Wir haben nun den Sonntag, den 25. Juli 2010. Ich sitze an unserem vertrauten Esstisch, gut gesättigt bei einem Glas Rotwein.
Die ersten fünf Tage in München waren geprägt durch jede Menge Erledigungen, die dringend anstanden. Die erste Nacht verbrachten wir vor der Werkstatt. Aus den Erfahrungen vom Sommer 2009, als wir vier Wochen in München im Unimog lebten, war klar, dass wir ein vernünftiges Dach über dem Kopf brauchen. So quartierten wir uns in einer Pension in Trudering für Euro 70,- die Nacht erst mal ein. Die Pension war das Geld nicht wert, wenn auch das Essen in der angeschlossenen Gaststätte sehr gut war.
Unsere vorangegangene Recherche nach einer Pension oder Ferienwohnung im Osten von München war eher ernüchternd. Erstens ist schon Urlaubssaison und die Preise bewegten sich ab 3000,- Euro pro Monat aufwärts. Da den Murr's gelegentlich Fortuna hold ist, bekamen wir eine kleine Zweizimmerwohnung für Zwei Monate im Münchner Westend für 750,- Euro pro Monat. Vermittelt hat uns das ein Unimurristi aus meinem Unimog-Forum. Allah's Gnade sei mit ihm.
Unsere erste Handlung am Montagmorgen war unseren "Berli" flott machen. Der Berli ist unser Citroen Berlingo, der das letzte Jahr im Tiefschlaf in Opa's Tiefgarage verbracht hat.
Ich klemmte die Batterie an, startete und der Berli schnurrte. Jetzt hat der Ungeliebte ein paar Pluspunkte mehr.
Also erst mal zum Versicherungsvertreter, um die Versicherungsbestätig zu bekommen. Dort saßen wir eine Stunde, bis die drei Kunden vor uns abgefertigt waren. Da Geduld einer meiner Kernkompetenzen ist, war ich kurz vor der Krise, als wir endlich dran waren.
Mit dieser Bescheinigung ging es dann zur Zulassungsstelle. Erfreulicherweise darf man mit dem abgemeldeten Auto vom Wohnort zur Zulassungsstelle fahren, was das Prozedere erheblich vereinfacht. An der Zulassungsstelle kämpften wir wie immer um den viel zu kleinen Parkraum. Trotz unserer relativ neuen Zulassungsbehörde ist die Wartezeit beträchtlich. Wir saßen also uns die Hintern auf den aus Draht geflochtenen Sitzgelegenheiten im Wartebereich wund. Erfreulicherweise war unsere alte Autonummer nicht vergeben und wir kamen um den Erwerb neuer Nummernschilder herum. Mit 22,- Euro war die Wiederzulassung erstaunlich billig. Mit diesem erheblichen Zugewinn an Mobilität erledigt sich Alles erheblich reibungsloser.
Nächster Schritt war ein Internetzugang mit einem UMTS-Stick. Weil wir schon alle Mobiles bei Vodafon als Prepaid haben, kaufte ich den UMTS-Stick auch bei Vodafon.
Das klappte auch erst mal reibungslos und eine halbe Stunde später war ich im Internet.
Da ich ja bei der DEO bis Ende August in Lohn und Brot bin, war einer meiner ersten Arbeiten das Pflegen der DEO- Seite. Das scheiterte am Typo3-Zugang auf die DEO-Seite. (DEO= Deutsche Evangelische Oberschule Kairo) ( Typo3= ein Content- Management- Software zum Erstellen und Pflegen von Internetseiten)
Also griff ich zum Mobile und rief die Vodafon-Hotline an. Nach den üblichen, nervigen Auswahlansagen gelangte ich an einen Ägypter von Vodafon-Kairo. Diese Umleitung macht Vodafon, um die deutsche Hotline zu entlasten. Der Ägypter sprach so schlecht Deutsch, dass ich mein Problem nicht vermitteln konnte. Beim zweiten Anruf wählte ich explizit die deutsche Hotline. Darauf hatte ich eine nette Frau an der Leitung, die sich kompetent kümmerte. Da es sich um ein technisches Problem handelte, wollte sie die URL der Seite haben, auf die ich nicht zugreifen kann. Ich gab ihr die www.deokairo.com. Sie vergewisserte sich ob ich die Deutsche Evangelische Oberschule Kairo meine. Ich bejahe uns stutzte. Normalerweise verbindet der Deutsche den Begriff DEO nicht mit Schule.
Ich frage sie, ob sie in Ägypten ist. Sie bejaht und erzählt mir, dass sie auf der DEO 2004 das ABI gemacht hat und ich erzähle ihr unsere Geschichte. Wir plauderten noch einige Zeit über die DEO. Kairo ist eben überall. Das Fazit der Sache ist: Ein UMTS-Stick von Vodafon auf Prepaid-Basis bietet nur eingeschränkten Zugang zum Internet.
Am Abend bestellten wir uns Pizza beim Pizzaservice um die Ecke. Der fand uns nicht auf Anhieb im Unimog vor der Werkstatt. Er fragt uns dann erstaunt, ob wir hier wohnen. Petra erzählt ihm, dass wir gerade aus Kairo kommen. Sein Gesicht strahlt auf einmal und er erzählt uns, dass er syrischer Kurde ist und ob wir sein Dorf kennen und fragt wie wir Syrien finden. Es folgt ein nettes Gespräch, bis er dringend weiter muss. Auch hier lässt uns der nahe Osten nicht los.
Einer unserer ersten Handlungen war der Gang in den Supermarkt. Die Wahl fiel auf den Tengelmann-Markt in der Nähe meiner Werkstatt. Da erlebe ich immer den richtigen Kulturschock, wenn ich eine Weile nicht in Deutschland war. Das ungeheure Warenangebot erschlägt mich förmlich und ich bin unfähig, mich darin zu Recht zu finden.
