Tour Abu Mohariq und etwas weiße Wüste

 

Angeregt durch einen Kollegen wollten wir uns die große Düne Abu Mohariq anschauen.

Genauer benannt: Gard Abu Mohariq ist eine Reihendüne, die sich grob beschrieben von den Oasen Baharia bis Dakla in Richtung Süd, Südost ca 500km durch halb Ägypten erstreckt.

Die Osterferien von einer Woche an der DEO ermöglichten uns diese Tour. Bei genauerem Studium der Karten wurde ersichtlich, dass unsere bekannte und beliebte ?Schlafdüne? etwa 100km vor Baharia der Anfang der großen Gard Abu Mohariq ist.

Wir fuhren also am Freitag, den 17. April 2009 von Maadi, Kairo den bekannten Weg über die Oasenstraße Richtung Baharia bis zur ?Schlafdüne?, unserem ersten Übernachtungsplatz.

Unsere Suche nach Mitfahrern blieb erfolglos. Wir fuhren also alleine und waren nicht böse darum. Wir sind technisch gut ausgestattet und können auch von Überall Hilfe ordern, was hoffentlich, inshallah, niemals nötig werden wird.

Ich für meinen Teil, fahre ganz gerne mal alleine. Das tut dem Familienleben immer ganz gut. Die Kinder hätten aber gerne Mitfahrer dabei, damit es nicht so langweilig wird. Passt die Konstellation, wie mit unserem Lieblingsmitfahrer David, ist es immer ein Gewinn.

Wir fuhren also nach der ersten Übernachtung von unserer ?Schlafdüne? aus einfach Süd, Südost. Die Landschaft ist im nördlichen Teil der Gard Abu Mohariq ganz nach meinem Geschmack: Berge mit Sand dazwischen. Die Düne besteht aus mehreren Dünenzügen mit Tafelbergen dazwischen. Diese sehen manchmal aus, als wenn sie in der Mitte eingebrochen wären. Ebenfall entdeckten wir einen Berg, der aus 5 Kilometer Entfernung wie eine perfekte Pyramide aussah. Das Fahren in den Dünenzügen ist spannend, da eine klare windzugewannte oder windabgewannte Seite nicht klar auszumachen ist. Man fährt also locker auf verdichtetem Sand und ist plötzlich überraschend im Weichsand, ohne dass sich das Aussehen der Sandoberfläche geändert hätte. Probiert man es weiter seitlich, nach dem man sich aus dem Weichsand wieder heraus gewühlt hat, geht es nur 3m weiter wunderbar auf hartem Sand. Fährt man also innerhalb der Düne in den Dünengassen, wird es schnell anspruchsvoll und die Wahl der Strecke eine Herausforderung.

An einer besonders schwierigen Passage hätte ich meinen Unimog dieses Mal beinahe auf die Seite gelegt. Die Abfahrt war zu steil und zu lang für den Schlenker, denn wir um einen Felsen in der Düne machen mussten. Nur beherztes Gasgeben und viel Erfahrung über das Verhalten meines Mog?s verhinderten den Umsturz. Auf dem Video, das Petra von dieser Situation drehte, wirkt das wie immer, eher harmlos. Mir reichte der Adrenalinschub allerdings völlig für den Tag.

Mit dem ersten Tag unserer Exkursion hatten wir den ersten Hitzeeinbruch in Ägypten dieses Jahr. Das Thermometer kletterte bis auf 42°C im Schatten in der Mittagszeit. Das kam Überraschend und war erstmal gewöhnungsbedürftig.

Nach etwa 100km wird die Düne höher und nur noch am Rand links oder rechts befahrbar. Die Landschaft neben der Düne wird eintöniger. Wir suchten uns in einem nahe gelegenen Taleinschnitt den zweiten Nachtplatz. Das schöne, unberührte Wadi lag etwa 2km abseits der Düne.

Am nächsten Morgen fuhren wir auf der westlichen Seite auf lang gezogenen Sandfeldern zügig Richtung Süd-Südost zur Tropfsteinhöhle Djara. Da der Sand mittelweich war, kostete das viel Sprit. Spuren zur Orientierung findet man im Sand keine, wenn Tage vorher ein Sandsturm über das Land zog. Die Dünenbänder des Gard Abu Mohariq machen die Orientierung aber leicht.

In der Nähe der Tropfsteinhöhle Djara, die abseits der Düne Gard Abu Mohariq liegt, bilden sich zusehends Pisten heraus, die einem zuverlässig zur Tropfsteinhöhle führen.

Wäre die Höhle nicht gut markiert, würde man in 50m Entfernung einfach vorbei fahren. Es handelt sich um ein leicht zu übersehendes Loch, 5x5m im flachen Boden. Die Ausdehnung der Höhle kann man an der Absperrung mit Steinen am der Oberfläche ausmachen. Sehr beeindruckend und vor Allem kühl in der Höhle.

Details dazu spare ich mir hier. Die liest man besser in den einschlägigen Reiseführern.

Nach der Höhle beratschlagten wir die weitere Route. Richtung Nil setzt die Überquerung der Dünen der Abu Mohariq voraus, die mir an dieser Stelle zu hoch waren. Ich halte reines Dünenfahren bis heute für brandgefährlich und meine Risikobereitschaft ist in Dünen eher klein.

Also Richtung Farafra. Die gleiche Strecke zurück hatten wir keine Lust.

Zuerst musste aber ein Nachtplatz her. Das ist in der brettebenen Landschaft nicht so einfach. Wir fuhren dann einfach ein paar Kilometer abseits. Es ist einfach niemand in der Region. Der letzte Unternehmer war vor ca. 5 Tagen an der Höhle, was anhand der Fahrzeugspuren gut einzuschätzen war.

Am folgenden Tag führte der Weg westwärts. Zuerst der Touristenpiste nach. Die verloren wir immer wieder, wenn wir eine elegantere Passage fuhren. Die Unternehmer haben scheinbar Angst vor Sand. Die Piste führt nur über die Steine, auch wenn weite Sandfelder zur Verfügung stehen. Irgendwann schwenkt die Piste nach Nordost Richtung Baharia. Da wollten wir nicht hin, also fuhren wir weiter westwärts Querfeldein. Die Steine wurden wenige und ich konnte wunderbar sandige Wadi?s nutzen. Diese flossen natürlich nicht Ostwest, sondern in alle Richtungen, je nach Gefälle der Landschaft. So erinnerte mich mein Kurs eher an das Kreuzen gegen den Wind beim Segeln. Wir kamen trotzdem sehr flott voran und erreichten gegen Spätnachmittag den Plateauabbruch zum Tal der weißen Wüste. Da wollten wir eigentlich noch runter. An unserer Ankunftsstelle waren die hundert Höhenmeter des Plateaus aber so steil und schroff, das erstmal kein Weg nach unten führte. Man soll eine solche Aktion auch nicht erzwingen, wenn man müde ist vom Fahren eines ganzen Tages. Da passieren gerne Unfälle. Also gab es einen Nachtplatz mit Spagetti Bolognese und grandiosem Ausblick über das Tal der weißen Wüste.

Am nächsten Morgen war die Abstiegsstelle in Form eines Taleinschnittes mit einer angewehten Düne bis zur Plateauoberkante innerhalb einer halben Stunde gefunden und es ging unspektakulär ins Tal. Wir fuhren weiter Richtung Nord am Abbruch entlang, entdeckten einige, schöne Täler und sogar einen Brunnen, der leider kein Wasser mehr führte.

Die Fraktion der Kinder, die wie ihr wisst, bei den Murr?s die Stimmenmehrheit besitzt, setzte Baden durch. Zur Auswahl stand nur der Brunnen Ain El Serw südlich der weißen Wüste. Also zurück. Über die so genannte ?englische Piste? waren wir schnell wieder an den Pilzfelsen und versuchten zum zweiten Mal einen direkten Weg zum Brunnen zu finden.

Da hat Allah aber eine grausige Steinlandschaft dazwischen gestellt. Ein paar Spuren folgend, dachte ich eine Weile, eine Passage gefunden zu haben. Die Spuren verloren sich in den Felsen und so hoppelten wir zu wiederholtem Male durch reifenmordende Steinfelder. Nichts für kleine Hasenherzen, wie mich, angesichts meines geschlachteten Reifens vier Wochen vorher.

diese Tortur haben die Reifen ausgehalten, allerdings nicht ohne sichtbare Spuren an den Stollen.

Am frühen Nachmittag erreichten wir endlich den Brunnen Ain El Serw.

Petra korrigiert gerade meine Ausdrucksweise und meint: Wer immer erst um 11:00Uhr loskommt, erreicht immer erst am frühen Nachmittag das erste Etappenziel. 

Der Brunnen ist ein kleiner Hügel mit fünf Palmen drauf und etwas Gestrüpp mitten in einer sandigen Ebene. Warum gerade hier eine Quelle sprudelt, weiß nur Allah alleine.

An der Ostseite sind drei kleine, gemauerte Becken von 5m Durchmesser, die nachmittags im Schatten liegen. Wir hatten Glück und den Brunnen für uns ganz Alleine.

Es artete in einer Badeorgie der ganzen Familie aus. Das Wasser aus der Quelle hat übrigens einen excelenten Geschmack.

Zum Abend hin steuerten wir zum Nächtigen unseren bekannten Dünenzug an, in dem wir schon häufig übernachtet haben. Unweit unserer alten Nachtplätze campierten wir hinter der ersten Dünenreihe.

Für den kommenden Tag war die Fahrt nach Baharia geplant. Eine halbe Stunde nach unserem Aufbruch nervte Gläserklappern im Küchenkasten. Bei genauerer Inaugenscheinnahme war schnell klar, einer meiner heissgeliebten Edelstahltassen fehlte.

Diese beiden Edelstahltassen aus dem Hause Därr begleiten mich seit 1979 auf allen meinen Reisen und haben Kultstatus.

Es war schnell klar, dass ich die Tasse auf einem Reifen abgestellt hatte und der Küchenkastencheck vor der Abfahrt unterlassen wurde.

Nach einer heftigen Ehekrise über die Schuldfrage während der Rückfahrt zum Nachtplatz einigten wir und auf Teilschuld.

Dort angekommen lag die arme Tasse halb vergraben im Sand innerhalb der Unimogspur und hatte leider das Unimoggewicht nicht ganz ausgehalten. Zur Tassenöffnung hin ist sie nun etwas oval. Zur Strafe muss nun Petra aus der ovalen Tasse trinken.

Nach dieser Reiseeinlage ging es nun auf schöner Strecke durch den eher unbekannten Teil der weißen Wüste Richtung Nordwest, bis wir auf Höhe des Kristallfelsens die Asphaltstraße erreichten.

Von dort zog es sich mal wieder elend bis Baharia, das wir gegen 18:00 erreichten. Wir suchten das Hotel Hotspring von Peter Wirth auf, von dem wir Gutes gehört hatten. Die Hotelanlage ist wirklich eine Oase in der Oase. Peter Wirt ist ein unkomplizierter Mensch, der gerade heraus uns gleich unsere Wunschunterbringung anbot:

Stehen auf dem Parkplatz und Schlafen im Unimog, Strom, Baden in der heißen Quelle, Abendessen und Frühstück.

Der Preis war nicht billig, aber für die Gegenleistung völlig in Ordnung. Wir werden ihn noch öfters heimsuchen.

Am nächsten Tag wählten wir eine Route von Baharia, die auf einer alten Piste ostwärts unsere Spuren an der Düne Abu Mohariq kreuzen müsste. Wo die Asphaltstraße nach Baharia einen scharfen Schwenk von Ost nach Nord macht, geht diese Piste ab. Auf das Plateau hinauf war diese Piste gut trassiert. Sie verlor sich aber im weiteren Verlauf, so dass wieder eine Querfeldeinstrecke daraus wurde. Wir trafen am frühen Nachmittag auf die Düne Abu Mohariq. Anhand unserer Routenaufzeichnung war aber sichtbar, dass wir fünf Dünenzüge überqueren müssen um auf unsere Spuren zu treffen. Das haben wir sein gelassen und sind also westlicher nach Norden zu unserer Schlafdüne gefahren. Dieser Teil der Düne Abu Mohariq war der schwerste Teil dieser Tour. Durch viele, kleine Tafelberge sind die Dünenreihen unstrukturiert und das Überqueren an der weichen, wind abgewannten Seite machten diesen Nachmittag abenteuerlicher, als wir dachten.

Kurz bevor es dunkel wurde erreichten wir glücklich unsere Schlafdüne, die ja der Anfang der Düne Abu Mohariq ist.

Die Heimfahrt nach Kairo verlief dieses Mal ereignislos, worüber wir nicht böse waren.

 

 

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