Ein Plädoyer für das Leben und die Freiheit.

Stand 30.03.2010

 

Es gab in einem von mir besuchten Forum mal wieder eine Diskussion über das sichere Reisen in die Wüste. Dieser Satz ist an sich schon falsch. Es gibt keine Sicherheit in der Wüste und es hat sie noch nie gegeben. Die Wüste ist von den dortigen Staaten nicht kontrollierbar und es gibt keine Exekutive. Sie ist wie das offene Meer ein rechtsfreier Raum. Es kann mir dort jeder schaden, der das will, ohne zur Verantwortung gezogen zu werden und einige Fehler macht man in der Wüste nur einmal. Also muss ich selbst auf mich aufpassen, mich klug und umsichtig bewegen und notfalls auch selbst verteidigen. Das war von jeher meine Lebenseinstellung und Überzeugung.

In unserem europäischen Lebensraum empfinde ich mich vor Allem in Deutschland in einer Welt der Bedenkenträger. Wir sind eine Haftungskultur geworden. Wer für was haftet, bestimmt inzwischen unsere regeln des zusammenlebens. Aus dieser Sicht muss man sich fragen, wie die Menschheit groß werden konnte, bevor es freiheitsberaubende Staaten gab. Ich bin seit meinem achtzehnten Lebensjahr in der Welt außerhalb von Versicherung und automatischer Hilfe unterwegs.

Unabhängigkeit und Freiheit sind für mich höchste Güter, das Lebensgefühl schlechthin, für das ich bereit bin, auch zu sterben, wenn es sein muss.

In diesem Kontext sind auch meine Kinder groß geworden und erweisen sich als lebensfähig und eigenständig. Das kann man hier in Kairo gut beobachten. Sie bewegen sich selbstbewust und haben keine Opfer- Ausstrahlung.

Noch eine kleine Geschichte: In unserem noblen Stadtteil Waldperlach in München gab es, als Rosi und Leo in der Grundschule waren, zwei Kindsentführungen mit dem Hintergrund von professionellen Kindsmissbrauch. Ein Kind wurde tot gefunden und eines verschwand ohne Spuren. In diesem Ambiente waren wir Eltern überzeugt, trotzdem den Kindern Bewegungsfreiheit geben zu müssen. Das taten wir mit großer Angst und Bauchweh. Unsere Kids waren im Viertel unterwegs, auf die Gefahr konditioniert und es ist gut gegangen.

Was wäre die Reaktion der Bedenkenträger gewesen? Kinder im Haus einsperren und nur noch mit dem Auto chauffieren? Unselbstständige und lebensunfähige Kinder wären die Folge, die dann im Erwachsenenalter blauäugig den risikolosen Tourismus suchen.

Was ich damit sagen will, dass Dilemma von Risiko kontra Sicherheit taucht auch in unserer "heilen" Welt auf. Da muss ich nicht erst in die Sahara fahren. Es lauern in unserer westlichen Welt Gefahren, die weit schrecklicher sind, als die gut kalkulierbaren Risiken im Sahararaum. Mir graust es, wenn ich an die Diskussion über Kindsmissbrauch in Deutschland denke, die zur Zeit die Medien beherrscht. Wie krank ist unsere Gesellschaft schon geworden.

Und bevor mein Kind das Opfer eines grausamen, pädophilen Ungeheuers wird, wünsche ich ihm lieber die Kugel eines Al-Qaida-Kämpfers.

Es ist eben nicht so, dass in Deutschland keine Lebensrisiken existieren. Sie werden nur verdrängt und von der Gesellschaft nicht mehr wahrgenommen.

 

Warum kapiert keiner mehr, dass das jedes Leben an einem seidenen Fädchen hängt. Es kann jede Sekunde zu Ende sein. Warum nimmt jeder sein Leben so wichtig? Lebensgefühl ist Bewegung, psychisch wie physisch und jede Bewegung ist ein Lebensrisiko per se. Überall auf der Welt. Bei aller Sorge um ihre armselige Existenz vergessen die Menschen bei uns zu Leben.

Wie heißt es so schön: Sorge dich nicht um die Tage deines Lebens, sondern um dein Leben in den Tagen.

Schaut mal nach Kairo. Hier riskiert fast jeder sein Leben in für uns in nicht nachvollziehbarer Weise im Straßenverkehr. Hier ist aber auch das pralle Lebensgefühl, um dass ich die Kairener manchmal beneide.

Und manchmal geht's schief, wie gestern auf der Nil- Corniche. Inshallah

 

In der Wüste abseits jeder Zivilisation unterwegs zu sein, ist für mich heilsame Ruhe, Eigenverantwortung und Freiheit. Dort kann ich ein meinem Wesen gemäßes Leben führen. Die Wüste birgt klare, kalkulierbare Gefahren. Damit kann ich gut umgehen.

In der Wüste ist Freiheit und Leben. In den Städten ist Krankheit und Tod.

 

Das war ein Plädoyer für das Leben und die Freiheit.

 

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