Murrywinter

Ein Event des Unimurr-Forum zu meinem 60. Geburtstag, oder wer ist "IGOR"

 

 

Meine eher scherzhaft gemeinte Aufforderung im letzten Herbst an unseren Kommunikations- und Urlaubsminister im Unimurr- Forum, sich ein angemessenes Event zu meinem 60. Geburtstag einfallen zu lassen, hat dieser ernst genommen.

Dabei raus gekommen ist ein Wintertreffen des Unimurr- Forums zu meinen Ehren auf der Starkenburg in Heppenheim.

Eine größere Anzahl von Unimurristi aus dem engeren Forumskreis hat mit beispiellosem Einsatz und Enthusiasmus ein Treffen und eine Geburtstagsfeier organisiert, die sich sehen lassen kann.

Gemeinerweise war ich komplett ausgeschlossen von den Vorbereitungsaktivitäten. Man hat sogar vorübergehend ein separates Forum eröffnet, um die Vorbereitungen zu koordinieren, ohne dass ich etwas mit bekomme.

Weil positiver, wohlgemeinter Spott zur Unimurr- Forumskultur gehört, fehlte es nicht an Anspielungen, Informationen zur Irrleitung und Verschleierung der tatsächlichen Aktivitäten.

Und irgendwann tauchte "ES" oder "IGOR" auf. Mit der Umschreibung dieses Fabeltiers liefen die Akteure auf literarische Höchstform auf. Es handelte sich ganz offensichtlich um das Geburtstagsgeschenk. Das wurde mir mit beispielloser Dramaturgie ans Herz gelegt und ich hatte zum Schluss den Eindruck, dass ich ein nicht zu bändigendes Ungeheuer riesigen Ausmaßes bekommen werde. Meine Chance, das Tier zu überleben wurde gegen Null prognostiziert.

Ich ertrug es mit Fassung und einem gelegentlichem Schauer über dem Rücken.

Der Tag meines Geburtstages rückte näher. Die literarischen Auswüchse zu "IGOR" im Forum wurden immer blumenreicher und fantastischer.

Am Freitag, den 18. Februar 2011 machte sich die Familie Murr im "Unimi" am frühen Nachmittag auf den Weg zur südhessischen Starkenburg. Das ist eine der zahlreichen Jugendherbergen in einer restaurierten Burganlage, die außerhalb der Saison auch für Events aller Art genützt werden können.

In Heppenheim angekommen, erklommen wir zunächst den Weg zur Burg. Zwei Kilometer grenzwertiges Kopfsteinpflaster auf einem engen, steilen Weg zur Burganlage. Die Vorstellung, diesen Weg bei überfrierender Nässe und leichten Neuschnee mit dem Unimog runter fahren zu müssen, ließ mich schaudern.

Im Innenhof der Burg platzierten wir den Unimog waagerecht zum Schlafen und begrüßten die bereits anwesenden Unimurristi.

Die Burg ist in einem sehr guten, baulichen Zustand und bietet als Jugendherberge einen ausreichenden Komfort für unser Treffen. Die erste Überraschung für uns war die Zwangseinquartierung im "Schuldturm" der Burganlage. Eigentlich wollten die Eltern ja im Unimog schlafen.

Unser Turm war ein dreigeschossiger Turm des äußeren Verteidigungsringes. Im Erdgeschoß eine Wohnküche, im ersten Stock das Kinderschlafzimmer mit drei Betten und in der Turmmansarde das elterliche Gemach. Sehr komfortabel nächtigten wir über dieses Wochenende.

Der Freitag und der Samstag vergingen mit vielen Gesprächen mit alten Bekannten und neuen Gesichtern und mit drei Diavorträgen. Dann gegen 22:00Uhr begann die Laudatio zum eigentlichen Grund des Treffens: Mein 60zigster Geburtstag, 20 Jahre Beziehung mit meiner Ehefrau und Lebensgefährtin Petra und die unmittelbar bevorstehende Volljährigkeit, zumindest nach dem Gesetz, meiner ältesten Tochter Rosi. Die 5,5 Jahre Forum gingen etwas unter im Geburtstagstrubel.

Unser wortgewandter, kommunikationsfreudiger Urlaubsminister referierte die Laudatio und moderierte exzellent das Geschehen bis Mitternacht. Nachdem die Nebenschauplätze abgehandelt waren, näherte sich Mitternacht. 0:05 war es soweit. Das "Unglück" meiner Geburt jährte sich zum sechzigsten Male. Mit einer als Geschenk getarnten Schraubenkiste lenkte man mich vom Platzieren des eigentlichen Geschenkes in Form einer großen, schweren rosa Kiste, 120x80x100cm mit weißen Punkten ab. Diese musste mit einem Palettenhubwagen herein gefahren werden.

Das also beherbergte IGOR. Ich horchte kurz an der Kiste, trat einmal kräftig dagegen, aber es rührte sich nichts. Also öffnete ich die rosa Schleife und hob vorsichtig den Deckel ab. Die Überraschung war perfekt.

In der Kiste kauerte ein dunkelgrau lackiertes Unimoggetriebe UG2/27 mit Vorschaltgruppe.

Das muss ich dem Leser ohne Insiderwissen kurz erläutern: Seit Jahren plane ich einen Umbau des alt ehrwürdigen Getriebes der Unimog Baureihe 406/416, also das Getriebe meines Unimogs, um die Drehmomentbelastbarkeit zu erhöhen und einen langen Schongang zu realisieren. Das scheiterte vor Allem an der Anschaffung eines Getriebes, um die Umbauten in Angriff zu nehmen. Das wusste man natürlich auch im Unimurr- Forum. Also legte der harte Kern des Forums zusammen und erwarb ein gebrauchtes Getriebe. Warum heißt das Teil nun IGOR:

Instabiles

Getriebe

Ohne

Reparatur

Ein besseres Geschenk hätte man nicht finden können.

Das Feiern dauerte bis 2:00 Uhr morgens, dann machte die Familie Murr schlapp und zog sich in ihren Turm zurück.

Der Sonntagmorgen war ausgefüllt mit Frühstücken, Packen und Verabschieden. Wir mussten die Burg bis Mittag verlassen.

Die Abfahrt auf dem grenzwertigen Burgweg war dann doch eher harmlos, da auch der Wettergott uns wohl gesonnen war.

 

Diese Feier zu Ehren meines Geburtstages hat mich tief berührt.

[Emomodus an]

Von meiner Biographie her kenne ich es nicht, dass mich jemand uneigennützig mag, einfach so. Natürlich kann ich das intellektualisieren, aber es ist in meiner emotionalen Vorstellungswelt nicht vorgesehen. Was am Wochenende lief, hat mich tief berührt und ich kann es schwer in Worte fassen. Das war schon ähnlich damals 2008 in Ferschweiler beim Abschied, als wir uns nach Kairo auf machten. Ein Erlebnis, dass ich mit allen meinen Ecken und Kanten gemocht werde ohne Gegenleistung, einfach so, dass nicht mehr rational weg zu schieben ist. Ich bin sicher auch ganz ungeschickt damit umgegangen, weil ich es so nicht kenne. Ich danke allen Beteiligten aufrichtig für diese Erfahrung.

Ich wollte grade schon wieder was von meiner Gegenleistung faseln. Ein dummer Reflex von mir.

Ich nehme es einfach an wie es war. Es geht mir wie Mike, dass immer mehr Unimurristi zu Freuden werden. Ich gehe mit dem Begriff "Freund" nicht inflationär um.

Das ist eine Entwicklung im Unimurr-Forum, an die ich vor fünf Jahren nicht im Traum gedacht habe.

Auch wenn es einige schwer glauben: Ich konnte gut damit leben, dass ich bei den Vorbereitungen ausgeschlossen war und einfach andere ohne mich agierten.

Ich werde älter, ruhiger und lerne.

[/Emomodus aus]

 

Ich danke allen Beteiligten für diese Erfahrung und für das Getriebe.

 

Nach oben