Unsere Weihnachtstour vom 25. Dezember bis 30. Dezember 2009 sollte eine gemütliche Tour mit den Kindern werden. Das ging mal wieder gründlich schief.
Unser Ziel war, das Plateau des südlichen Gebel el Galála von Nord nach Süd-Ost zu queren. Was als eine gemütliche Tour angedacht war, artete in einer Materialschlacht und wilder Offroadtour aus.
Auf dem Satellitenbild sah das Terrain sehr gut befahrbar aus. In der Praxis stellte sich das Unternehmen dann als undurchführbar heraus.
Wir fanden trotzdem wunderschöne Landschaften und großartige Canyons in dieser Region.
Meine abgebrühte Kinderschar las ihre zu Weihnachten bekommenen Bücher an den heftigen Stellen in aller Seelenruhe, während dem Vater der Angstschweiß auf der Stirn stand.
Als Einstieg wählten wir das Koptische Antonius-Kloster. Ich rechnete mir einen Durchstieg von einem südlich gelegenen Wadi unweit des Klosters. Von der anderen Seite aus dem Süden vom Paulus- Kloster her kamen wir im Frühjahr 2009 schon ziemlich weit.
Weil wir wieder mal erst um 12:00 Uhr in Maadi abgefahren sind, erreichten wir das Kloster nicht mehr bei Tageslicht. Wir suchten uns also den ersten Nachtplatz 45km vor der Klosteranlage in den Bergen. Das war an sich ein schöner Platz.
Als wir am nächsten Tag die Klosteranlage erreichten, entpuppte sich diese als abweisende, sehr wehrhaft angelegte Anlage mit einer Mauer umgeben, die eine Einfahrt in das Wadi unserer Wahl verhinderte. Alles in allem vermittelte das Kloster einen unwirtlichen Eindruck.
Wir gaben das Ansinnen auf und probierten etwas südlicher am Plateaurand einen Einstieg. Dazu fuhren wir in südwestlicher Richtung das Wadi Irkās entlang. Nach einem nervigen Gehoppel gegen die Fließrichtung des Wassers am Plateaurand entlang machten wir ein viel versprechendes Wadi aus.
In das Wadi führte ein Spurenbündel, dass allerdings schon eine Weile nicht mehr befahren war. Die Spuren kommen von wahrscheinlich von Kamelbesitzern, die gelegentlich ihre Tiere aus dem fruchtbaren Wadi holen. Dieses Wadi El Abeid ist ein sehr schönes, canyonartiges Tal, das typisch für die Region ist. War das Wadi am Anfang sehr zügig zu befahren, wurde es bald deutlich mühseliger bei den ersten Anhäufungen großer Steine, die das Wadi in regelmäßigen Abständen blockierten. Diese Barrieren waren für den Unimog noch relativ leicht zu meistern. Es wechselten sich gut befahrbare Abschnitte mit immer häufiger auftretenden ?Stromschnellen? in Form immer größerer Steine ab. Die Letzte dieser Stellen verhinderte eine Weiterfahrt der kleinen Geländewagen und nach deren Überwindung betrat unser Unimog bisher unbefahrenes Terrain. Nach zwei weitern, steinernen ?Talsperren? gaben wir auch auf. Wenn unser Leben dran gehangen hätte, diese Stelle zu überwinden, hätte der Unimog diese Stelle auch noch geschafft. Es war aber nach dem Studium der Karten und der Satellitenbilder ziemlich sicher, dass der Canyon kein befahrbares Ende hat. Wir übernachteten an dieser Stelle und machten uns am nächsten Morgen auf den Rückweg. Bei einer der heftigen Steinedurchfahrten wurde es selbst unserm schmalen Unimog zu eng und ich habe das rechte Trittbrett verbogen. Wegen der grandiosen Landschaft hat sich Befahren des Wadis trotzdem in jedem Fall gelohnt. Nach diesem Misserfolg suchten wir weiter in Südwestlicher Richtung.
10km weiter fanden wir ein neues Spurenbündel, dass vor langer Zeit viel befahren war. Es führte ebenfalls an den Plateaurand und nach einem heftigen Anstieg erreichten wir das Hochtal des Wadi Abu Karaga. Das waren zwar nur 50 Höhenmeter. Die waren aber sandverweht und ungewöhnlich steil. Nur mit Panikluftdruck von 0,5Bar in den Reifen schafften wir diesen Anstieg.
Das Hochtal des Wadi Abu Karaga erstreckt sich ebenfalls in südwestlicher Richtung. Das querten wir in südöstlicher Richtung. Das Wadi war gut zu befahren mit streckenweise bizarrem, völlig glattem Untergrund, auf dem locker verteilt, einzelne Steine lagen. Das sah sehr nach Mondlandschaft aus. Je näher wir der zweiten Plateau-Ebene kamen, wurde der Untergrund so steinig, dass mir die Unimogreifen leid taten.
Das Hochtal des Wadi Abu Karaga hatte etwa 30km in der Breite. Auf halber Strecke trafen wir auf ein dünnes, sehr altes Spurenbündel. Dem folgten wir bis zur östlichen, zweiten Plateaukante. Die Spuren führten in einem Einschnitt auf das Plateau. Auch dieser Anstieg auf die zweite Plateauebene war lang, weich und steil. Es eröffnete sich uns aber bald ein Blick in ein traumhaftes Tal. Dort führten auch die Spuren an einer angewehten Düne hinunter. Die war mittelsteil. Ich überlegte schon eine Weile, ob ich da wieder hoch komme. Diese Überlegung war auch gerechtfertigt, wie sich später zeigte. Von hier oben machten wir auch schon den Wunschplatz für die Übernachtung aus. Risikofreudig, wie wir nun mal sind, schwebten wir also die Düne hinunter und erkundeten das Tal. Es gab drei mögliche Varianten zur Weiterfahrt. Bei der dritten Variante fuhr ich den Unimog erstmal im Weichsand fest und bedauerte wieder mal die fehlende Reifendruckregelanlage. Es war bereits 16:00 Uhr und wir steuerten den schönsten Nachtplatz dieser Tour an. In dieser Nacht und am frühen Morgen tummelte sich einiges bekannte und unbekannte Getier um den Unimog. Die Wüste lebt, dachte ich mir, während die Krähen die heilige Stille missachteten.
Die heilige Stille wurde auch gestört von Jets, die im Abstand von 15 Minuten über uns Richtung Hurgada International- Airport im Landeanflug flogen. Gottlob noch hoch genug, dass es auszuhalten war.
Am nächsten Mittag, wir haben es die ganze Woche nicht geschafft, vor 12:00 Uhr los zu kommen, wählten wir das größte Tal mit den dicksten Spuren zur Weiterfahrt. Da war nach 10 km Schluss mit Weiterfahren. Also zurück und die nächste Möglichkeit probiert. Alle drei Canyons waren Fehlanzeige und wir kamen nicht weiter. Schließlich entdeckten wir Spuren an einem steilen Hang auf das Hochplateau. Ein weiterer Anstieg ohne Sand, aber deutlich steiler, brachte uns auf die höchste Ebene der Plateauschichtung. Dort oben auf 600 bis 750 Höhenmetern war der Untergrund mittelsteinig und sehr eintönig. Die Spuren waren sehr alt und offensichtlich von Touristikunternehmern, die diese Canyons wohl mal von oben gezeigt haben, angelegt worden. Wir hofften, einen weit sichtbaren Steinbruch zu erreichen, der eine trassierte Piste auf die andere Seite des Plateaus versprach. So fuhren wir den Spuren gute 20km nach in grober Richtung Osten nach. Manchmal waren die Engstellen von Canyon zu Canyon nur 10m breit und ich hatte beim Anblick von 50m Steilwand Links und Rechts kein wirklich gutes Gefühl. Allerdings erlaubte diese Strecke auch bemerkenswerte Aussichten. Dieses Abenteuer endete an einer Stelle, die ich ohne Not nicht riskiert habe, zu befahren. Danach waren die Spuren auch nur noch esoterisch wahrzunehmen. Zum Steinbruch wären es noch gute 10km Luftlinie gewesen. Also wieder Ende der Exkursion und Rückfahrt. Das letzte Stück mit einer neuen Variante. Wir nächtigten auf dem Hochplateau am Fuße einer Düne.
Am nächsten Mittag endete diese Spur mit einer Abfahrt ins schöne Tal unseres Starts. Also die angewehte Düne wieder rauf. Mein erster Versuch mit Pistenluftdruck in den Reifen endete kurz vor der Plateaukante kläglich. Also zurück, Luft in den Reifen auf 1 Bar raus und der Anstieg klappte reibungslos.
Nun umfuhren wir das Plateau großräumig in Richtung Südwest bis zur Asphaltstraße von Ras Gharib nach Beni Mazar.
Wir trafen nach etwa 50km auf eine Piste von einem Marmorsteinbruch. Dort herrschte reger LKW- Verkehr mit Tiefladern, die Marmorblöcke transportierten. Das geht nicht immer gut, wie zahlreiche Blöcke neben der Piste bezeugen. Die Piste war ätzend mit Wellblech in dem Abstand, dass der Unimog öfters mit allen Vieren einen Satz machte. Sehr nervig, die 30 km bis zum Asphalt. Diese Piste zog sich subjektiv elend lange dahin.
Nach dem wir die Asphaltstraße endlich erreicht hatten, war es auch schon wieder Zeit, einen Nachtplatz zu suchen. Wir wurden fündig im beginnenden Wadi El Tarfa. Mit sicherem Griff entdeckten wir ein Dieseldepot aus Fässern und Kanistern von etwa 500 Litern. Als ich am nächsten Morgen das Depot fotografieren wollte, waren die Fässer weg. Es gibt also offensichtlich auch in Ägypten Elemente, die Straßen und Tankstellen meiden müssen.
Wir machten uns wie immer mittags auf den Heimweg entlang dem roten Meer und ab Ain Sukhna in Richtung Kairo. Gegen 17:00 Uhr waren wir im heimischen Maadi und freuten uns auf eine Dusche.
Auch wenn wir unser Ziel nicht erreicht haben, waren die landschaftlichen Höhepunkte diese Reise wert.
Bilanz dieser Tour: spannend, heftig und wenig Erholungswert und elf mal fast die Pampersgrenze des Fahrers erreicht.
Gefahrene Kilometer: 987km
Verbrauch: 230 Liter, ergibt 23,3 L/100km:
3 L Ölverbrauch, 60 L Wasser, drei Packungen Haribo Gummibärchen, 5 Tafeln Ritter Sport, und 4 L Omar Hayan, Rotwein.
Größte Höhe: 750m
Schäden: Trittbrett rechts verbogen, Felge hinten links beschädigt, Wuchtgewichte hinten links verloren, eine Stolle am Reifen hinten rechts weg, Abwassereimer (hightech- Abwasseranlage) verloren.
Inshallah.