderen Berg. Wir frühstückten wie immer gut und reichlich und brachen auf, das Wadi weiter zu erkunden. Wir folgten den alten Eselsweg zwischen den Klöstern. Wir hatten in der Aufbruchshektik unsere Rucksäcke vergessen. Also bot unser unermüdliche Partner sich an, das Wasser und den Kleinkram in seinen Rucksack zu nehmen. Wir nahmen das Angebot dankend an. Im Nachhinein hätten wir ihn nochmal 15kg Ballast aufbürden sollen, um einen einigermaßen realistischen Leistungsausgleich zu schaffen. Mit den hochauflösenden Google-Earth Ausdrucken hatten wir schon zuhause am Monitor den Pfad auf weite Strecken orten können. In der Praxis fanden wir uns deshalb gut zurecht. Der Pfad verlief häufig auf dem Plateau und nicht im Wadi. Zur Mittagspause entdeckte Petra ein Wasserloch. Bis auf die Moskitolarven war das Wasser sauber und klar. Nach vier Kilometern und drei gelaufenen Stunden kehrten wir um. Das war weise angesichts unserer schlechten Kondition. Den letzten Kilometer vor dem Unimog schleppte ich mich schon am Ende meiner Kräfte. Ich hatte den Unimog so gut an einem Felsen versteckt, dass wir tatsächlich an ihm vorbei liefen. Das merkten wir erst, als ich meine Unimogspur im Sand sah. Es war gegen 15:00Uhr und Petra und ich leckten unsere Wanderwunden. Unser unermüdlicher Partner machte noch eine Tour bis zum Abendessen. Im Einemilliardesternehotel zauberte Petra köstliche Schinkennudeln mit grünem Salat, was unser Wohlbefinden wieder deutlich steigerte. Um 19:30 waren wir so hundemüde, wie gefühlte 23:00Uhr. So waren wir sehr früh in der Kiste, bzw. im Schlafsack. Unser Lehrer schlief asketisch im Freien auf einer sehr kleinen, und dünnen Isomatte. Allen Versuchen meinerseits, ihm meine komfortable ThermaRest aufzuschwatzen, widerstand er mannhaft. Ein echter Asket schläft eben auf einem Nagelbrett, und sei es in Form von Wadi- Steinen. Am nächsten Morgen nach dem berühmten Unimurr- Frühstück erkundeten wir noch einen kleinen Canyon, unseren Muskelkater missachtend. Um 11:00 traten wir dann den Heimweg an. Die Steinbruch- Piste brachte uns, wie erwartet, schnell zur Asphaltstraße. Nach monotonen drei Stunden Autobahn liefen wir wohlbehalten in Maadi ein. Der GAU in der Wohnung, die drei Tage in Kinderhand war, hielt sich in Grenzen und so waren alle zufrieden mit dem Wochenende.