Tour Abu Muhariq + Dakhla

 

Auf dieser Tour wollten wir primär nördlich des Plateauabbruchs bei Dakhla stöbern. Mit uns unterwegs war eine Lehrerfamilie in bewährter Konstellation. Wir fuhren also am Freitag Vormittag bis zu unserer bekannten "Schlafdüne" 80km vor Baharia Oasis. Das ist unserer erster Übernachtungsplatz bei zahlreichen Touren in der Region. Unsere ?Schlafdüne? ist auch der Beginn der großen Düne Abu Muhariq, die sich 500km in Richtung Süd-Süd-Ost bis zur Oase Kargha erstreckt. An ihrer westlichen Seite machten wir uns nach der ersten Übernachtung auf in Richtung Süden, unserer Zielregion entgegen. Die ersten 50km der Abu Muhariq sind Reihendünen mittlerer Höhe mit vielen Plateaubergen durchsetzt. Eine schöne Gegend, aber gefährlich zu befahren. Die Dünenzüge sind durch die zahlreichen Berge unberechenbar und die nötigen Überquerungen der Dünen nichts für Anfänger. Allah begrüßte uns am ersten Tag mit 42°C im Schatten und wir befürchteten heiße Tage. Er hatte ein Einsehen mit uns und am zweiten Tag kletterte das Thermometer nur noch auf 35°C. Nachts kühlte es auf 15°C ab und wir hatten angenehm, kühle Nächte.

Nach etwa 100km kann man normalerweise zügig am Fuß der Dünen entlang fahren. Die letzten Winde zauberten leider eine heftige Rippenkontur in den Sand. Das heißt bei uns Natur- Wellblech und es war nichts mit dem schnellen ?cruisen? auf glattem Sand. Wir quälten uns durch die Steine an rechten Rand der Abu Muhariq. Nach 160km verließen wir die große Düne Richtung Süd-Süd-West. Wir arbeiteten uns durch ein steiniges Terrain. Schön anzuschauen, aber anstrengend zu befahren. Nach 50km erreichten wir eine Reg-Ebene aus schwarzen Steinen. Auf den ersten Blick eben und verlockend zum schnellen darüber brausen. Das verhinderten die zahlreichen Rinnen, die natürlich immer quer zur Fahrtrichtung laufen. Der schwarze Untergrund, soweit das Auge reichte, erinnerte mich sehr an das Plateau du Fadnoun in Algerien. Man wird auf die Dauer schwermütig von der schwarzen Landschaft. Nach 40km änderte sich das Gelände schlagartig. Die schwarze Ebene endete an einer Bergkette von Ost nach West. Ein Umfahren war ohne größere Routenänderung nicht möglich. Der Einstieg in die Berge erforderte ein wenig Suche nach einem befahrbaren Anstieg. In den Bergen sank unser Mut wegen der Unbefahrbarkeit erst mal gegen Null. Es gab dann aber immer einen Pass oder ein Tal, dass es widererwarten weiter ging. Uns fiel nach kurzer Zeit auf, dass hier noch nie ein Auto gefahren war. Das änderte sich auch die nächsten 70km Luftlinie nicht. Die 70km Luftlinie waren tatsächlich gefahrene 180km. Wir mussten wie beim Segeln gegen den Wind ständig Täler befahren, die im Wesentlichen quer zu unserer Richtig liefen. So "kreuzten" wir durch diese traumhafte, unberührte Bergwelt. In der Nähe unseres Übernachtungsplatzes Nummer Vier in diesen Bergen endeckten wir einen ganzen Hügel aus reinem Kristall. Dagegen ist der Cristallmountain in der weißen Wüste ein armseliges Häuflein. Mit geschärftem Blick entdeckten wir noch viele solcher Berge. Mit der zunehmenden Durchquerung wurde der Untergrund immer steiniger und schwieriger zu befahren. Als ich schon ans Umkehren dachte, endete diese Bergwelt überraschend mit einem Plateauabbruch. Es folgte ein zweiter und ein dritter Plateauabbruch. Der Letzte führte etwa 200 Höhenmeter hinab auf eine sandige Ebene. Wir suchten eine Weile, bis wir einen befahrbaren Abstieg fanden. Der stellte sich ein in Form einer trassierten Piste. Es handelt sich vermutlich um eine Kamelpiste von Assyut. Dieses Pistenstück ist schon lange unbenutzt und war nur am Plateauabbruch zu orten. Für uns die einzige Möglichkeit, da runter zu kommen. Vom Plateau konnten wir auf eine weite, gelbe Fläche ohne Kontur blicken. Diese Fläche erreichten wir nach 10km und sie entpuppte sich als eine absolut ebene Sandfläche von 30km Breite. Hart und leicht zu befahren. Nach kurzer Zeit verloren wir jeden Bezug. Gelb, soweit das Auge reichte in jeder Richtung. Das ist ein beängstigendes Gefühl. Man sieht absolut keine Kontur am Boden. Der einzige Bezug ist der Horizont und das Brummen des Motors. Die Instrumente signalisieren ein Fahren nach Süd-West mit 60km/h, aber man kann es nicht sehen oder wahrnehmen.

Irgendwann nach unendlich lang empfundener Zeit tauchten am Horizont Bergspitzen auf. Auf die steuerten wir zu und fanden im Windschatten eines der Berge unseren fünften Nachtplatz.

Wir beabsichtigten, das Plateau westlich von Dakhla über den sogenannten "American Trail" herunter zu fahren. Das ist eine Route von Farafra nach Dakhla durch die Dünen. Dazu hielten wir uns nun nach West. Es folgte eine mühselige Fahrt durch hauptsächlich steiniges Gelände. Kurz vor der Piste durchquerten wir das sogenannte "Labyrint". Eine Ansammlung von Felsen mit verwehten Dünen dazwischen. Eine echte Herausforderung von 15km Luftlinie an Fahrer und Fahrzeug. Erschöpft erreichten wir den "American Trail" und erlebten die grandiose Abfahrt nach El Kashr. Auch diese Route ist schon seit Monaten nicht mehr befahren worden. Das wunderte uns sehr, da sie in allen Karten verzeichnet ist. Wir gönnten uns an diesem Abend ein Hotel. Nicht vergleichbar mit meinem Einemilliardesternehotel, aber unsere Mitfahrer waren froh darum. Sie haben eben kein Haus dabei und wir mussten nicht abspülen. Der Pool, auf den sich die Kinder schon zwei Tage freuten, war einfach zu kalt. So tat es dann die warme Dusche und alle waren wieder sauber und zufrieden. Am Morgen gab es ein kleines Scharmützel mit der Touristenpolizei, weil unser Mitfahrer leichtsinnigerweise von unserer Route erzählt hatte. Wir mussten schriftlich erklären, dass wir nicht mehr den Asphalt bis Kairo verlassen und dann konnten wir fahren. Es folgte die nervtötende Fahrt von 853km Asphalt von Dakhla über Farafra und Baharia nach Kairo. Das meisterten wir in drei Tagen mit einer Übernachtung in der weißen Wüste und im Hotel Hot Springs in Baharia. Kairo stimmte uns wieder ein mit der nachmittäglichen Rush-hour auf den Hauptverkehrsstraßen.

Kairo hat uns wieder. Hamdulillah

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Dimensionen, Die Düne Abu Muhariq

 

Unsere Schlafdüne ist weit mehr, als der erste Übernachtungsplatz auf dem Weg zur Superdüne Abu Mohariq. Deshalb hängt auch dieses Bild bei uns im Wohnzimmer. Dieser Platz ist ein Dimensionstor. Wenn wir am Morgen den Aufstieg vom Schlafplatz hoch gefahren sind und die Kuppe erreicht haben, die den Blick in die Anfänge der Dünenkette der Abu Muhariq freigibt, dann haben wir das Dimensionstor durchfahren und die "zivilisierte" Welt verlassen. Wir sind eingetreten in die archaische und fantastische Welt der Wüste ohne Netz und doppelten Boden, die Welt des Ausgeliefertsein und der 100% tigen Selbstverantwortung. Die Abu Muhariq macht Beklemmung, weil sie genau diese Einsicht übergroß in das Bewustsein hämmert. Ein auf das Existenzielle reduzieres Leben.

Das ist die wesentliche Erfahrung auf meinen drei fantastischen Touren in die Abu Mohariq, die ich hoffendlich an meine Mitfahrer weitergeben konnte.

 

Die Düne Abu Muhariq ist ein Dünenband in Ägypten, das sich über 500km von der Oase Baharia bis zur Oase Dakhla in Richtung Süd-Süd-Ost erstreckt. Das Dünenband erreicht eine Breite von bis zu 5km und eine Dünenhöhe von 300m. Die Abu Muhariq hat vor Allem im nördlichen Teil eine Ausstrahlung von Mächtigkeit und Gefahr, die selbst bei alten Wüstenhasen eine gewisse Beklemmung auslöst.

 

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