Kulinarisches auf Reisen, oder was gibt es zu futtern

Stand 12.06.2010

 

Bei den Murr's hat das Essen nicht nur den Ernährungswert, sondern das gemeinsame Essen ist der Ausdruck von Familien- und Gesprächskultur. Ich suche alleine schon deshalb meine Nachtplätze mit Bedacht, um am nächsten Vormittag ungestört unser Frühstück zelebieren zu können. Drei Dinge gehen mir auf Reisen nie aus: Kaffee, Wasser und Diesel. Man beachte die Reihenfolge.

Unterwegs haben wir einen ausreichenden Bestand an Konserven aller Art dabei. Das läßt sich bei Fahrten in die Wüste nicht anders regeln. Durch jahrelanges Reisen hat sich ein Fundus mit ausgezeichneter Qualität und Geschmack aus dem riesigen Konservenmarkt heraus destilliert.

Bietet sich die Gelegenheit zum Kauf von frischen Ingredenzien, tun wir das natürlich mit Begeisterung. Auf den Märkten der Welt erlebt und erfährt man nebenbei sehr viel von der Bevölkerung und ihrer Lebensart.

Legendär sind Petras Spagetti Bolognese mit Geriebenem Gauda und einem guten Rotwein. Traditionell das Gericht am ersten Reiseabend. Es fehlt mir jedesmal die menschliche Größe, auf den dritten Teller zu verzichten.

Sonst gibt es viel Eintopf je nach Gemüseangebot. Grundbestand bei uns ist Basmatireis, Couscous, Nudeln aller Art und Kartoffelbrei.

Durch den Kompressorkühlschrank, der Fa. Engel sei Dank, fehlt es auch nicht an Eiern, Käse aller Art, Milch, Schinken und Wurst und sonstigen verderblichen Schmankerln. Ein ausreichender Fundus an gutem Rotwein versteht sich von selbst.

Gelegendlich gibt es zur Begeisterung der Familie Fondue.

 

Das gab in der Vergangenheit schon ernste Probleme mit Konvoi- Partnern, die Expeditionsmässig unterwegs waren. Das wir bereits das Dinner zubereiteten, während die Herrschaften noch an der letzten Düne schaufelten, war demoralisierend. Vor Allem, wenn es dann Bundeswehr- EPA zum Essen gab.

 

Zum guten Essen braucht die Familie Platz. Deshalb haben wir zwei große Tische und sehr bequeme Stühle immer dabei.

die Kunst das Leben zu geniessen, fängt bei uns beim gemeinsamen Essen an. Nichts erfreut das Herz mehr als ein reich gedeckter Tisch mit einem köstlichen Gericht. Das halten wir wie Italiener, La bella maniera di vivere. Gemeinsames Essen wird bei uns meistens ein vergnügtes Ereignis. Essen ist für uns gleichsam ein Fest, und Geselligkeit bei Tisch stärkt die Familientradition. Das gilt zuhause und genauso auf Reisen.

 

Hinzu fügen muss ich noch: Wir kochen unterwegs mit Edelstahltöpfen, benützen Schüsseln und Weingläser aus Glas und essen aus Hartglastellern.

Plastik würde mir nie in den Unimog kommen.

 

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Brot ist Leben

 

"Eesch" steht im ägyptischen Arabisch für beides, für Brot und Leben.

Brot ist unser Grundnahrungsmittel Nummer 1. Für frische Baguettes direkt vom Backblech des Bäckers bin ich schon 2 Stunden angestanden. Die Kunst ist vor Allem, die Bäckerei in den diversen Orten zu finden, was oft kriminalistischen Spürsinn erforderte. Die Baguettes im Laden sind meist schon zu alt. Die Hälfte der gekauften Menge Baguettes überlebt in der Regel nicht die erste Viertelstunde in meiner Familie. Mit der Folge, dass sämtliche Unimogsitze mit Baguette-Brösel flächig bedeckt sind. Ein nach französischem Rezept gebackenes, frisches, ofenwarmes Baguette gehört zu den kulinarischen Highlights in Afrika.

Das ist nur durch bayrisches Holzofenbrot zu toppen. Wir haben immer einige Backmischungen und Trockenhefe dabei und wenn sich die Gelegenheit und genügend Holz ergibt, backen wir bayrisches Holzofenbrot nach Touareg-Art.

Das geht wie folgt: Die Backmischung anrühren, aber nur die halbe Hefemenge verwenden. Das Brot darf nicht zu sehr aufgehen. Feuer machen, bis die richtige Menge Glut erreicht ist. Lieber mehr Glut, als zu wenig. Die Glut halbieren. Die eine Hälfte der Glut mit einer dünnen Schicht Sand abdecken. Den Brotteig daraf legen. Den Brotteig mit einer dünnen Schicht Sand abdecken und die zweite Hälfte der Glut darauf verteilen. Nun eine dicke Schicht Sand über das Ganze schaufeln. Hat die Menge der Glut gestimmt und damit die Hitze, ist nach ca. einer halben Stunde das Brot fertig gebacken. Das klappt im Sommer besser, als im Winter. Durch die richtige Hitze bleibt kein Sandkorn am Brot haften. Ein Hochgenuß in der Wüste.

 

Gutes Roggenbrot ist auch eines der Dinge, die uns hier in Kairo sehr fehlen.

Der Anbau von Getreide gilt als Ursprung für die Entwicklung der menschlichen Zivilisation. Die Anfänge werden vor 12.000 Jahren im Mittleren Osten vermutet. Die ältesten Nachweise des Brotbackens stammen aus dem alten Ägypten. Eine Brotkultur ist in Ägypten allerdings nicht mehr zu finden.

 

 

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